Verlag Traugott Bautz |
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ANAKLET II., Gegenpapst * in Rom als Pietro Pierleoni, † daselbst 25.1. 1138. - A. II. entstammte einem ehemals jüdischen reichen und mächtigen Geschlecht. Er studierte in Paris und wurde Mönch in Cluny. Seinem Vater hatte er es zu verdanken, daß Paschalis II. ihn nach Rom rief und etwa 1116 zum Kardinaldiakonen ernannte. Pietro Pierleoni begleitete Gelasius II. auf seiner Flucht nach Frankreich und wurde 1120 Kardinalpresbyter und 1121 päpstlicher Legat in England und Frankreich. Als Honorius II. 13./14.2. 1130 starb, kam es zum Schisma. Eine Minderheit der Kardinäle erhob in der Frühe des 14.2. den Kardinaldiakonen Gregor Papareschi unrechtmäßig als Innozenz II. zum Papst bevor an diesem Tag Pietro Pierleoni in unanfechtbarem Wahlvorgang als A. II. zum Nachfolger Honorius' II. gewählt wurde. Er verfügte über den römischen Adel und nahm von Rom Besitz, so daß Innozenz II. nach Pisa und dann über Genua nach Frankreich flüchtete. A. II. verband sich mit dem Herzog Roger von Sizilien. Durch Bulle vom 27.9. 1130 bestätigte er ihm seine gesamten Erwerbungen als päpstliches Lehnskönigreich. Dadurch machte er sich den deutschen König Lothar von Sachsen zum entschiedenen Gegner. Außer Roger und Rom standen nur noch der Herzog Wilhelm von Aquitanien und Mailand auf seiten A.s II., während Innozenz II. Bernhard von Clairvaux und die französischen Mönche zu seinen Bundesgenossen zählte, mit deren Hilfe er die Anerkennung durch die Herrscher von Frankreich, Deutschland und England gewann. Oktober 1131 exkommunizierte Innozenz II. A. II. in Reims. Lothar führte April 1133 Innozenz II. nach Rom zurück und ließ sich von ihm zum Kaiser krönen. Lothar ächtete A. II., weil er seiner Vorladung nicht Folge leistete. Dennoch hielt sich A. II. und nötigte Lothar zum Abzug und Innozenz II. zur Flucht. Frühjahr 1135 sprach Innozenz II. auf einer Synode in Pisa über A. II. und seine Anhänger wiederum den Bann aus. A. II. geriet nicht durch den zweiten Romzug Lothars Herbst 1136 in eine bedrängte Lage, sondern durch Bernhard von Clairvaux, der auch Mailand für Innozenz II. gewonnen hatte und nun mit Roger Unterhandlungen anknüpfte. Dennoch behauptete sich A. II. auf dem päpstlichen Stuhl und im Besitz des größten Teils von Rom bis zu seinem Tod. - Das Schisma endete erst am 29.5. 1138 durch Unterwerfung Viktors IV., des Nachfolgers von A. II.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1981
Werner Maleczek, Das Kardinalskollegium unter Innozenz II. u. Anaklet II., in: AHP 19.1981, S. 27-78; -
2007
Myriam Soria Audebert, La propagande pontificale et sa réception au temps des schismes (XIe-XIIe siècles). Innocent II, Anaclet II: la mémoire d’une guerre de libelles, lectures et débats, in: Comunicazione e propaganda nei secoli XII e XIII. Atti del convegno internazionale (Messina, 24-26 maggio 2007), hg. v. Rossana Castano, Fortunata Latella, Tania Sorrenti, Roma 2007, S. 595-612;-
2010
Miriam Rita Tessera, Orientalis ecclesia. The papal schism of 1130 and the Latin Church of the crusader states, in: Crus 9.2010, S. 1-12.
Letzte Änderung: 06.11.2011