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Band I (1990)Spalten 314-315 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

BAAL-SCHEM-TOB (kurz auch Baalschem oder Bescht genannt; eigentlich: Israel ben Elieser), Stifter des Chassidismus, * um 1700 in Okop bei Kamenez-Podolsk in der Ukraine (an der podolisch-walachischen Grenze), † 1760 in Miedzyboz (Podolien). - Sein Leben ist fast nur als Legende überliefert. Als Waisenknabe wuchs B. auf Gemeindekosten auf. Mit 12 Jahren wurde er Gehilfe eines Kleinkinderlehrers, später eines Synagogendieners. In seiner Freizeit eignete sich B. insgeheim talmudische und kabbalistische Kenntnisse an. Nach dem Tod seiner ersten Frau, die kurz nach der Hochzeit starb, verließ er Okop und zog durch mehrere Städte Galiziens. Er war öfter Lehrergehilfe, eröffnete aber selbst als Lehrer in Tluste ein »Cheder« (hebräische Elementarschule). Etwa 20 Jahre alt, heiratete B., wurde aber mit seiner Frau von seinem Schwager aus dem Haus gewiesen. Nun arbeitete er an einer Lehmgrube zwischen Kuty und Kossow, wurde später Schächter und schließlich Pächter einer Schankwirtschaft, die seine Frau verwaltete, während er in einer Hütte im Wald ein Einsiedlerleben führte und nur am Sabbat sein Haus aufsuchte. So lernte B. im Umgang mit der Natur die Heilwirkung der verschiedenen Kräuter kennen und behandelte mit ihrer Hilfe die Bauern seines Dorfes. Dann zog er nach Tluste und war dort auch offiziell als »Baal-Schem« tätig, der mit Hilfe des Gottesnamens Wunder wirkte. Die Träger dieses Titels waren Arzte »nicht nur des Leibes, sondern auch der Seele, und beteten zu Gott, daß er ihnen die in ihnen verborgenen Kräfte mitteile und sie durch sie wirken lasse«. So wirkte B. als »Baal-Schem« nicht nur durch Kräuterkuren, sondern auch durch religiösen Zuspruch. Er ließ sich in Miedzyboz nieder und blieb dort bis zu seinem Tod. Sein Ruhm verbreitete sich, und viele pilgerten zu ihm. B. war von zahlreichen Schülern umgeben, für deren Unterhalt er größtenteils sorgte und die ihn auf seinen Fahrten begleiteten. Gleich nach seinem Tod bildeten sich um seine Person, sein Leben und seine Geburt Legenden. Seine Lehre gab B. nur mündlich weiter; sie enthielt inhaltlich nichts absolut Neues. Der durch B. hervorgerufene Chassidismus wurde die volkstümlichste religiös-mystische Bewegung im Judentum, die als Erweckungsbewegung - ähnlich dem Pietismus - die Verinnerlichung des religiösen Lebens im Gegensatz zum Talmudjudentum und erstarrter Gesetzeskasuistik erstrebte und in Polen, Rumänien und der Ukraine trotz heftigen Widerstandes von seiten der orthodoxen Juden zur herrschenden Form jüdischer Frömmigkeit wurde. Die Verbreitung der Kenntnis der Persönlichkeit B.s über die chassidische Welt hinaus ist wesentlich ein Verdienst der poetischen Darstellungen Martin Bubers.

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Lit.: Sal. Birnbaum, Leben u. Werke des Baalschem, 1920; - Martin Buber, Die Legende des Baalschem (einige Teile aus dem Werk »Schibche ha-Bescht«, 1815, in freier dichter. Nacherz. übers.), 1922; - Ders., Des Baal-Schem-Tov Unterweisung im Umgang mit Gott, 1927; - Ders., Die Chassidischen Bücher, Heilerau 1928; - Ders., Die Erzz. der Chassidim, Zürich 1949; - Ders., Gog u. Magog, eine Chron., 1949; - Ders., Die Chassid. Botschaft, 1952; - Simon Dubnow, Weltgesch. des jüd. Volkes, 1925-29, VII, 213 ff.; - Ders., Gesch. des Chassidismus (bis 1815), 2 Bde., 1931/32; - Heman-Harling, Gesch. des jüd. Volkes, 1927, 265 ff. 320 ff.; - L. Gulkowitsch, Der Chassidismus, rel.wiss. unters., 1927; - Die Grundgedanken des Chassidismus als Quelle seines Schicksals, Tartu (Dompat) 1938; - Ders., Das kulturhist. Bild des Chassidismus, ebd. 1938; - S. A. Horodezky, Leaders of Hasidism, London 1928; - Chajim Bloch, Priester der Liebe. Die Welt der Chassidim, 1930; - T. Ysander, Stud. z. Beštschem in seiner rel.gesch. Sonderart (Diss. Uppsala), 1933; - G. G. Scholem, Major trends in Jewish mysticism, New York 19462; - Ders., Les Grands Courants de la Mystique Juive, 1950; - Ders., Die jüd. Mystik in ihren Hauptströmungen, 1957, 87 ff. 356 ff.; - Hans-Joachim Schoeps, Jüd. Geisteswelt, 1953, 211 ff.; - EJud III, 835 ff.; V, 357 ff. (Chassidäer); - JüdLex III, 68 ff. (Israel ben Elieser); - RGG I, 806 f.; - LThK I, 1164.

Friedrich Wilhelm Bautz

Letzte Änderung: 09.04.2011