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Band I (1990)Spalten 788-790 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

BUCHMAN, Claudius, Begründer der anglikanischen Mission in Ostindien, * 12.3. 1766 in Cambuslang bei Glasgow als Sohn eines Pfarrers und Rektors einer Lateinschule, † 9.2. 1815 in London. - B. bezog 1782 die Universität Glasgow zum Studium der Rechte, das er nach zwei Jahren wegen Geldmangels aufgeben mußte, aber nach zweijähriger Hauslehrerzeit fortsetzen konnte. Eines Tages lockte ihn der Wandertrieb in die weite Welt hinaus. Seinen Eltern teilte er mit, daß ein reicher Engländer ihn zum Reisegefährten seiner Kinder angenommen habe. Bettelnd durchwanderte B. mit der Violine unter dem Arm Schottland und England und kam bis London. In seiner großen Not nahm er einen armseligen Posten als Schreiber an. Die Briefe an seine Eltern datierte er aus Deutschland, Frankreich und Italien. Zur Lüge kam noch manche andere Sünde hinzu. Nach drei Jahren begegnete ihm ein frommer junger Mann, der ernst mit ihm redete und die Erinnerung an die im Vaterhaus verlebten Jahre wachrief. Da schrieb B. seinen Eltern einen wahrheitsgetreuen Bericht. Die Mutter wies ihn an den Londoner Prediger John Newton, der ein berüchtigter Schiffer und Sklavenhändler gewesen war. Er besuchte dessen Gottesdienst und schloß ihm in einem anonymen Brief sein Herz auf. Am nächsten Sonntag sagte Newton zum Schluß seiner Predigt, der junge Mann, der ihm im Lauf der Woche geschrieben habe, möchte zu einer Aussprache zu ihm kommen. B. folgte der Einladung, bekehrte sich zum Herrn und entschloß sich zum Studium der Theologie, das ihm ein Freund Newtons für vier Jahre auf der Universität ermöglichte. Durch Newtons Vermittlung fuhr B. 1796 als Kaplan der Ostindischen Kompagnie nach Indien und wurde 1797 Regimentsprediger in Barrackpur, nördlich von Kalkutta. Der Regimentsstab aber dachte nicht daran, Gottesdienste halten zu lassen; er hatte nur an den sonntäglichen Pferderennen Interesse. »Ich bin anderthalb Jahre in Indien«, schrieb B. im Herbst 1798, »ohne daß mir gestattet war, meiner kleinen Gemeinde predigen zu dürfen, und weiß auch nicht, wann es mir erlaubt werden wird.« Die Einwirkung auf die ihn rings umgebende Heidenwelt war ihm amtlich streng verboten. So nutzte er seine Zeit aus zum Erlernen der hindustanischen und persischen Sprache. B. wurde 1800 nach Kalkutta versetzt, wo er mit Unterstützung des Generalgouverneurs eine umfangreiche Wirksamkeit begann. Auf seine Anregung erfolgte 1800 in Kalkutta die Gründung eines Kollegiums zur Kenntnis der orientalischen Literatur, das aber bereits 1803 von dem Direktorium der Ostindischen Kompagnie aufgehoben wurde, obwohl 160 junge Männer, mit denen die Stellen in der Zivilverwaltung besetzt werden sollten, diese Ausbildungsstätte besuchten. In seiner »Denkschrift über die Nützlichkeit einer kirchlichen Verfassung für das britische Indien« betonte B., daß die missionarische und kirchliche Arbeit Indiens Pflicht der englischen Regierung sei, und forderte darum die Aufteilung Indiens in Sprengel und ihre Besetzung mit Bischöfen und Predigern. Gleichzeitig wandte er sich an die englischen Universitäten mit der Bitte an die Studenten um Arbeiten über die Geschichte Indiens und die für dieses Land geeigneten Zivilisationsmittel, für deren beste er einen Preis von 5000 Gulden aussetzte. Um sich genaue Kenntnis über Volk und Land zu verschaffen, reiste B. im Mai 1806 nach Südindien. Er wurde aufs tiefste erschüttert durch das, was er an Greuel des indischen Götzendienstes sah, aber auch erquickt durch den Besuch der lutherischen Missionsstationen in und um Trankebar und der syrischen Christen (Thomaschristen) in Travankar an der Malabarküste, für die er später das Neue Testament übersetzte. Voller Pläne traf B. im März 1807 wieder in Kalkutta ein; aber seine Bemühungen, das Direktorium der Ostindischen Kompagnie für die Mission zu gewinnen, waren vergeblich. Im Frühjahr 1808 kehrte B. nach England zurück. Durch sein Buch »Christian Researches in Asia«, das die Frucht seiner Erkundungsreise von 1806/07 ist und weiteste Verbreitung fand, und seine Zeitschrift »The Star in the East« (»Der Stern im Morgenland«) warb er unermüdlich um Verständnis für die indische Mission und kämpfte gegen allen Widerstand seitens der Ostindischen Kompagnie und der englischen Regierung für die Errichtung von Bistümern in Indien. B. durfte noch erleben, daß das Parlament 1813 die Einsetzung eines Bischofs für Indien beschloß, unter dem drei Archidiakonen den einzelnen Präsidentschaften vorstehen sollten. 1816 trat Thomas Fanshaw Middleton als erster Bischof von Kalkutta sein Amt an. Sein Nachfolger wurde 1822 Reginald Heber.

Werke: Christian Researches in Asia, London 1811; dt. v. Christian Gottlieb Blumhardt: Neueste Unterss. über den Zustand des Christentums in Asien, Stuttgart 1813.

Lit.: Hugh Pearson, Memoirs of the life and writings of the Rev. C. B., 2 Bde., London 1819; - C. B.s Leben, in: Magazin f. die neueste Gesch. der ev. Missions- u. Bibelges.en, Basel 1829, 1 ff.; - Reinhold Vormbaum, H. Martyn, Dr. Brown u. C. B., Kaplane der Ostind. Kompagnie in Bengalen u. ihre Mitarbeiter, 1865; - RE III, 516 ff.

Friedrich Wilhelm Bautz

Letzte Änderung: 24.06.2008