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Band XXV (2005) Spalten 27- Autor: Oliver Tekolf

BADSEBA (andere Namensformen: hebr. bat-šæba', in LXX Barsabee, in Vulg. Bethsabee, engl. Bathsheba, frz. Bethsabée oder Bat-Choua, ansonsten: Batseba (so die häufigste Form), Batscheba, Beth-Seba, Bat-Sjéba u. a., in 1 Chron 3,5 Bath-Shua) Frau des Uria, Frau Davids, Tochter Eliams (Ammiëls, so in 1 Chron 3,5), Mutter Salomos. - Der Name B. bedeutet "Tochter der Vollkommenheit/Fülle, die Üppige" oder "Tochter des siebten Tages/die am siebten Tag Geborene [Sabbat]". - B. wird in der Geschichte des Hauses David mehrmals erwähnt, sowie einmal in den Psalmen u. im Stammbaum Jesu (Mt 1,6). Sie ist die Frau Davids (nach bzw. neben Ahinoam, Abigajil, Maacha, Haggit, Abital u. Egla) u. Mutter von vieren seiner Söhne (vgl. 1 Chron 3, 5): Salomo, der spätere König, Schammua (Schima), Schoab u. Nathan (Natan). - Nach 2 Sam 11 ist B. die Ehefrau des Hethiters Uria (Urija) der in Davids Heer unter Joab Dienst als Soldat leistet. Sie wird von David während des Krieges gegen die Ammoniter eines Abends von der Terrasse des Palastes aus bei der Körperpflege beobachtet. David läßt sie holen u. "wohnt ihr bei", wie Luther übersetzt. Von einer Vergewaltigung sagt der Text nichts, man kann aber durchaus davon ausgehen, daß sich die Frau in einer Zwangslage befand. Nach den im AT festgelegten Gesetzen übertritt David gleich zwei Gebote, das Verbot des Ehebruchs aus dem Dekalog (Ex 20, 14 bzw. 20, 17) sowie das Verbot des Verkehrs mit einer Unreinen, denn B. hat sich gerade erst von ihrer Monatsblutung gereinigt (2 Sam 11, 4), nach Lev 15, 28 ist die Frau aber erst sieben Tage nach Ende der Menstruationsblutung rein. Die letztere Deutung ist allerdings in der Forschung umstritten. B. kehrt nach der Nacht bei David in Urias Haus zurück u. teilt später dem König mit, daß sie von ihm schwanger ist. David läßt nach Uria schicken, um diesen einzuschätzen und dazu zu bewegen, zu seiner Frau zu gehen. Er macht Uria ein Geschenk. Uria legt sich aus Solidarität mit den Kameraden bei diesen schlafen u. geht nicht in sein Haus. David lädt Uria ein weiteres Mal ein u. macht ihn betrunken. Dann schickt er ihn zu Joab u. läßt ihn in die vorderste Kampflinie stellen, wo er erwartungsgemäß getötet wird. Nach einer Trauerphase macht David B. zu seiner Frau. Erst zu diesem Zeitpunkt erwähnt der biblische Text den Namen der Frau, vorher wird sie nur als "Frau des Uria" geführt. Der Prophet Nathan teilt David Gottes Zorn über sein Verhalten mit u. kündigt ihm zur Strafe an, daß sein Haus in der Zukunft ständig kriegerischen Auseinandersetzungen ausgesetzt sein werde. David bereut u. fleht um Entsühnung (Ps 51). Das erste Kind aus der Verbindung von David u. B. stirbt, wobei diese Erzählung ein späterer Einschub sein könnte. David akzeptiert den Tod als Strafe für sein Vergehen. Auch der spätere Aufstand Absaloms gilt als Strafe Gottes für Davids Sünde. Später werden die vier weiteren Kinder geboren, darunter Salomo, der Nachfolger Davids. - Als David alt geworden ist (1 Kön 1), versucht sein Sohn Adonija, der Sohn der Haggit, in ähnlicher Weise wie vorher Absalom als ältester überlebender Sohn die Position des Thronfolgers einzunehmen u. bringt einen Teil des Hofes hinter sich. David selbst bemerkt davon zunächst nichts. Gegen Adonija stellt sich der Prophet Nathan. Nachdem Adonija Salomo als einzigen seiner Brüder nicht zu einem Opfermahl einlädt, geht Nathan zu B. u. fordert diese auf, bei David für ihren Sohn Salomo, für den ihr David die Nachfolge zugesagt habe, zu sprechen u. kündigt an selbst dazu zu kommen u. in gleicher Weise für Salomo einzutreten. B. geht zu David u. spricht für Salomo, tatsächlich kommt Nathan dazu u. tut ebenso. David schwört daraufhin B. erneut zu, daß ihr Sohn Salomo nach ihm König sein solle. Unmittelbar darauf wird Salomo von Nathan zum König gesalbt (1 Kön 2, 13-25). - Nachdem Salomo seinen Widersacher Adonija zunächst verschont, geht dieser zu B. Sie soll in seinem Namen Salomo darum bitten, ihm Abischag von Schunem, die Pflegerin u. Dienerin Davids (vgl. 1 Sam 1, 3f) zur Frau zu geben, vielleicht um durch die Heirat der letzten Frau Davids, direkter Thronfolger zu werden. B. erfüllt die Bitte Adonijas u. bittet ihren Sohn den König um die Gewährung der Bitte. Salomo faßt das Ansuchen Adonijas als Angriff auf die Königswürde auf u. läßt ihn töten. Weiteres über B. erzählt der Schrifttext nicht. - Aufgrund der wenigen Stellen, an denen B. erwähnt wird, kann kaum ein charakterliches Profil der literarischen Person erstellt werden, der historischen ohnehin nicht. B. handelt rein passiv, sie ist entweder Objekt ("Vergewaltigung" durch David) oder, wenn sie als Subjekt handelt, nur Ausführerin der Aufträge anderer (Nathan u. Adonija). Ihre Position als Königinmutter wird durch Salomo mit öffentlicher Ehrerbietung u. Bereitstellung eines Thronsitzes durchaus anerkannt (1 Sam 2, 19). Nach dem Scheitern des Ansinnens Adonijas ist von B. nicht mehr die Rede. Es ist bemerkenswert, daß ausgerechnet die Mutter des großen Königs im Bibeltext sehr blaß ist u. nicht einmal ihr Tod erwähnt wird. - Eine historische Wahrheit läßt sich in der B.-Geschichte kaum erkennen. Historisch ist zwar wohl der Ammoniterkrieg u. wohl auch Erbfolgestreitigkeiten im davidischen Königshaus, die historische Existenz einer B. ist aber nicht nachweisbar. B. ist wohl am ehesten als literarische Figur zu beurteilen. - Cyrill von Jerusalem u. Johannes Chrysostomus u. in ihrer Nachfolge Petrus Chrysologus u. Johannes von Damaskus sehen in der B.-Geschichte ein Beispiel für die göttliche Gnade, die dem Sünder aus menschlicher Schwäche zuteil wird u. betonen den Bußgedanken. Bei Augustinus, Isidor von Sevilla, beim Heiligen Bruno u. a. wird hingegen B. als Vorbild der Ecclesia gesehen, wobei David als Vorbild Christi u. Uria als das des Teufels erscheint. Das Bad der B. ist damit Symbol für die Taufe. In der "Legenda Aurea" wird B. gar zur Ecclesia triumphans. - B. ist dem Autor der Samuelbücher ein Mittel, um die Fehlbarkeit Davids einmal mehr darzustellen u. zugleich den Gott Davids sowohl als strafenden als auch als gnädigen Gott zu zeigen. Denn die Tat Davids, den rechtmäßigen Ehemann B.s in Tod zu schicken u. schon zuvor mit der Ehefrau eines anderen sexuellen Verkehr zu haben, wird ausdrücklich mißbilligt u. mit dem Tod des Kindes bestraft. Zugleich wird aber der nächste Sohn aus dieser Verbindung, Salomo, als Nachfolger ausgewählt, u. zwar auf ausdrücklichen göttlichen Willen hin, denn ihn u. keinen anderen salbt Nathan zum neuen König. In der Geschichte der Thronfolge ist B. ein wichtiges Mitglied der Partei Salomos. Daß die Mutter eines potentiellen Thronfolgers zu Gunsten ihres Sohnes in die Nachfolgeregelung eingreift bzw. dazu benutzt wird, um den noch amtierenden König zu einer bestimmten Nachfolgeregelung zu bewegen, ist in der Antike kein selten zu beobachtender Vorgang. B. ist also wohl stellvertretend zu sehen für die Rolle der Königsfrau u. der Königinmutter. - Im Gegensatz zu vielen anderen biblischen Gestalten, findet man B. selten in literarischen Darstellungen. Anders verhält es sich in der bildenden Kunst. Vom neunten Jahrhundert bis heute finden sich zahlreiche Beispiele in der Malerei u. Bildhauerei. Besonders beliebt ist die Darstellung B.s im Bade. Meist wird die Darstellung zum Transport der jeweiligen Interpretationslinie genutzt, so stellt z. B. die "Bible moralisée" (13. Jahrhundert) in ihrem Bilderzyklus das Bad B.s als Taufe der Ecclesia dar, in Stundenbüchern des 15. Jahrhunderts dient B. als Illustration zu den Bußpsalmen. Als prominenteste Darstellungen der B. seien die Wandteppiche des Pieter von Aelst (1523), der Zyklus in den Loggien des Vatikan (Raffael-Werkstatt), die Bibelholzschnitte Cranachs u. schließlich Rembrandts B.-Gemälde (1654, Louvre, Paris).

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Oliver Tekolf

Letzte Änderung: 24.06.2008