BENEDIKT XII., Papst, * um 1285 in Saverdun (Grafschaft Foix in der Languedoc) als Jacques Fournier, Sohn eines Müllers, † 25.4. 1342 in Avignon. - F. trat in das Zisterzienserkloster Bolbonne (Diöz. Mirepoix) ein, ging aber später in das von Fontfroide (Diöz. Narbonne) über, studierte in Paris, promovierte zum Dr. theol. und wurde 1311 Abt. Johannes XXII. übertrug ihm 1317 das Bistum Pamiers und 1326 das von Mirepoix und ernannte ihn 1327 zum Kardinal von Santa Prisca. Am 20.12. 1334 wurde F. zum Papst gewählt und am 8.1. 1335 als B. XII. geweiht. Als frommer, sittenstrenger Papst bemühte er sich um Reformen der Kurie und drang auf strengere Zucht in den Klöstern, trat der Gewinnsucht und Bestechlichkeit der Kurialen entgegen und bewahrheitete als ein Feind des Nepotismus in seinem Verhalten das ihm zugeschriebene Wort: »Ein Vikar Christi muß Melchisedek gleichen, der ohne Vater und Mutter, ohne Genealogie war.« Bekannt ist B. XII. durch seine Bulle »Benedictus Deus«, durch die er 1336 den von seinem Vorgänger, Johannes XXII., entfachten Streit über die visio Dei, die Schau Gottes, beilegte. Johannes XXII. hatte behauptet, daß die Seelen der Heiligen erst nach dem Jüngsten Gericht zur Schau der Gottheit Christi, also zur vollkommenen Seligkeit, gelangen. Im Gegensatz zu ihm entschied B. XII., daß den Gerechten gleich nach dem Tod die vollkommene Schau Gottes beschieden sei. Auch schlichtete er die Zwistigkeiten zwischen Kastilien und Portugal, so daß die vereinten Christen bei Tariffa einen glänzenden Sieg über die Mohammedaner errangen. Aber es gelang ihm nicht, den jahrelangen Kampf Ludwigs des Bayern mit der Kurie zu beenden. B. XII. war zwar zu einer Verständigung bereit und verhandelte im Frühjahr 1335 mit einer Gesandtschaft Ludwigs, brach aber die Verhandlungen ab, weil der französischen Politik eine Beilegung des Zerwürfnisses nicht erwünscht war. Als man im Herbst 1336 die Verhandlungen erneut aufnahm, vereitelte Philipp IV., der Schöne, wiederum den Abschluß des Friedens, obwohl sich der Kaiser zu einer ihn wahrhaft demütigenden Genugtuung bereit erklärt hatte. Nun schloß Eduard III. von England und Ludwig der Bayer im Juli 1337 gegen Philipp IV. ein Schutz- und Trutzbündnis. Die deutschen Kurfürsten, unwillig über die Unversöhnlichkeit der Kurie, wiesen am 16.7. 1338 im Kurverein von Rense die päpstliche Einmischung in der Königswahl zurück und erklärten, daß der von ihnen zum römischen König Gewählte der Bestätigung des Papstes nicht bedürfe. Kurz darauf wurde auf dem Reichstag zu Frankfurt dieser Beschluß der Kurfürsten als Reichsgesetz angenommen. Ludwig versuchte aufs neue eine Annäherung an den Papst. Er wurde Eduard III. untreu und verbündete sich mit Philipp IV., weil er hoffte, der französische König werde die Aussöhnung Deutschlands mit der Kurie vermitteln. Aber B. XII. konnte dem Kaiser unmöglich die Absolution gewähren, weil dieser dadurch eigenmächtig in die Rechte der Kirche eingriff, daß er die Ehe der Margareta Maultasch von Tirol schied und zur Wiederverheiratung mit seinem Sohn Ludwig von Brandenburg die Dispensation vom Ehehindernis der Blutsverwandtschaft erteilte. B. XII. begann mit dem Bau des Palastes in Avignon.
Werke: theol. Abhh. (Quaestiones; De visione beatifica u. a.); Briefe. - J. M. Vidal, Benoît XII. Lettres communes, analysées d'après les registres dits d'Avignon et du Vatican I-III, 1902-22; - Ders., Lettres closes ... intéressant les pays autres que la France, 1913-22; - G. Daumet, Benoît XII. Lettres closes, patentes et curiales, se rapportant à la France (Bibliothèque des écoles françaises d'Athène et de Rome), 1902-20.
Lit.: Karl Jacob, Stud. über Papst B. XII. (Diss. Berlin), 1910; - Berthold Altaner, Der Konflikt des Dominikanerordens mit B. XII., in: Venturino v. Bergamo 1304-1346. Eine Biogr. Zugl. ein Btr. z. Gesch. des Benediktinerordens im 14. Jh., 1911; - G. Mollat, Les papes d' Avignon, 1912 (19509); - Karl Heinrich Schäfer, Die Ausgaben der apostol. Kammer unter B. XII., Rom 1914; - St. Baluze - G. Mollat, Vitae Paparum Avenionensium, 4 Bde., Paris 1916-28; - Georg Hoffmann, Der Streit über die selige Schau Gottes (1331-1338), 1917; - Fritz Winter, Die Besetzung der dt. Bist, unter dem Pontifikat B.s XII. u. Klemens VI. (Diss. Berlin), 1922; - Heinrich Otto, B. XII. als Reformator des Kirchenstaates, in: RQ 36, 1928, 59 ff.; - Ders., Zur polit. Einstellung B.s XII., in: ZKG 62, 1943/44, 103 ff.; - H. Jenkins, Papal Efforts for Peace under B. XII., Philadelphia 1933; - Friedrich Bock, Die Prokuratorien Ludwigs IV. an B. XII., in: QFIAB 25, 1933/34, 251 ff.; - Ders., Reichsidee und Nationalstaaten. Vom Untergang des alten Reiches bis z. Kündigung des dt.-engl. Bündnisses im J. 1341, 1944, 366 ff.; - J. B. Mahn, Le Pape Benoît XII et les Cisterciens, Paris 1949; - B. Guillemain, La politique bénéficiale du pape Benoît XII, Paris 1952; - C. Schmitt, Un pape réformateur et defenseur de l'unité de l'Eglise, Florenz 1959; - F. Wetter, Die Lehre B.s XII. v. intensiven Wachstum der Gottesschau, Rom 1962; - Anneliese Maier, Der Komm. B.s XII. z. Matth.Ev., in: Archivum historiae Pontificiae 6, Roma 1968, 398 ff.; - Hauck V, 542 ff.; - Seppelt IV, 119 ff. 475 f.; - LexP 124; - DThC II, 653 ff.; - DHGE VIII, 116 ff.; - EC II, 1277; - LThK II, 176 f.; - RE II, 566 ff.; XXIII, 182 f.; - RGG I, 1030.