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Band XIX (2001)Spalten 76-78 Ekkart Sauser

BOLZ, Eugen: württembergischer Staatspräsident, * 15.12. 1881 in Rottenburg/Neckar, † 23.1. 1945 in Berlin. - B. war Sohn eines Kaufmanns und schloß sich bereits während seines Jurastudiums dem Zentrum an. Nach Beendigung seines Studiums nur kurze Zeit Jurist, wandte er sich dem Beruf eines Politikers zu. Von 1912-1935 gehörte er für das Zentrum dem Reichstag, von 1913-1933 dem württembergischen Landtag an. Er entwickelte sich zu einem der bekanntesten württembergischen Landespolitiker. Er nahm die Lehre der katholischen Kirche zur Grundlage seines politischen und öffentlichen Wirkens. (V. Schauber-H. M. Schindler). Mit sehr knapper Mehrheit wurde er württembergischer Staatspräsident und blieb dabei noch Innenminister. Beide Ämter behielt er bis zum Sieg der Nationalsozialisten. Willy Albrecht kennzeichnet sein Wirken mit den Worten: »Nach seiner Ansicht war nur auf der Grundlage des christlichen Sittengesetzes ein friedlicher Ausgleich der aus dem Wirtschaftskampf sich ergebenden Interessengegensätze möglich. Er lehnte zwar jegliche gewaltsame Revolution ab, bejahte jedoch die durch die Revolution geschaffene republikanische Staatsform und bewertete die durch die Weimarer Verfassung festgeschriebene parlamentarische Demokratie sehr positiv« (Biographisches Lexikon zur Weimarer Republik, S. 55). - Die württembergischen Nationalsozialisten sahen in ihm einen ihrer Hauptfeinde und steckten ihn für mehrere Wochen im Sommer 1933 in ein Konzentrationslager. Dann war er für mehrere Jahre in einem Wirtschaftsunternehmen tätig. Vom Winter 1941-1942 an hatte er Kontakte zum Widerstandskreis um Garl Goerdeler. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde er im August verhaftet, im Dezember zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee durch den Strang hingerichtet.

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Lit.: W. Benz-H. Graml: Biographisches Lexikon zur Weimarer Republik, München 1988, 33-34 (Willy Albrecht); - Katholische Aktion und Politik. Eine nachgelassene Schrift aus dem Jahre 1934, in: Christentum und Politik. Dokumente des Widerstandes. Zum 40. Jahrestag der Hinrichtung des Zentrumspolitikers und Staatspräsidenten Eugen Bolz, hrsg. v. Joachim Köhler, Sigmaringen 1985, 23-57; - J. Köhler: Eugen Bolz. Württembergischer Minister und Staatspräsident, in: Michael Bosch/Wolfgang Niess (Hrsg.); - Der Widerstand im deutschen Südwesten 1933-1945, Stuttgart 1984, 227-255; - V. Schauber: Pattoch Namenstagskalender, Dokumentation H. M. Schindler, Augsburg 1994, 23.

Ekkart Sauser

Literaturergänzung:

1982

Rudolf Morsey, Eugen Bolz (1881-1945), in: Jürgen Aretz/Rudolf Morsey/Anton Rauscher (Hrsg.), Zeitgeschichte in Lebensbildern Bd. 5. Mainz 1982; -

2005

Das "Hausgefängnis" der Gestapo-Zentrale in Berlin. Terror und Widerstand 1933-1945, hg. von der Stiftung Topographie des Terrors, Berlin 2005, S. 171; -

2008

Patrick Stauß, "In Stuttgart machen sie eher ein Konkordat mit dem Teufel als mit dem Papst" (Eugen Bolz). Das Scheitern d. Pläne f.e. württemberg. Landeskonkordat in d. Weimarer Zeit, aus d. württemberg. Quellen erarbeitet, in: RJK 27.2008, S. 243-264; -

2009

Frank Raberg, E.B. Zwischen Pflicht u. Widerstand. Leinfeld-Echterdingen 2009.

Letzte Änderung: 09.04.2011