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Band XXVI (2006) Spalten 208-212 Autor: Friedrich Hagemann

BRUNS, Raymundus, Dominikaner; * 3. Januar 1706 in Hannover, † Mai 1780 in Soest/ Westf. (genaues Sterbedatum unbekannt). Vater (Heinrich Wilhelm Bruns) aus Osnabrück, im Militärdienst des Herzogs von Hannover; Mutter (Margereth Elisabeth, geb. Röbers) aus Göttingen, Konvertitin; Geschwister: Bruder (Crispianus), Franziskaner (strenge Observanz); Schwester (Maria Theresia, verh. Staudinger). - Bruns absolviert sein Theologiestudium in Hildesheim und Osnabrück, tritt 1722 in den Benediktinerorden (Kloster Huysburg bei Halberstadt) ein und wechselt 1723 auf eigenen Wunsch zu den Dominikanern (Kloster zu Halberstadt), wegen der größeren Möglichkeiten als Prediger wirken zu können. Noch im gleichen Jahr wird er eingekleidet, und ein Jahr darauf folgt seine Profeß. Abschluß der theol. Studien im Dominikanerkloster zu Münster. 1729 Priesterweihe. Nach kurzem Aufenthalt in Osnabrück Rückkehr ins Mutterkloster Halberstadt (Okt. 1729). Im Februar 1731 Berufung nach Potsdam als Hilfe für den dort als Feldgeistlichen der Königsgrenadiere (Lange Kerls) Friedrich Wilhelm I. wirkenden Dominikanerpater Ludovicus Belo. Im November des gleichen Jahres Berufung zu dessen Nachfolger, da dieser kurz zuvor verstorben war. Bis 1740 als Pfarrer der Lütticher Gewehrarbeiter und zugleich in der Funktion eines Feldgeistlichen tätig. Das gute Verhältnis zwischen dem Preußenkönig und "seinem" Pater macht es Bruns möglich, für die stetig wachsende kath. Gemeinde in Potsdam, auf Kosten der königl. Schatulle, an Stelle der zu klein gewordenen Kirche großzügig eine neue zu bauen. Da der König keinen Vertreter eines ausländischen Souveräns (Papst, Bischof) zur Weihe des neuen Gotteshauses in Preußen zulassen mochte, weihte Bruns die Kirche "... am 21. September 1738 feierlich ... in Gegenwart einer großen Volksmenge..., widmete sie Gott dem Herrn, der seligsten Jungfrau Maria und den Apostelfürsten Petrus und Paulus ...". Die Bilder für Haupt- und Nebenaltäre vom Hofmaler Antoine Pesne entstanden ebenfalls auf Ordre des Königs. Zur Unterstützung resp. Belebung der Seelsorge ruft Bruns eine Bruderschaft vom Hl. Rosenkranz ins Leben und verfaßt dafür ein kleines Gebets- u. Betrachtungsheft. Doch das wirklich herausragende Ereignis in dieser Zeit ist die (mit königl. Erlaubnis und päpstlicher Approbation) gelungene Herausgabe des "Großen Katechismus": <\>>Catholisches Unterrichtungs-, Gebeth- und Gesangbuch ...<\<> im Jahre 1738. Diesem folgt kurz darauf noch ein "Kleiner Katechismus". Beide sind die ersten Unterweisungsbücher für katholische Christen, die nach der Reformation in Preußen erscheinen durften. - Die unbeeinträchtigte, seelsorgliche Tätigkeit von Pater Bruns in Potsdam endet nach dem Tod Friedrich Wilhelm I. (1740); nicht zuletzt auf Betreiben von Friedrich II., der ihn 1742 auf Grund einer Anzeige wegen vermuteter Begünstigung eines Fahnenflüchtigen für einige Zeit in der Festung Spandau bei Berlin inhaftiert. Doch inzwischen war der Autor des "Großen Katechismus" über die Grenzen Preußens so berühmt, daß sich zumindest in den vorwiegend katholisch geprägten europäischen Landen Proteste erhoben. Papst Benedikt XIV. interveniert über seinen Nuntius bei Kaiserin Maria Theresia, die daraufhin ihren außerordentlichen Gesandten in Berlin bei Friedrich II. vorstellig werden ließ. Der König verlangt für die Freilassung von Pater Bruns eine schriftliche Zusage (Eid)desselben, "...für das erlittene Unrecht keine Vergeltung zu üben, weder am Könige, noch am Staate ..." usw. Im August 1743 ist Bruns dann auf freiem Fuß und kehrt kurz darauf ins Kloster nach Halberstadt zurück. Die inzwischen eingetroffene Einladung des Papstes nach Rom lehnt er nach reiflichem Überlegen höflich ab. Vermutlich befürchtet er, im Falle einer Annahme der Einladung könnte der junge preußische Herrscher darin einen Affront sehen und dem Kloster Schwierigkeiten bereiten. So bleibt Bruns in Halberstadt. 1744 beruft man ihn (unter Beibehaltung des Predigeramtes) zum Subprior, 1745 zum Prior. 1748 wird Bruns das kirchliche Lehramt übertragen, und im gleichen Jahr wählt man ihn ein zweites Mal zum Prior. Im Jahr darauf wird er "zum Magister promoviert". 1751 beendet er die zweite Periode seines Priorats und zieht sich zu Studienzwecken zurück. In den Jahren 1757 bis 1760 vollendet er die von ihm bereits 1755 begonnenen <\>>Annales Conventus Halberstadiensis<\<> "... vom Jahre 1216 bis in die gegenwärtige Zeit, ferner die Annalen [...der] Missionen in Berlin, Potsdam, Spandau, Stettin und Magdeburg von ihrem Anfang bis zur gegenwärtigen Zeit". Alle diese Aufzeichnungen sind in Latein abgefaßt. Ebenso wie sein "Tagebuch" (<\>>Commentarium Fratris Raymundi Bruns ...<\<>), das in leicht geraffter Form das Kapitel über seine Potsdamer Tätigkeit aus den Annalen des Klosters Halberstadt noch einmal separat wiedergibt. Die Aufzeichnungen enden 1765. Inzwischen ist P. Raymundus Bruns Propst im Dominikanerinnenkloster Paradeis/ Paradiese (SoestlWestf.) Er stirbt dortselbst im Mai 1780. Weder der genaue Sterbetag noch sein Grab sind bekannt. Vermutlich wurde er auf dem Friedhof des 1811 aufgehobenen Klosters bestattet.

weiterlesen ...
Werke: Annales Conventus Halberstadiens. Eine Chronik d. Militärseelsorge u. Missionstätigkeit d. dt. Dominikaner in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert. Zum ersten Male hrsg. durch Maternus Heinrichs. Leipzig 1913. (Quellen u. Forschungen zur Geschichte d. Dominikanerordens in Deutschland. H. 8.); Catholisches Unterrichtungs-, Gebeth und Gesang-Buch, welches zum Gebrauch d. Missionen in d. Kngl.-Preuß. Ländern eingerichtet u. hrsg. ... div. Aufl. Halberstadt: Verl. d. Dominicaner-Closters ab 1738; Commentarium Fratris Raymundi Bruns ["Tagebuch"] ... [Exzerpt aus d. Annalen ... ab 1755]; Bruns/Beyer, [Franz Xaver]: König Friedrich Wilhelm I. und der katholische Pfarrer Pater Bruns. Ausz. aus. d. lat. geschriebenen Ms. d. Dominikaner-Paters Raymund Bruns ... In: (Mitteilungen d.) Vereins für d. Geschichte Potsdams. 3. Sitzung, 25.11. u.30.12.1862; Bruns/Herrmann, Willibald: Das Tagebuch des Dominikanerpaters Bruns aus Halberstadt, d. Seelsorgers der Potsdamer Riesengarde <\<>1731-1741<\>>, [Aus d. Lat.] übers. u. eingel. von Willibald Herrmann. Mit 16 Abb. Breslau 1925. (Sonderdr. aus d. Schlesischen Bonifatiusvereins-Blatt. Jg. 1925.

Lit.: Allendorff, Johannes: Das literarische Erbe des Dominikanerpaters Raymundus Bruns. In: Wichmann-Jahrbuch. 19/20. 1965/66; - Heinze, M[arie]: Über die Einwanderung Lütticher Gewehrarbeiter in Potsdam. In: Mitteilungen d. Vereins für d. Geschichte Potsdams. Nf, Bd 4, H. 2 (Nr. 281). 1907; - Heyder, Alfred: Das Unterrichtungsbuch des Dominikaners Bruns, der erste nachreformatorische Katechismus in der Mark. In: Wichmann-Jahrbuch. 7. 1953; - Jablonski, Leo: Geschichte des fürstbischöflichen Delegaturbezirks Brandenburg und Pommern. Bd 1: Die äußere Entwicklung; - Bd 2: Die innere Entwicklung. Breslau 1929; - Klausener, Erich: Ein Priester in Preußen. Das Leben des Feldpredigers in Potsdam, Pater Raymundus Bruns aus dem Dominikaner-Orden, nach seinen eigenen Aufzeichnungen u. allerlei anderen Quellen berichtet ... . Berlin 1981; - Klepper, Jochen: Der Vater. Roman eines Königs. Stuttgart 1937 [Erwähnung von Bruns]; - Kloosterhuis, Jürgen: Legendäre "lange Kerls". Quellen zur Regimentskultur d. Königsgrenadiere Friedrich Wilhelms I. 1713-1740. - Berlin 2003. [Mit sehr umfangreichem Literatur- bzw. Quellenverzeichnis.]; - Krix, Leonhard: Friedrich Wilhelm I. und die katholische Gemeinde Potsdam. Berlin, Phil.Diss. 1915 [Bibliographie]; - Mann, Hans-Georg: Der König und sein Mönch. Erz. unter freier Verwendung d. Aufz. d. Dominikaners Raymundus Bruns über seine Potsdamer Jahre 1731-1740. Berlin 2004 [mit Nachw., Anh. u. Bibliographie]; - Mertens, Johannes: Pater Raymundus Bruns. Kath. Seelsorge in Potsdam zur Zeit des Soldatenkönigs. In: Bekenntnis zu Potsdam....Kath. Persönlichkeiten im protestantischen Preußen. Hrsg.: Gert Adler. Potsdam 1997; - Pullwitt, Clemens: P. Bruns und seine Bedeutung für den märkischen Katholizismus nach der Reformation. Theol. Hausarbeit im Fach Kirchengeschichte. Erfurt 1970 [Bibliographie]; - Woker, Franz Wilhelm: Aus norddeutschen Missionen des 17.und 18. Jahrhunderts. Franziskaner, Dominikaner u. a. Missionare. Ein Beitr. zur Kirchengeschichte Norddeutschlands nach d. Reformation. Köln 1884. (Görres-Gesellschaft zur Pflege d. Wissenschaft im kath. Deutschland. Erste Vereinsschrift f. 1884.).

Friedrich Hagemann

Literaturergänzung:

2009

Jordanus von Sachsen Brandt, R.B. OP (1706-1780), in: WuA 50.2009, S. 33f.

Letzte Änderung: 09.04.2011