BÖSE, Johann Georg, Theologe, getauft 28.6. 1662 in Oschatz (Sachsen) als Sohn eines Krämers, † 18.2. 1700 in Sorau (Niederlausitz). - B. besuchte Schulpforta bei Naumburg (Saale) und studierte in Leipzig vor allem unter Johann Benedikt Carpzov (1639-99). Er wirkte seit 1690 als Diakonus in Sorau. - B. ist bekannt durch den Terministischen Streit, in dem es um die Frage ging, ob die Gnadenfrist zur Bekehrung bis zum Tod währe oder bis zu einem bestimmten Termin. B., der eine innere Bekehrung erlebt hatte und es seitdem mit der Beichte viel ernster hielt, trat dem Leichtsinn, der die Buße bis zum Sterbebett verschob, entgegen und sprach in einer aufsehenerregenden Schrift von 1698 den Gedanken aus, es gäbe für den Menschen von einer bestimmten, ihm von Gott gesetzten Frist an keine Zeit mehr zur Bekehrung. Wegen dieser Schrift gingen bei den vorgesetzten Behörden Beschwerden ein, so daß sich der Superintendent, der Reichsgraf, der Rat der Stadt, das Konsistorium und schließlich das Oberkonsistorium in Lübben mit dieser Angelegenheit beschäftigen mußten. Es wurden Gutachten eingeholt. Die Rostocker Theologische Fakultät erklärte sich gegen B.; das erste Leipziger Gutachten stellte sich mehr neutral, ein zweites trat dagegen für B. ein. Obwohl B. schwer erkrankt war, ging der Streit in Sorau weiter. Noch kurz vor seinem Tod, im Januar 1700, wurde B. suspendiert.
Lit.: Johann Georg Walch, Hist. u. theol. Einl. in die Rel.streitigkeiten der ev-luth. Kirche II, Jena 1730, 850 ff.; - Friedrich Hermann Hesse, Der Terministische Streit, 1877; - Albrecht Ritschl, Gesch. des Pietismus II, 1884, 210 ff.; - Friedrich Schmaltz, in: ZKG 27, 1906, 311 ff.; - Hans Petri, Der Pietismus in Sorau, in: Jb. f. Brandenburg. KG X, 1913, 131 ff.; -ADB III, 187 f.; - NDB II, 408; - RE XIX, 524 ff.