BIELENSTEIN, August, Pfarrer, lettischer Sprachforscher, * 4.3. 1826 als Pfarrerssohn in Mitau, † daselbst 6.7. 1907. - B. besuchte das Gymnasium in Schulpforta bei Naumburg (Saale) und die Universität Dorpat. Er wurde 1852 Nachfolger seines Vaters in Neu-Autz und 1867 deutscher Pfarrer in Doblen (Kurland). - B. erwarb sich europäischen Ruf durch seine ethnographischen Arbeiten. Er war Mitglied zahlreicher Akademien und wissenschaftlicher Gesellschaften. Die Königsberger Universität verlieh ihm 1883 ehrenhalber den Dr. phil. Sein Pfarrhaus in Doblen war ein Mittelpunkt deutschbaltischen Geisteslebens. B.s unersetzliche Bibliothek wurde während der russischen Revolution im Aufstand gegen das Deutschtum der Ostseeprovinzen 1905 vernichtet.
Werke: Die lett. Sprache nach ihren Lauten u. Formen, 2 Bde., 1863/64; Lett. Grammatik, 1863; Die Elemente der lett. Sprache, 1866; 1000 lett. Rätsel, 1881; Die Grenzen des lett. Volksstammes u. die lett. Sprache in der Gegenw. u. im 13. Jh., 1892; Ein glückliches Leben (Selbstbiogr.), 1904; Die Holzbauten u. Holzgeräte der Letten. Ein Btr. z. Ethnogr., Culturgesch. u. Archaeologie der Völker Rußlands im Westgebiet. Mit 700 Abb. im Text, 2 Bde., St. Petersburg 1907-08 (Nachdr. 1969).
Lit.: R. Auning, in: SB der Ges. f. Gesch. der Ostseeprovinzen, Riga 1907; - Th. Kallmeyer u. G. Otto, Die ev. Kirchen u. Prediger Kurlands, ebd. 1910, 253 ff.; - NDB II, 226 f.
Friedrich Wilhelm Bautz
Letzte Änderung: 09.04.2011