BUCHNER, August, Dichter und klassischer Philologe, * 2.11. 1591 in Dresden als Sohn eines Oberzeug- und Baumeisters, † 12.2. 1661 in Polensdorf bei Wittenberg. - Nach sechsjähriger Vorbildung in Schulpforta bei Naumburg (Saale) studierte B. seit 1610 in Wittenberg, zuerst die Rechte, dann Philosophie. Er wurde dort 1616 Magister und Professor der Dichtkunst und 1632 auch der Beredsamkeit. - B., seit 1641 Mitglied der »Fruchtbringenden Gesellschaft«, war von bedeutendem Einfluß auf die Verbreitung und Anerkennung der neuen Kunstdichtung seines Freundes Martin Opitz. Ihm hatte es B. zu verdanken, daß er seinen Zeitgenossen als ein großer Dichter galt, obwohl er bei der kleinen Zahl seiner deutschen Gedichte solchen Ruhmes nicht wert war. Von B.s wenigen geistlichen Gedichten ist das Morgenlied bekannt: »Der schöne Tag bricht an, die Nacht ist abgetan, die Finsternis vergangen.«
Werke: Lat. Dichtungen, Reden u. gelehrte Prosawerke; Ausgg. v. Horaz, Plautus, Plinius u. zahlr. Komm. - Epistolae Buchneri, Dresden 1679 (17202).
Lit.: Wilhelm Buchner, A. B., sein Leben u. Wirken. Ein Btr. z. Gesch. des dt. Schr.lebens im 17. Jh., 1863; - Karl Borinski, Die Poetik der Renaissance u. die Anfänge der lit. Kritik in Dtld., 1886; - Walter Friedensburg, Gesch. der Univ. Wittenberg, 1917; - Hans Heinrich Borchardt, A. B. u. seine Bedeutung f. die dt. Lit. das 17. Jh.s (Hab.-Schr., München), 1919; - Josef Nadler, Lit.gesch. der dt. Stämme u. Landschaften II, 1923; - Herbert Cysarz, Dt. Barockdichtung, 1924; - Günther Müller, Gesch. des dt. Liedes v. Zeitalter des Barock bis z. Gegenw., 1925; - Andreas Heusler, Dt Versgesch. III, 1929, 189 ff.; - Joachim Dyck, Ticht-Kunst. Dt. Barockpoetik u. rhetor. Tradition, 1966; - Koch III, 70 ff.; - MGG II, 416 ff.; - Goedeke III, 55 ff.; - DLL II, 229 ff.; - ADB III, 485 ff.; - NDB II, 703 f.
Friedrich Wilhelm Bautz
Textanmerkungen:
Buchner lehrte von 1619 bis 1661 in Wittenberg als Professor für Rhetorik
und Poesie, die man in jener Zeit als handwerkliche Kunst verstand. Buchner
vermittelte vor allem die metrischen Regeln seines Freundes Martin Opitz,
die dieser 1624 in seinem Buch "Von der Deutschen Poeterey" niedergelegt
hatte. Aber Opitz war in seinem Bemühen, der in der deutschen Sprache zu
seiner Zeit eingerissenen Formlosigkeit und Verwilderung ein Ende zu
bereiten (er führte z.B. die ältere deutsche Versmessung mit Beachtung der
Anzahl von Hebungen und Senkungen wieder ein) zu weit gegangen. So durfte
nach seinen Regeln immer nur 1 Senkung 1 Hebung vorausgehen oder ihr folgen.
Der Rhythmus der deutschen Sprache sieht aber häufig 2 Senkungen vor. Diese
wesentliche Ergänzung führte nun Buchner ein. Darum gilt er auch als "Vater
des Daktylus" (-cc) und natürlich auch des Anapästs (cc-). Durch Buchner hat
daher die deutsche Dichtkunst bis zu unserer Zeit ihre Metrik erhalten und
beibehalten. Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst sind die 4 Versfüße, die
vom Knittelvers, Blankvers bis zu antiken und modernen freien Versformen als
deren Elemente gelten.