BENEDIKT V., Papst, * in Rom, † 4.7. 966 (?) in Hamburg. - Der Kardinaldiakon B. war ein Mann von hoher wissenschaftlicher Bildung, so daß man ihm den Beinamen Grammaticus gab. Die Römer wählten ihn zum Nachfolger des am 14.5. 964 verstorbenen Johannes XII. Otto I. hatte Johannes XII. am 4.12. 963 auf einer Synode zu Rom abgesetzt und Leo VIII. auf den Stuhl Petri erhoben. Als der Kaiser Rom verlassen hatte, war Johannes XII. zurückgekehrt. Er vertrieb Leo VIII. und verfluchte ihn auf einer Synode. Da Otto I. Leo VIII. nicht aufgab und darum die vom Volk erbetene Neuwahl nicht gestattete, nahm B. V. von den Römern das Versprechen, ihm im Kampf gegen den Kaiser beizustehen. Aber die Hungersnot in der belagerten Stadt zwang die aufständischen Römer, B. V. am 23.6. 694 an Otto I. auszuliefern. Der Kaiser übergab ihn als Gefangenen dem Erzbischof Adaldag von Hamburg, der ihn aber seinem früheren Stand entsprechend behandelte. Otto III. ließ die Gebeine B.s V. nach Rom überführen.
Lit.: Jaffé I, 469 f.; - LibPont II, 251; - MG SS III, 340 ff. 752 ff. 831 f.; - O. Lorenz, Papstwahl u. Kaisertum. Eine hist. Stud. aus dem Staats- u. KR, 1874, 60 ff.; - Wilhelm Wattenbach, Gesch. des röm. Papsttums, 1876, 85 ff.; - Konstantin v. Höfler, Die dt. Päpste I, 1839, 50 ff.; - P. Brezzi, Roma e l'Impero medievale, Bologna 1947; - Haller II, 213; - Seppelt II, 370 f.; - LexP 72; - DThC II, 649; - DHGE VIII, 31 ff.; - RE II, 559 f.; - RGG I, 1029; - EC II, 1270; - LThK II, 174.
Friedrich Wilhelm Bautz
Letzte Änderung: 09.04.2011