Verlag Traugott Bautz |
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BELLOC, Hilaire, Schriftsteller, * 27.7. 1870 zu La Celle-St. Cloud bei Paris, seit 1903 britischer Staatsbürger, † 16.7. 1953 zu Guildford (Surrey). - Geboren wurde B. als Sohn eines französischen Vaters und einer englischen Mutter. Während der Belagerung von Paris (1870) im Verlauf des deutsch-französischen Krieges (1870/71) ging die Familie B. nach England, wo sie sich nach dem Tod des Vaters (1872) dauernd niederließ. Seine Ausbildung erhielt B. zunächst an der Oratory School in Birmingham sowie am Collège Stanislas in Paris. Von 1892 bis 1893 diente er in der französischen Armee (Artillerie). Anschließend studierte er am Balliol College der Universität Oxford, wo er auch seine akademischen Studien erfolgreich abschloß. 1896 heiratete er die Amerikanerin Elodie Hogan. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. B.s schriftstellerisches Werk umfaßt Kinderbücher ebenso wie historische Biographien. Seine große Schaffenskraft dokumentiert sich darin, daß er durchschnittlich zwei Bücher pro Jahr veröffentlichte. Seine erste Arbeit, "Verses and Sonnets", erschien im Jahre 1895. Im gleichen Jahr schloß er auch sein Universitätsstudium ab. 1896 erschien "The Bad Child's Book of Beasts", eine Sammlung witziger Verse. 1899 und 1901 veröffentlichte er Biographien über Danton und Robespierre. Sein wohl bekanntestes Werk, "The Path to Rome", erschien 1902. In ihm schildert er eine Wanderung von der alten Festungs- und Garnisonsstadt Toul nach Rom. Gekonnt werden hier zum Ausdruck gebracht ein tiefsinniger Humor und ein tiefgläubiger Katholizismus, gepaart mit einer ausgeprägten Neigung zum Reisen, was übrigens für sein gesamtes Werk kennzeichnend ist. Obwohl ein launiger Humor B.s Werk von Anfang an prägte, so wurde es seit seiner Mitgliedschaft im britischen Parlament zwischen 1906 und 1910 durch ernstere Themen dominiert. Die Erfahrungen als Unterhaus-Abgeordneter führten auch dazu, daß er das parlamentarische Regierungssystem fortan verabscheute. Das wiederum veranlaßte ihn, den Finger auf das zu legen, was ihm als Heuchelei erschien. 1911 erschien (zusammen mit Cecil Chesterton) "The Party System", 1912 "The Servile State", in dem er eine Philosophie entwickelte, in der mittelalterliche Nostalgie und Ablehnung von Sozialismus und Materialismus miteinander verwoben sind. B., der die katholische Weltanschauung in der mittelalterlichen Welt verwirklicht sah, setzte sich für eine möglichst breite Streuung des Eigentums ein, wofür er die Bezeichnung "Distributionismus" wählte. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Schriftsteller G.K. Chesterton (1874-1936), der 1922 zum Katholizismus konvertierte, versuchte er seine sozialpolitischen Vorstellungen durchzusetzen. - B.s Spätwerk galt der Beschäftigung mit der Geschichte Englands. Dabei ging es ihm darum, die vermeintlichen Falschaussagen und Irrtümer in der britischen Geschichtsschreibung zu korrigieren. Zu diesem Zweck verfaßte er die vierbändige "History of England to the Year 1612", die in den Jahren 1925, 1928 und 1931 erschien. In den folgenden Jahren schrieb er die Biographien "Charles I" (1955), "Cromwell" (1934), "Charles II: The Last Rally" (1959) und "Elzabeth: Creature of Circumstance" (1942). In ihnen wendet er sich gegen die Sicht von Reformation, Civil War (1642-1649) und Glorious Revolution (1688) aus protestantischer Perspektive. - Weil B. in seinem reichen Schaffen kompromißlos den katholischen Standpunkt vertrat, war er nicht unumstritten. Sein ebenso humorvoll wie geistreich, gleichzeitig aber auch volkstümlich verfaßtes Schrifttum trug ihm den Respekt selbst derjenigen ein, die die durch seinen Katholizismus geprägten Anschauungen ablehnten.
Hauptwerke: The Bad Child's Book of Beasts (1896); Cautionary Tales (1908); The Path to Rome (1902); The Old Road (1904); The Servile State (1912); Europe and the Faith (1920); The Jews (1922; dt. 1927); The Crises of our Civilization (1937); A History of England (1925-1931); A Shorter History of England. (1934); A Companion to Mr. Wells' Outline of History (1926); Joan of Arc (1929); Richelieu (1929); Wolsey (1930); Cranmer (1931); Napoleon (1952); Cromwell (1934); Milton (1935); On Nothing and Kindred Subjects (1908); On Everything (1909); On Anything (1910); A Conversation with a Cat (1951; dt. 1940); Sonnets and Verse (1925); Stories, Essays and Poems (Everyman 1948); Prose and Verse, hrsg. von N. Roughead (1951); Letters, selected, hrsg. von Robert Speaight (1958). Lit.: G. Watson (Ed.), The Concise Cambridge Bibliography of Engl. Literature 600-1950 (2. Aufl. 1965), 163, 217, 218f., 223; - Sir Max Beerbohm (1872-1956), A Christmas Garland (1912; erw. 1950), 18 Parodien engl. Autoren des 19. u. 20. Jh.s, darunter B.s.- C.C. Mandell, Edward Shanks, H.B., the Man and his Works (1916); - J. Metzger, Das kath. Schrifttum im heutigen England (1957); - Douglas Woodruff (Hrsg.), For B.: Essays in Honour of his 72nd Birthday (1942); - Robert Hamilton, B.: An Introduction to his Spirit and Work (1945); - R. Haynes, H.B. (London 1953); - J.B. Morton, H.B. (London 1955); - Robert Speaight, The Life of H.B. (N.Y. 1956; London 1957); - H. Schirmbeck, Christliche Dichter der Gegenwart, hrsg. von H. Friedmann u. O. Mann (1955, 181ff.); - Samuel C. Chew, The Nineteenth Century and After, in: Albert C. Baugh (Ed.), A Literary History of England (London 1948, 1598f.; 2. überarb. u. erweit. Aufl. 1961, 117); - James Morris, Oxford (London 1965); - A.N. Wilson, H.B. (1984; Bibliogr.); - I. Boyd (Hrsg.), The H.B. Special Issue: Chesterton Review 12 (1986); - DNB, Suppl. III, 305; - Brockhaus Enz., 17. Aufl., Bd. 2; - Paul Harvey, The Oxford Companion to Engl. Lit. (10. Nachdr. 1966, 77); - Der Große Herder, 7 (1955), 1411; - B.H., in: Collier's Encyclopedia, 4 (1971), 40; - Michael Stapleton, The Cambridge Guide to Engl. Lit (1983), 64f.; - G. Karp, B., in: LThK, II (2. Aufl. 1958), 165; - H. Zinker, B., in: ebd. 3 (völlig neu bearb. Aufl. 1994), 193; - B., in: EBrit. (15. Aufl. 1986), Bd. 2; - C(lifton) Fa(diman), The Art of
Konrad Fuchs
Literaturergänzung:
2009
Sind wir uns einig? Ein Streitgespräch mit Bernard Shaw unter d. Leitung von Hilaire Belloc. Ins Dt. übertr. von Jakob Vandenberg. Coesfeld 2009; -
2010
Race Mathews, Hilaire Belloc, Gilbert and Cecil Chesterton and the making of distributism, in: RH 30.2010, S. 299-319.
Letzte Änderung: 09.04.2011