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Band I (1990)Spalten 785-786 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

BUCHANAN, George, der bedeutendste schottische Humanist, * 1.2. 1506 in Killearn (Stirlingshire), † 29.9. 1582 in Edinburgh. - B. studierte 1520-22 in Paris und 1524 in St. Andrews. 1525 ging er wieder nach Paris zurück und wandte sich der Reformation zu. 1526 wurde B. dort Lehrer der Grammatik am Collège de Sainte-Barbe, kehrte aber als Erzieher eines schottischen Grafen 1534 in die Heimat zurück. Wegen seiner beiden satirischen Gedichte gegen die Franziskaner »Somnium« und »Franciscanus« kam er 1539 ins Gefängnis, entfloh aber nach Frankreich und lehrte drei Jahre am Collège de Guyenne in Bordeaux. Hier schrieb B. seine zwei lateinischen Tragödien »Jephtes« und »Baptistes« und übersetzte die »Medea« und »Alkestis« des Euripides ins Lateinische. 1543 durch die Pest von dort vertrieben, lehrte er seit 1544 in Paris und wurde 1547 an die Universität Coimbra berufen. Die Verbreitung reformatorischer Ideen veranlaßte die Inquisition zum Einschreiten. B. mußte im Juni 1551 abschwören und wurde in ein Kloster in Lissabon eingesperrt, wo er seine metrische Übersetzung der Psalmen begann. B. kam wieder frei und ging heimlich nach England und 1553 nach Frankreich, wo er fünf Jahre Gouverneur war. 1560 kehrte B. nach Schottland zurück und trat nun offen zum Protestantismus über. Er wurde Lehrer der Maria Stuart, später ihres Sohnes Jakob, der 1603 als Jakob I. König von England wurde und seit 1567 als Jakob IV. König von Schottland war, Vorstand der Universität St. Andrews, Lordkanzler und Siegelbewahrer. 1568 war B. Mitglied des Gerichts über Maria Stuart. In seiner Schrift »De iure regni apud Scotos« (1579) verteidigte B. als Gegner des Absolutismus die Souveränität des Volkes und das Recht auf Tyrannenmord.

Werke: Rerum Scoticarum Historia (Hauptqu. z. schott. Ref.gesch.), 1582; - Opera omnia, hrsg. v. T. Ruddiman, 2 Bde., 1715, u. v. P. Burman, 2 Bde., 1725. - Vernacular writings, hrsg. v. P. Brown, 1892.- The tyrannous reign of Mary Stuart, hrsg. v. W. Gatherer, 1958.

Bibliographie: Glasgow Quatercentenary Studies, 1906.

Lit.: Thomas Frey, Das Königsrecht nach G. B. Ein Btr. aus dem 16. Jh. z. Beurteilung der Philos. u. Ereignisse unserer Tage. Nebst einer Biogr. B.s u. einigen hist. Anm., Altona 1796; - D. Irving, Memoirs of the life and writings of G. B., Edinburgh 1807 (18172); - Hermann Forst, Über B.s Darst. der Gesch. Maria Stuarts, 1882; - Peter Hume Brown, G. B., humanist and reformer, Edinburgh 1890 (19062); - G. J. C. Henriques, G. B. in the Lisbon Inquisition, Lissabon 1906; - D. Mac Millan, G. B., London 1906; - G. B., A Memorial, ed. by D. A. Millar, St. Andrews 1907; - R. Lebègne, G. B.: son influence en France et en Portugal, Coimbra 1931; - Johannes Bolte, Die Heidelberger Verdt. v. B.s Tragödie »Baptistes« (v. Michael Lingelsheim, 1885), in: Arch. f. das Stud. der neueren Sprachen 162, 1932, 174 ff.; 163, 1933, 1 ff.; - J. M. Aitken, The trial of G. B. before the Lisbon Inquisition, Edinburgh 1939; - J. B. Naiden, The Sphera of G. B., Philadelphia 1952; - Georg Schurhammer, Franz Xaver. Sein Leben u. seine Zeit. I: Europa 1506 bis 1541, 1955, 154 ff.; - I. D. McFarlane, G. B.'s Latin poems from script to print: A preliminary study, in: The Library. Incorporating Transactions of the Bibliographical Society 24, London 1969, 277 ff.; - EBrit IV (1968), 340 f.; - DNB III, 186 ff.; - EC III, 168; - LThK II, 739; - RGG I, 1547.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

2008

Jon Robinson, The slippery truth of G.B.'s autobiography, in: SCJ 39.2008, S. 71-87.

Letzte Änderung: 27.01.2010