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Verlag Traugott Bautz
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BEBEL, Heinrich, Humanist, * 1472 als Sohn eines Bauern in Ingstetten bei Justingen auf der Schwäbischen Alb, † 1518 in Tübingen. - B. besuchte die Schule in Schelklingen bei Ulm und studierte in Krakau und Basel. Seit 1497 war er in Tübingen Professor für Beredsamkeit und Dichtkunst. Maximilian I. krönte ihn 1501 in Innsbruck mit dem Dichterlorbeer. B. war mit Johannes Reuchlin und Desiderius Erasmus von Rotterdam befreundet und stand auch mit Konrad Peutinger, Jakob Wimpfeling und anderen hervorragenden Humanisten in naher Beziehung. Zu seinen Schülern zählten u. a. Philipp Melanchthon und Johann Eck. B. galt als der gelehrtester Latinist seiner Zeit. Durch seine Lehrbücher und Kommentare hat er sich um die Erneuerung und Förderung des Studiums der lateinischen Sprache und Literatur verdient gemacht und durch seine zahlreichen Schüler, die an den Lateinschulen lehrten, der humanistischen Umgestaltung des Schulwesens den Weg bereitet. Seine umfangreichste Dichtung »Triumphus Veneris« ist eine Satire auf die zunehmende Sittenverderbnis aller Stände seiner Zeit. Auf Wanderungen und in Kneipen sammelte B. Schwänke, die er in ein elegantes Latein übersetzte und als »Facetiae« herausgab. Diese teilweise schmutzige Anekdotensammlung enthält die schärfsten Angriffe auf den Klerus und die Kirche. Beide genannten Werke sind für den Reformationshistoriker und als Quelle für die Kultur- und Sittengeschichte jener Zeit wertvoll. Von B.s Werken sei auch eine Sammlung von 600 deutschen Sprichwörtern erwähnt.
Werke: Facetiae, 3 Bücher, 1506 (hist.-krit. Ausg. v. Gustav Bebermeyer, 1931 (Nachdr. 1967); dt. v. Albert Wesselski, 2 Bde., 1907); Proverbia Germanica collecta atque in Latinum traducta, 1508 u. ö. (Neuausg. v. W. H. D. Suringer, Leiden 1879); Triumphus Veneris (6 Bücher in Hexametern), in: Opera Bebeliana Sequentia, Pforzheim 1509; Tübingen 1510.- Verz. der Werke, in: Dt. Gesamtkat., hrsg. v. der Preuß. Staatsbibl., XIV, 1939, 158 ff.
Lit.: W. Zapf, B. nach seinem Leben u. Scher., 1802; - Johannes Haller, Die Anfänge der Univ. Tübingen 1477-1537, I, 1927, 212 ff.; II, 1929, 76 ff.; - Ders.. H. B. als dt. Dichter, in: ZDADL 66, 1929, 51 ff.; - Gustav Bebermeyer, Tübinger Dichterhumanisten. B., Frischlin, Flayder. Festschr., 1927, 9 ff. 103 ff. (Nachdr. 1967); - E. Stolz, Bebeliana, in: ThQ 113, 1932, 320 ff.; - Hermann Tüchle, KG Schwabens II, 1954, 393; - Hans Pyritz, Bespr. v. H. B., Facetien. Hist.-krit. Ausg. 1931, in: Ders., Schrr. z. dt. Lit.gesch., hrsg. v. Ilse Pyritz, 1962, 109 ff.; - Lex. der Weltlit., hrsg. v. Gero v. Wilpert, I, 1963, 131; - Biogr. Wb. z. dt. Gesch., 1952, 51; - Goedeke I, 437 ff.; - ADB II, 195 ff.; - NDB I, 685 f.; - RGG I, 953; - LM I, 624; - LThK II, 88 f.
Friedrich Wilhelm Bautz
Werkeergänzung:
2005
Fazetien. Übers. u. eingel. von Manfred Fuhrmann. Konstanz 2005.
Literaturergänzung:
2009
Volker Honemann, Christl. Humanismus u. Liturgie. Heinrich Bebel, Johannes Casselius u. Leonhard Clemens verfassen Offizien zu d. Festen d. Heiligen Hieronymus u.d. Heiligen Anna, in: Christian humanism. Leiden [u.a.] 2009, S. 13-39; - Stephanie Altrock, Gewitztes Erzählen in der Frühen Neuzeit. H.B.s Fazetien u. ihre dt. Übersetzung. Köln 2009.
Letzte Änderung: 28.01.2010