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Band I (1990)Spalten 115-116 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

ALFRED der Große, König von England, * 849 in Wantage (Berkshire) als Sohn des Königs Ethelwulf von Wessex und als Enkel des Königs Egbert von Essex, † 28.10. 899. - Als fünfjähriger Knabe wurde A. von Leo IV. in Rom zum König gesalbt. Nach zwei Jahren kam er in Begleitung Ethelwulfs wiederum nach Rom. Nach dem Tod seines Vaters und seiner drei älteren Brüder wurde A. 871 König von Wessex. Es war eine Notzeit sondergleichen: die Normannen und Dänen bedrängten und verheerten seit Jahrzehnten das Land; die Hälfte der Dörfer und Städte, die Kirchen und Klöster lagen in Asche. A. brachte 878 den Dänen eine entscheidende Niederlage bei und beschränkte sie auf Northumbrien, Ostangeln und einen Teil von Mercia. Er schuf Befestigungen im Land und die erste englische Flotte, so daß er 885 eine normannische Flotte, die in Kent landete und Rochester angriff, zurückschlagen konnte. 893-896 galt es, sich der Dänen zu erwehren. 896/97 gelang es A., der 894 wiederum ins Land eingefallenen Normannen für immer Herr zu werden. In den letzten Jahren konnte er sich so recht der friedlichen Aufbauarbeit widmen. - Die alte angelsächsische Kultur und Kirche verdanken A. ihre Entfaltung. Er war um die Hebung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes bemüht und wandte seine besondere Fürsorge der Kirche und Schule zu. A. baute die zerstörten Kirchen, Klöster und Städte wieder auf und gründete in Athelney und Winchester neue Klöster. Er förderte die Wissenschaft und berief gelehrte Männer, u. a. aus dem Bistum Thérouanne in Frankreich den Benediktiner Grimbald von St. Bertin an die Schule von Oxford und seinen späteren Biographen, den Benediktiner Asser von St. Davids in Wales, an seinen Hof, auf dessen Betreiben A. die Hofschule gründete. A. wurde der eigentliche Schöpfer angelsächsischer Prosa, indem er lateinische Werke in die Landessprache übersetzte, z. B. »De consolatione philosophiae« von Boėthius, den Abriß der Weltgeschichte des Paulus Orosius, die »Regula pastoralis curae« des Papstes Gregor I. Die angelsächsische Übersetzung der »Historia ecclesiastica gentis Anglorum« des Beda Venerabilis wird A. mit Unrecht zugeschrieben. A. sorgte für die Rechtspflege und schuf ein Gesetzbuch, indem er die Gesetze von Kent, Mercia und Wessex sammelte und neue hinzufügte.

Werke: Ausg. v. Bosworth, 2 Bde., London 1858. - Einzelausgg.: Übers. der Schr. des Boėthius De consolatione philosophiae, hrsg. v. Fox, London 1864; die in verkürzter Überarb. übers. Weltgesch. des Orosios, hrsg. v. H. Sweet, ebd. 1883; die Übers. der Regula pastoralis curae Gregors I., hrsg. v. dems., ebd. 1872; die Bearb. der Soliloquien des Augustinus, hrsg. v. Wilhelm Endter (= Bibl. d. angelsächs. Prosa 11), 1922 (unveränd. Nachdr. 1964).

Lit.: R. Pauli, König A. u. seine Stelle in der Gesch. Englands, 1851; - Ed. Winkelmann, Gesch. der Angelsachsen bis zum Tode König A.s, 1883, 142 ff.; - Ch. Plummer, The Life and Times of A. the Great, Oxford 1902; - Asser's Life of A., with the Annals of St. Neot, hrsg. v. W. H. Stevenson, 1904; - Ludwig Borinski, Der Stil König A.s. Stud. z. Psychologie der Rede, 1934; - F. M. Stenton, Anglosaxon England, Oxford 19472; - Manitius II, 646 ff.; - RE I, 220 ff.; - EC I, 874 f.; - LThK I, 334 f.; -DNB I, 152 ff.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

2005

Katherine O'Brien O'Keefe, Listening to the scenes of reading: King A's talking prefaces, in: Orality and literacy in the middle ages. Ed. by Mark Chinca and Christopher Young. Turnhout 2005, S. 17-36; -

2007

Michael Treschow, Wisdom's land. King A's imagery in his preface to his translation of Augustine's "Soliloquies", in: Divine creation in ancient, medieval, and early modern thought. Leiden [u.a.] 2007, S. 257-284; -

2010

Bernard Cornwell, Der weiße Reiter. Dt. von Michael Windgassen. Augsburg 2010.

Letzte Änderung: 05.03.2010