ANNA SOPHIA Landgräfin von Hessen-Darmstadt, Kirchenliederdichterin, * 17.12. 1638 in Marburg (Lahn) als Tochter des frommen und streng lutherisch gesinnten Landgrafen Georg II. von Hessen-Darmstadt, † 13.12. 1683 in Quedlinburg. - A. S. las fleißig in der Bibel und den Werken der Kirchenväter und trieb eifrig orientalische Sprachen, begann auch schon früh zu dichten. Mit 16 Jahren kam sie zu längerem Aufenthalt an den Hof ihrer Großeltern nach Dresden. A. S. wurde 1657 Pröpstin und 1680 Äbtissin des Stifts Quedlinburg. - Ihre ältere Schwester, Elisabeth Amalie Magdalene, vermählte sich 1653 mit dem Grafen Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, trat bald darauf, von ihrem Gatten und seinen jesuitischen Beichtvätern dazu bewogen, zur römisch-katholischen Kirche über und bemühte sich nach dem Tod ihres Vaters (1661), auch ihre Schwester A. S., der sie darum zur Flucht verhelfen wollte, zur römisch-katholischen Kirche hinüberzuziehen. Die Wachsamkeit der Äbtissin verhütete das, und der Seelsorge des Hofpredigers am Stift war es zu verdanken, daß sich A. S. in ihrer Anfechtung und Glaubensnot zu dem Entschluß durchrang, dem evangelischen Glauben treu zu bleiben. - Vom 14.-26. Lebensjahr hat A. S. die meisten ihrer Dichtungen verfaßt. Ihre innersten Gefühle und Erlebnisse wurde zu geistlichen, fast theologischen Betrachtungen über die Freundschaft der Seele mit Jesus auf Grund des Hohenliedes und zu glaubensinnigen Gebeten und Gedichten, die sie dann, noch nicht ganz 20 Jahre alt, als Andachtsbuch herausgab. Bekannt ist ihr Abendmahlslied: »Ach Gnad über alle Gnaden! Heißet das nicht Gütigkeit? Jesus hat uns selbst geladen zu dem Tisch, den er bereit't.« Genannt sei ferner: »Mein Freund ist mein, und ich bin sein, ihm hab ich mich ergeben« und »Rede, liebster Jesu, rede, denn dein Kind gibt acht darauf.«
Werke: Der treue Seelenfreund Christus Jesus mit nachdenklichen Sinngemälden, anmutigen Lehrgedichten u. neuen geistreichen Gesängen, Jena 1658 (16752).
Lit.: Christ. Wilhelm Stromberger, Leben u. Lieder der Landgräfin A. S., Halle 1856; - Friedrich Ernst Kettner, Kirchenhist. des Stifts Quedlinburg, 163 ff.; - Koch III, 549 II.; - Wilhelm Neue, Unsere Kirchenliederdichter, 1905, 633 ff.; - ADB I, 469.