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Verlag Traugott Bautz
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BUNSEN, Christian Karl Josias Freiherr von, Diplomat und Gelehrter, * 25.8. 1791 in Korbach (Waldeck) als Sohn eines früheren Wachtmeisters, † 28.11. 1860 in Bonn. - B. begann im Herbst 1808 in Marburg mit dem Studium der Theologie, bezog ein Jahr später die Universität Göttingen und widmete sich fünf Jahre vor allem der Erforschung des klassischen Altertums. Seine Bildung erweiterte er durch Studienreisen nach Holland, Dänemark, Frankreich und Italien und verheiratete sich 1817 mit der hochbegabten Frances Waddington, der frommen Tochter eines Gutsbesitzers auf Llanover (England), unter deren Einfluß »das Christentum zum Mittelpunkt seines Denkens und Handelns« wurde. 1818 trat B. in die diplomatische Laufbahn ein als Legationssekretär des preußischen Gesandten beim päpstlichen Hof, Barthold Georg von Niebuhr, dessen Nachfolger er 1823 wurde. B. erwarb sich um das evangelisch-kirchliche Leben in Rom die größten Verdienste. 1838 erbat er seine Entlassung, Weil in dem zwischen der preußischen Regierung und der römischen Kurie wegen der Behandlung der Mischehen ausgebrochenen Streit seine amtliche Stellung in Rom unhaltbar geworden war. B. Wurde 1839 preußischer Gesandter bei der helvetischen Eidgenossenschaft in Bern und im Frühjahr 1841 von Friedrich Wilhelm IV. nach England gesandt mit dem Auftrag, dort wegen eines anglo-preußischen Bistums in Jerusalem zu verhandeln. Es wurde als ein abwechselnd von England und Preußen zu besetzendes evangelisches Bistum begründet. B. blieb als preußischer Gesandter in England bis zum Ausbruch des Krimkrieges 1854. Er zog nach Heidelberg, lebte ganz seinen Studien und widmete sich schriftstellerischen Arbeiten. 1857 wurde B. in den Freiherrnstand erhoben.
Werke: Beschreibung der Stadt Rom, 3 Bde., 1840-43; Die Basiliken des christl. Roms, 1843; Ägyptens Stelle in der Weltgesch., 5 Bde., 1844-57; Ignatius v. Antiochien u. seine Zeit, 1847; Hippolytus u. seine Zeit, 2 Bde., 1852/53; Die Zeichen der Zeit, 2 Bde., 1855 (10 an Ernst Moritz Arndt gerichtete Briefe über die Gewissensfreiheit u. das Recht der christl. Gemeinde; 18563); Gott in der Gesch. oder Der Fortschritt des Glaubens an eine sittl. Weltordnung, 3 Bde., 1857/58; Allg. ev. Gesang- u. Gebetbuch z. Kirchen- u. Hausgebrauch, 1833 (neu 1846); Vollst. Bibelwerk f. die Gemeinde, 9 Bde., 1858-70 (voll, durch Adolf Kamphausen u. Heinrich Holtzmann).
Lit.: Frances Bunsen, A Memoir of Baron B., 2 Bde., 1868 (dt. verm. Ausg. v. Friedrich Nippold, 3 Bde., 1868-71); - Chr. Baehr, B.s Bibelwerk u. seine Bedeutung f. die Gegenw. beleuchtet, 1861 (18702); - Ders., B., 1892; - Max Müller, Essays III, 1872, 334 ff. 383 ff. (B.s Briefe an M. M.); - Leopold v. Ranke, Aus dem Briefwechsel Friedrich Wilhelms IV. mit B., 18742; - Briefe an B. v. röm. Kardinälen u. Prälaten u. a. Katholiken aus den J. 1818-37, mit Erl. hrsg. v. Franz Heinrich Keusch, 1897; - A. Dove, Über den Briefwechsel Friedrich Wilhelms IV. mit B., in: Ausgew. Schriftchen, vornehml. hist. Inhalts, 1898, 186 ff.; - Walther Ulbricht, B. u. die dt. Einheitsbewegung (Diss. Leipzig), 1910; - Hubert Bastgen, Die Verhh. zw. dem Berliner Hof und dem Hl. Stuhl über die konfessionell gemischten Ehen, 1936; - Wilma Huecker, Der Gesandte B. als Vermittler zw. Dtld. u. Engl., 1951 (19522); - Franciscus Hanus, Die preuß. Vatikangesandtschaft 1747-1920, 1954; - Wilhelm Kosch, Biogr. Staatshdb. I, 1963, 185; - Martin Schmidt, Der Streit zw. K. J. v. B. u. Friedrich Julius Stahl in den J. 1855 u. 1856 in seiner kirchengeschichtl. u. grundsätzl. Bedeutung, in: JBrKG 44, 1969, 113 ff.; - ADB III, 541 ff.; - NDB III, 17 f.; - DDL II, 339; - RE III, 556 ff.; - RGG I, 1525 f.; - LThK II, 781.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
2006
Alexander von Humboldt, Briefe von Alexander von Humboldt an Christian Carl Josias Bunsen. Neu ed. von Ingo Schwarz. Berlin 2006.
Letzte Änderung: 27.01.2010