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Band I (1990)Spalten 428-429 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

BAUR, Wilhelm, Theologe und Volksschriftsteller, * 16.3. 1826 in Lindenfels (Odenwald) als Sohn eines Oberförsters, † 18.4. 1897 in Koblenz, beigesetzt in Lindenfels. - B. besuchte das Gymnasium in Darmstadt und studierte in Gießen. Er wurde nach dem Besuch des Predigerseminars in Friedberg 1848 Hauslehrer auf dem Schloß Ramholz (in der Nähe von Schlüchtern) bei dem Grafen Adolf von Degenfeld-Schonburg und nach seinem zweiten theologischen Examen 1850 Erzieher bei dem Freiherrn Nordeck zur Rabenau in Darmstadt und kam 1852 als Vikar in das benachbarte Arheilgen und 1853 nach Bischofsheim bei Mainz. B. wirkte 1855-62 als Pfarrer in Ettingshausen (Oberhessen) und danach in Ruppertsburg bei Lau-bach, wurde 1865 durch Vermittlung Johann Hinrich Wicherns nach Hamburg an die St. Anscharkapelle berufen und war während des Krieges 1866 Feldprediger bei der Mainarmee. B. wurde 1872 Hof- und Domprediger in Berlin und 1879 Oberkonsistorialrat und Mitglied des Evangelischen Oberkirchenrats. Seit 1883 wirkte er als Generalsuperintendent der Rheinprovinz in Koblenz. - Dem Zentralausschuß für Innere Mission gehörte B. als eifriger Mitarbeiter an. In Hamburg wurde er der Vater der berufsmäßigen Diakonie in seiner Gemeinde und Leiter der Stadtmission. In Berlin widmete sich B. auch der Magdalenensache, zu deren bedeutendstem Vorkämpfer in Deutschland er zählte. Durch Wort und Schrift verschaffte B. dem schweizerischen Verein der Freundinnen junger Mädchen Eingang in Deutschland. Seine Gattin, Meta von Betaz, wurde 1884 Vorsitzende des deutschen Zweigvereins.

Werke: Das Leben des Frh. v. Stein, 1860 (19015); Ernst Moritz Arndts Leben, Taten u. Meinungen, 1861 (19037); Geschichts- u. Lb. aus der Erneuerung des rel. Lebens in den dt. Befreiungskriegen, 1864 (18935; engl. 1870); Beicht- u. Kommunionbuch, 1872 (18854); Das dt. ev. Pfarrhaus. Seine Gründung, seine Entfaltung u. sein Bestand, 1878 (19025); Wie feiere ich den Sonntag?, 1881 (18824); Lb. aus der Gesch. der Kirche u. des Vaterlandes, 1887; Ges. Schrr., 1898 ff.; zahlreiche Predigten u. Predigtbücher, u. a.: Von der Liebe, 1858 (18873); Es ist in keinem Andern Heil (f. die festl. Hälfte des Kirchenj.), 1874; Christus u. die Gemeinde (Jg. über freie Texte), 1889. - Gründete 1879 mit Rudolf Kügel u. Emil Frommel das Jb. »Neue Christoterpe«.

Lit.: W. B. (Nekrolog), in: AELKZ 30, 1897, 460 ff.; - Adolf Lasson, Lebensskizze W. B.s, 1897; - Christ. Wilhelm Stromberger, Biogr. Charakterbilder, 1901, 120 ff.; - Wilhelm Müller, Aus W. B.s Leben, 1911; - Wilhelm Baur, Lebenserinnerungen. Mit Einl. u. Erll. v. Karl Esselborn, 1911; - Karl Esselborn, W. B., in: Hess. Biogrr. I, 1918, 138 ff.; - BJ III, 389 ff.; - ADB 46, 270 ff.; - RE XXIII, 167 ff.; - RGG I, 938 f.

Friedrich Wilhelm Bautz

Letzte Änderung: 24.06.2008