BIEHLE, Johannes, Kirchenmusiker, * 18.6. 1870 in Bautzen als Sohn eines Lehrers, † daselbst 4.1. 1941. - Nach sechsjähriger Tätigkeit als Bürgerschullehrer studierte B. Musik am Königlichen Konservatorium in Dresden. Er wirkte 1898-1914 in Bautzen als Stadtkantor, seit 1908 mit dem Titel Kirchenmusikdirektor, und leitete 1905, 1907 und 1912 die Lausitzer Musikfeste. B. studierte noch zwei Jahre an der Technischen Hochschule in Dresden. 1916 wurde er zum Königlich Sächsischen Professor der Musik ernannt. Im gleichen Jahr habilitierte sich B. als Dozent für Raumakustik an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg und wurde 1922 ao. Professor. 1918 erfolgte seine Berufung an die Universität Berlin als Dozent für Musikalische Liturgik und 1920 in das Preußische Kultusministerium als Sachberater für Orgelbau und Glockenfragen. B. gilt als Begründer der Glockenwissenschaft.
Werke: Theorie der pneumat. Orgeltraktur u. die Stellung des Spieltisches. Mit einer psycholog. Stud. über Zeitschwellen, 1911; Theorie des Kirchenbaues v. Standpunkte des Kirchenmusikers u. des Redners mit einer Glockenkunde in ihrer Beziehung z. Kirchenbau, 1913; Wesen, Wertung u. liturg. Gebrauch der Glocken, 1916; Vergleichende Bewertung der Bronze- u. Gußstahl-Glocken, 1918; Die Analyse des Glockenklanges, in: AfMw 1918; Raum u. Ton, in ZfMw I, 1918/19; Btrr. z. Musikal. Liturgie, 1919; Der Einfluß der Aufhängung schwingender Glocken auf ihre Tongebung, 1921; Raumakust., orgeltechn. u. bau-liturg. Probleme. Unterss. am Dome zu Schleswig, 1922; Die liturg. Gleichung u. die Stellung der Musik im Gottesdienst, 1923 (1931
2); Die Tagung f. Orgelbau in Berlin 1928, 1929; Die geschichtl. Entwicklung der Glocken-Lagerung, o. J.; Ms.: Die Technik der Kirche als das alle christl. Rel. Verbindende, 1940.
Lit.: Festschr. J. B. z. 60. Geb., hrsg. v. Erich H. Müller, 1930 (darin: H. Mund, J. B. u. die modernen Orgelbauprobleme; Herbert Biehle, J. B.; Ders., Das Institut; Bibliogr. der Werke v. J. B.); - Herbert Biehle, J. B. als Begründer der Glockenwiss., in: MuK 31, 1961, 75 f.; - MGG I, 1850; - Riemann I, 164; - Moser I, 122.
Friedrich Wilhelm Bautz
Letzte Änderung: 09.04.2011