AUGUST, Kurfürst von Sachsen, * 31.7. 1526 in Freiberg (Sachsen) als zweiter Sohn des Herzogs Heinrich des Frommen (1473-1541) und jüngerer Bruder des Kurfürsten Moritz von Sachsen, † 11.2. 1586 in Dresden. - Das Testament des Vaters bestimmte A. zu gleichem Anteil an dem väterlichen Erbe. Er ließ sich aber von seinem Bruder Moritz mit bestimmten Einkünften abfinden und erhielt 1544 die Administratur des Bistums Merseburg, die er 1548 bei seiner Vermählung mit Anna, der Tochter Christians III. von Dänemark, niederlegte. 1553 folgte A. seinem Bruder als Kurfürst. Er war Führer der deutschen Protestanten auf dem Reichstag zu Augsburg, auf dem am 25.9. 1555 der Augsburger Religionsfriede geschlossen wurde, der die »Verwandten der Augsburgischen Konfession« reichsrechtlich anerkannte, den Reichsständen (nicht den Untertanen) freie Wahl zwischen der alten Religion und der Augsburgischen Konfession zugestand und den Fortbestand des Katholizismus sicherte durch das sog. Reservatum ecclesiasticum, den »geistlichen Vorbehalt«, der es den geistlichen Fürsten zur Pflicht machte, im Fall ihres Übertritts zum evangelischen Glauben auf Amt und Land zu verzichten. A. war lutherisch gesinnt, aber theologisch nicht gebildet. Er stand ganz unter dem Einfluß seines Geheimrats Georg Cracow und seines Leibarztes und Ratgebers Kaspar Peucer, der Philipp Melanchthons Schwiegersohn und das Haupt des Philippismus in Kursachsen war, ferner des Hofpredigers Schütz und des Superintendenten Johann Stössel, der sein Beichtvater war, und änderer Philippisten, die der Kurfürst alle für Anhänger Luthers hielt. Als A. aber erkannte, daß seine Ratgeber und Theologen heimlich die calvinische Abendmahlslehre einzuführen und den von seiner Gemahlin Anna begünstigten lutherischen Einfluß zu verdrängen suchten, machte er 1574 dem »Kryptocalvinismus« in seinem Land ein Ende durch Einkerkerung bzw. Verbannung seiner Führer. Erst nach zwölfjähriger Kerkerhaft erlangten Schütz und Peucer die Freiheit wieder. A. war nach dem Sturz der Philippisten um die Wiederherstellung des Luthertums in Kursachsen bemüht und betrieb eifrig den bekenntnismäßigen Zusammenschluß der strengen Lutheraner. Darum berief er 1576 Jakob Andreae zur Mitarbeit an dem Einigungswerk nach Torgau und half mit an dem Zustandekommen der Formula Concordiae von 1577, die den Calvinismus aufs schärfste verurteilte. Am 25.6. 1580 erschien in Dresden das Konkordienbuch, die Sammlung der mit der Konkordienformel abgeschlossenen lutherischen Bekenntnisschriften.
Lit.: Konrad Sturmhoefel, Kurfürstin Anna v. Sachsen, 1905; - Otto Fürsen, Ein wichtiges Jahrzehnt kursächs. Reichspolitik, 1576-86, Programm Sonderburg 1908; - G. Sommerfeldt, Kurf. A. u. die Grumbachsche Sache, in: NA f. sächs. Gesch. 46, 1925; - Rudolf Kötzschke u. Hellmut Kretzschmar, Sächs. Gesch. II, 1935; - NDB I,448 ff.