BRÜCHER, Nikolaus, akademisch ausgebildeter Kirchenmaler, * 29.7. 1874 in Elvingen, in der Gemeinde Bürmeringen (L), als Sohn bescheidener Landarbeiter geboren, † 2.7. 1957. Als Lehrling eines Anstreicherbetriebes trat B. 1898 in Kevelaer am Niederrhein bei Friedrich Stummel in dessen Malerschule ein. Nach der Ausbildung in der Richtung der Nazarenerkunst unternahm B. 1904 mit seinem polnischen Künstlerfreund Wladyslaw Drapiewski, ebenfalls ein Schüler von Stummel, eine zehn Wochen lang dauernde Studienfahrt durch Norditalien bis nach Rom, wo beide von Prof. Ludwig Seitz und Mgr. Anton de Waal, Rektor des Campo Santo, tatkräftig unterstützt wurden. Durch ihre Vermittlung durften sie im Vatikan in der »Stanza della Segnatura« und in den »Appartamenti Borgia« kopieren. Von 1904 bis 1905 half B. seinem polnischen Freund bei der Ausmalung der Kathedrale von Plock. Im Oktober 1905 bestand B. die Vorprüfung an der Kunstakademie in Antwerpen. Er wurde gleich in die Klasse des international anerkannten Prof. Piet-Jan Van der Ouderaa (1841-1915) aufgenommen und mit einem eigenen Werkplatz bedacht. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung in Antwerpen im Juni 1907 erhielt B. in seiner Heimat keinen namhaften Auftrag. Er stellte sein Können dem polnischen Freund in Plock zur Verfügung, wo er von 1908 bis 1910 erneut wirkte. In den kurzen Erholungspausen versuchte B. in den Hochburgen der Kunst sein Können zu verbessern, indem er vororts sich mit den Werken namhafter Künstler, wie Becker-Grundahl, Seitz und Fugel in München oder Pierre Puvis de Chavennes in Paris, auseinandersetzte. Eine dritte Periode begann B. in Plock wenige Tage vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Weil seine polnischen Mitarbeiter durch die Kriegsereignisse an die Front mussten oder in Gefangenschaft gerieten, wirkte B. weiter in der Kathedrale von Plock bis zum 18. Januar 1916. Dann kehrte er in seine Heimat zurück. In der Kathedrale von Plock hinterliess B. ein Lebenswerk, das noch heute in seiner vollen Pracht glänzt. Sein Name fiel allerdings der Vergessenheit anheim, weil sein polnischer Freund Drapiewski als der offizielle Auftragnehmer galt und B. als Ausländer nur die Rolle eines Mitarbeiters spielte. Künstlerisch war B. seinem Mitschüler aus Kevelaer weit überlegen. Für neun farbenfrohe Kathedralfenster, die zwischen 1904 und 1911 in Kevelaer von der Firma Wilhelm und Heinrich Derix ausgeführt wurden, zeichnete er die Entwürfe. Leider gingen diese Werke in den Kriegswirren 1939 verloren. Zwischen 1904 und 1916 malte B. mit seinem Freund Wladyslaw Drapiewski und dessen beiden Brüdern Leo und Kazimiers in den kaschubischen Kirchen von Drzicim, Swornegace und Wiele, wo die Originalmalerei nach seinen Entwürfen heute fast intakt noch erhalten ist. Seine künstlerische Auffassung im echten Nazarenerstil wird als Zeugnis jener Richtung allgemein geachtet. Nur in Cekcyn ist sein Werk nicht mehr vorhanden. Es war seine Eigenart, die Zeitgenossen in den Wandmalereien, wie auch in den zahlreichen Kirchenfenstern durch ihr naturgetreues Porträt festzuhalten. Ein Werkkatalog bleibt ein Desiderat. Dank der noch vorhandenen Tagebücher, die B. seit seiner Kevelaer Zeit, auf Anordnung von Friedrich Stummel, mit Akribie führte, sind wir über sein gewissenhaftes Schaffen, über die vielen lokalen Ereignisse, selbst über viele Persönlichkeiten, denen er täglich begegnete, bestens unterrichtet. In seiner Heimat Luxemburg erhielt B. erst in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen eine stattliche Anzahl von Aufträgen. Einige Angebote in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, in Schweden und in der Schweiz musste er auch aus Terminschwierigkeiten ausschlagen. Viele Kirchenmalereien dieser Zeit sind dem Wandel des Kunstverständnisses in Luxemburg zum Opfer gefallen. Einige Werke blieben der Nachwelt durch eine kunstgerechte Restauration erhalten, dank der Weitsicht der Verantwortlichen in den staatlichen und kirchlichen Behörden. Bis zu seinem Lebensende, am 2. Juli 1957, blieb B. seiner in Kevelaer erlernten Kunstrichtung, der anfänglich abfällig und geringschätzig genannten »Nazarener«, treu. Die Anwendung der von ihm hochgespriesenen Produkte der Firma Keim in Lohwald bei Augsburg (Gründungsjahr 1889) behielt er ebenfalls bei. Er bewertete sie als die einzig brauchbaren Farben. Auf Grund seiner Beschäftigung mit der Technik der Freskomalerei bekannte er sich zu diesen Präparaten, überzeugt, dass nur sie, aufgetragen auf eine sorgfältig vorbereitete Grundfläche, den eigentümlichen Glanz verschaffen und sich ebenso haltbar erweisen, wie die Freskobilder der grossen, von B. sehr geschätzten Epochen. Die Kaseinfarben aus einer Mischung von Kasein (Käsestoff), Ätzkalk und Farbpulver, die, mit Wasser angerührt, den Kaseinkalk ergeben und die Farbe an die Unterlage binden, waren ihm keineswegs unbekannt.
Werke: Malerei in zahlreichen Kirchen und Kapellen in Plock, Drzicym, Swornegace, Wiele in Polen und im Luxemburgischen (in Rümelingen, vorzüglich restauriert), Porträte, Landschaften und Genremalerei in Privatbesitz. Retrospective Elvingen 1987. Reichhaltiges Privatarchiv.
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