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Band XIX (2001)Spalten 104-106 Autor: Heiko Bockstiegel

BÜSCHER, Vitus, prot. Dechant, Konsistorialrat, Superintendent, Magister, * 1602 in Bühne, † 27. April 1666 in Quakenbrück. 1637 Universität Helmstedt, 1643 Hausprediger zu Ippenburg, 1645-47 schwedischer Hofprediger u. Dechant des Dekanats Vörden, 1647 Pastor prim. in Quakenbrück, 1651 Konsistorialrat. - Gegen Ende des 30jährigen Krieges war die Mehrzahl der Quakenbrücker Bürger sowie Burgmänner und Rat nach wie vor der evangelischen Sache zugetan. Größere Fortschritte machte die protestantische Gegenbewegung im Jahre 1646, als die Schweden wieder im Vordringen waren. Sobald die Kaiserlichen Truppen aus den Ämtern Wittlage, Iburg und Vörden verdrängt waren, wurde Magister V. B. zum Dechanten des Amtes Vörden ernannt. Dieser setzte überall evangelische Prediger ein. 1647 besetzte der schwedische General Graf Königsmarck das Amt Fürstenau und auch Quakenbrück. B. ordnete die kirchlichen Verhältnisse in dem wiedereroberten Gebiet. Er kam auch nach Quakenbrück, wo ihn der schwedische Administrator Gustav Gustavson, Graf von Wasaburg, als Pastor vorgesehen hatte. Der Bürgerrat nahm ihn als Pastor an. In kurzer Zeit kehrten die meisten Bürger zum Protestantismus zurück. Nach den Aufzeichnungen wurden schließlich nur noch 105 Personen gezählt, die katholisch blieben. - In diese Zeit fiel auch die Neugestaltung des Schulwesens, die von B. in den Jahren 1647 bis 1651 durchgeführt wurde. Diese Zeit der Befreiung vom Glaubensdruck erleichterte es der Bevölkerung, die neuen Lasten und Unbilden zu tragen, die die Rückkehr der kriegerischen Zustände noch einmal in reichem Maße mit sich brachte. Nach den Friedensverhandlungen wurde zur Regelung des künftigen politischen und religiösen Zustandes eine 1650 veröffentlichte und bis zur Säkularisierung 1802 gültige »immerwährende Übereinkunft« (»Capitulatio perpetua«) abgeschlossen. Zu den Teilnehmern der Aufteilungsverhandlungen für die Kirchengüter zählte auf evangelischer Seite auch B., der es »durch stramme Kirchenzucht« verstand, die durch den 30jährigen Krieg gelockerten Sitten wiederherzustellen. B. wurde so zu einem der einflußreichsten protestantischen Prediger des Hochstifts Osnabrück. - 1662 stellte B. in seiner Funktion als Superintendent die »Geistliche Policey-Ordnung des Stifts Oßnabrück betreffend« auf, bei der es sich um einen über die Zeit der Aufteilung der Kirchengüter hinausgehenden Bericht über die kirchlichen Verhältnisse handelte. Diese Schrift, die zu den wichtigsten Quellen für die kirchlichen Verhältnisse der Jahre nach dem 30jährigen Krieg zählt, steht im Gegensatz zum Visitationsprotokoll des Albert Lucenius (1624/25) und zum »Urteil des Weihbischofs Otto von Bronkhorst über die kirchlichen Verhältnisse des Hochstifts Osnabrück« (1696), welche einen ausgesprochen katholischen Standpunkt vertreten. Neben der Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der »Religionssachen« im Hochstift Osnabrück behandelt die »Geistliche Polizei-Ordnung« als »Status ecclesiasticus des Fürstenthums Osnabrück vom Jahre 1662« vornehmlich den Konfessionsstand und die kirchenregimentlichen Verhältnisse der Einzelgemeinden.

Werke: Richard Bindel: Die Geistliche Polizei-Ordnung des Fürstentums Osnabrück vom Jahre 1662 (in: Mitteilungen d. Vereins f. Geschichte u. Landeskunde v. Osnabrück Band 46 (1925) 49ff.

Lit.: Richard Bindel: Geschichte der höheren Lehranstalt in Quakenbrück (1904); - Hermann Rothert: Quakenbrück im Dreißigjährigen Kriege (1923); - K. Hengst: Das alte Kirchspiel Bühne (1967); - Heinz Böning: Quakenbrück-Geschichte einer norddeutschen Kleinstadt (1972), 32-35, 74f.; - ders.: Glaubenskämpfe im Osnabrücker Nordland im 16. und 17. Jahrhundert (1981); - Horst R. Jarck (Hrsg.): Quakenbrück-Von der Grenzfestung zum Gewerbezentrum (1985), 11, 103f., 152, 154, 511; - Rainer Hehemann: Biographisches Handbuch zur Geschichte der Region Osnabrück (1990), 52f.; - K. G. Kaster u. G. Steinwascher (Hrsg.): 450 Jahre Reformation in Osnabrück (1993), 20.11a, 32.6, 32.6a; - Ernst u. Heiko Bockstiegel: Die St. Sylvesterkirche in Quakenbrück und ihre Gemeinde (1997).

Heiko Bockstiegel

Letzte Änderung: 24.06.2008