AURELIANUS (Aurelian), Lucius Domitius, römischer Kaiser, * 9.9. 214 bei Sirmium (Pannonien) als Sohn einer Sonnenpriesterin, † im Dezember 275 zwischen Byzanz und Herakleia, auf Anstiften seines Sekretärs meuchlings ermordet. - A. wählte die militärische Laufbahn und gelangte durch Tüchtigkeit bis zum Oberbefehlshaber des Reiterkorps. Er wurde im Mai 270 nach dem Tod des Claudius von den Truppen in Sirmium zum Kaiser ausgerufen. A. trat die Regierung an zu einer Zeit, da der Bestand des Reiches durch Usurpatoren in den Provinzen und durch Einfälle barbarischer Völkerschaften aufs äußerste bedroht war. Er vertrieb die Goten aus der Provinz Mösien diesseits der Donau, mußte ihnen aber das jenseits gelegene Dakien überlassen. In Italien schlug er die bis zu den Apenninen vorgedrungenen Alemannen zurück. Nun begann A. zum Schutz Roms mit dem Bau der etwa 18,8 km langen Aurelianischen Mauer, die 279 von Probus vollendet wurde und zum größten Teil noch erhalten ist. A. zog 271 gegen Zenobia, die Königin des palmyrischen Reiches, das Syrien, Ägypten und einen großen Teil Kleinasiens umfaßte, und besiegte sie bei Antiochia und Emesa. Er eroberte Palmyra und nahm Zenobia gefangen, ließ den dort zerstörten Sonnentempel wieder aufbauen und errichtete in Rom dem Sonnengott von Emesa einen Tempel. A. unterdrückte mit Waffengewalt den Aufstand des Firmus in Ägypten und feierte 274 mit großem Triumph die Wiederherstellung der Reichseinheit, nachdem sich der Rebell Tetricus in Gallien freiwillig unterworfen und das gallische Sonderreich sich aufgelöst hatte. Dann brach er zu einem Feldzug gegen die Perser auf. - Die Angabe, daß unter A. eine große Christenverfolgung, die neunte, stattgefunden habe, ist auf Grund neuerer Forschungen unrichtig. Im wesentlichen hatten die Christen unter ihm Ruhe. Der Kirchenhistoriker Eusebius von Cäsarea weiß nur von dem weitverbreiteten Gerücht, A. habe an eine Christenverfolgung gedacht, sei aber durch seinen frühzeitigen Tod daran gehindert worden.
Lit.: Pauly-Wissowa IX. Hbd., 1903, 1347 ff.; - Kl. Pauly I, 1964, 761 ff.; - L. Homo, Essai sur le règne de l'empereur Aurélien, Paris 1904; - A. Linsenmayer, Die Bekämpfung des Christentums durch den römischen Staat, 1905, 163 ff.; - P. H. Webb, Roman Imperial Coinage 5, 1, London 1927, 248 ff.; - Johannes Geffcken, Der Ausgang des griech.-röm. Heidentums, 1929
2, 26 f.; - F. Cumont, Les religions orientales, 1929
4, 95 ff.; - Wilhelm Weber, Probleme der Spätantike, 1930, 85 ff.; - G. Lugli, I Monumenti antichi di Roma suburbio, Rom 1934; - H. Kähler, Zum Sonnentempel des A., in: RM 52, 1937, 94 ff.; - Franz Altheim, Die Soldatenkaiser, 1939, 275 ff.; - Ders., Niedergang der Alten Welt. Eine Unters. der Ursachen, 1952, 337 ff.; - Fritz Manns, Münzkundl. u. hist. Unterss. über die Zeit der Illyrerkaiser. A. (Diss. Berlin), 1939; - Gerold Walser und Thom. Pekáry, Die Krise des Röm. Reiches. Bericht über die Forsch. des 3. Jh.s (193 bis 284), 1962, 51 ff.; - RAC I, 1004 ff.; - RE II, 285 ff.; - LThK I, 1107 f.
Friedrich Wilhelm Bautz
Letzte Änderung: 06.11.2011