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Band XVII (2000)Spalten 205-208 Autor: Johannes Grave

BURENIUS (eigentl. Warwick), Arnold, Humanist, * um den 1. Februar 1485 in Emsbüren, † 16. August 1566 in Rostock. - Burenius stammt nicht - wie in der älteren Literatur vielfach zu lesen ist - aus dem paderbornischen Büren, sondern aus dem emsländischen Emsbüren, für das im 16. Jahrhundert eine Familie Warwick urkundlich belegt ist. B.' Herkunft aus Emsbüren wird durch die Angaben der Matrikeln Wittenbergs und Rostocks bestätigt, in denen die Diözese Münster als Heimat des Humanisten genannt ist. Seine Familie, die einen Hof außerhalb des Ortes bewirtschaftet, verläßt B. schon früh, um zunächst in Zwolle, später dann in Münster die Schule zu besuchen. Die Münsteraner Domschule, an der u. a. der Humanist Johannes Murmellius unterrichtet, wird im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts zu einem bedeutenden geistigen Zentrum Nordwestdeutschlands, so daß B. spätestens hier im humanistischen Sinne ausgebildet wird. Zum weiteren Studium wechselt B. vermutlich 1508 an die erst sechs Jahre bestehende, aber schon florierende Universität in Wittenberg, an der u. a. Luther Vorlesungen hält. Ein Jahrzehnt später lernt er hier den 1518 aus Tübingen kommenden Melanchthon kennen, der die weitere Entwicklung des emsländischen Humanisten maßgeblich prägt. Melanchthons Verbindungen zum Herzog Heinrich von Mecklenburg bieten B. die Möglichkeit, 1524 an den Schweriner Hof zu wechseln, wo er sich zusammen mit Conrad Pegel der Erziehung des Prinzen Magnus widmet. Im Jahre 1530 geht B. - vermutlich auf eigenes Betreiben - nach Rostock. Dort versucht er, den durch Pestepedemien und Reformationswirren zusammengebrochenen Lehrbetrieb an der Universität neu zu organisieren. Ihm, Pegel und wenigen verbliebenen Lehrkräften gelingt es, die Situation an der Universität zu konsolidieren. Als Lehrer der artes übernimmt B. die Leitung des Collegium Aquilae. Vermutlich weil er erst 1539 den Magistergrad erwirbt, bleiben ihm höhere Universitätsämter verschlossen. Dennoch hat B. durch seine Beziehungen zu Melanchthon erheblichen Anteil am Aufschwung der Hochschule. Indem B., wie seine wenigen orationes zeigen, die Grundgedanken der melanchthonischen Pädagogik umzusetzen versucht und zahlreiche in Wittenberg ausgebildete Professoren für Rostock gewinnt (u. a. David Chytraeus und Johannes Aurifaber), beeinflußt er die Entwicklung der Universität zu einer Hochschule im Sinne des Wittenberger Freundes. Andreas Wesling sollte in B. daher später einen zweiten >>Gründungsrektor<< sehen. Im Jahre 1544 wendet sich B. an den Bischof der Diözesen Münster, Osnabrück und Minden, Franz von Waldeck, um ihm den Ausbau der Domschule in Münster zu einer Universität zu empfehlen. Anlaß zu der Hoffnung, Franz von Waldeck könne zur Einrichtung einer protestantischen Hochschule bewegt werden, gibt dessen Verhalten in der Diözese Osnabrück; denn dort führt der Bischof vorübergehend die evangelische Konfession ein. Dennoch bleibt der Vorschlag des B. folgenlos, nicht einmal eine Reaktion Franz von Waldecks ist überliefert.

Werke: Oratio ad reverendiss. episcopum Monasteriensem de scholis literariis constituendis, Wittenberg 1544; Causae cur scholae philosophicae praefecti in academia Rostochiana in disciplina resarcienda elaborarint [...], Wittenberg 1556 (auch in C. R. 12 (1844), 161-173); außerdem weitere 1579 von Nathan Chytraeus in Rostock (bei S. Myliander) herausgegebene orationes.

Lit.: Andreas Wesling, [Grabrede auf Burenius], in: Scripta in academia Rostochiensi publice proposita, ab anno Christi 1560 usque ad octobrem anni 1563 et inde ad initium anni 1547 [1567], Rostock 1567, 377r.-378v.; - Nathan Chytraeus, Oratio de vita et obitu Arnoldi Burenii, in: M. Reinh. Henricus Rollius (Hrsg.), Memoriae philosophorum, oratorum, poetarum, historicorum et philologorum, Rostock 1710, 105-170; - Otto Krabbe, Die Universität Rostock im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert. 1. Teil, Rostock 1854 (ND Aalen 1970), v. a. 407-413 u. 438-441; - Georg Joseph Rosenkranz, Paderbornsche Gelehrte aus dem Reformations-Zeitalter, in: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde Westfalens 16 (1855), 1-37, v. a. 1-6; - ADB 3 (1876), 586-588; - Friedrich Schlie, Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin, Bd. 1: Die Amtsgerichtsbezirke Rostock, Ribnitz [...], Schwerin 1896, 40-42; - Alfons Egen, Der Einfluß der Münsterschen Domschule auf die Ausbreitung des Humanismus, in: Königliches Paulinisches Gymnasium zu Münster. Festschrift zur Feier der Einweihung des neuen Gymnasialgebäudes am 27. April 1898, Münster 1898, 15-49, v. a. 25f.; - Heinrich Detmer, Der Plan des Arnoldus Burenius zur Errichtung einer höheren Lehranstalt in Westfalen vom Jahre 1544, in: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde Westfalens 60 (1902), 157-181; - Heinrich Detmer, Karl Hosius u. Klemens Löffler (Hrsg.), Hermann Hamelmanns Geschichtliche Werke, Bd. 1: Schriften zur niedersächsisch-westfälischen Gelehrtengeschichte (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Westfalen), Münster 1908, v. a. Heft 3, 66-68; - Robert Stupperich, Melanchthons Beziehungen zu Westfalen, in: Westfalen 38 (1960), 47-61, v. a. 51f.; - Günter Heidorn, Gerhard Heitz, Johannes Kalisch u. a., Geschichte der Universität Rostock 1419-1969, Berlin 1969, Bd. 1, v.a. 27f. u. 42-44; - Stefan Rhein, »Die Ostseeküste braucht eine blühende Universität«. Philipp Melanchthon und die Universität Rostock, in: Karl-Heinz Glaser, Hanno Lietz u. Stefan Rhein (Hrsg.), David Chytraeus und Nathan Chytraeus, Humanismus im konfessionellen Zeitalter, Ubstadt-Weiher 1993, 95-102; - Johannes Grave, Der Humanist Arnold Burenius. Ein Emsländer macht Gelehrtenkarriere, in: Osnabrücker Mitteilungen 104 (1999), 91-106; - Matthias Asche, Von der reichen hansischen Bürgeruniversität zur armen mecklenburgischen Landeshochschule. Das regionale und soziale Besucherprofil der Universitäten Rostock und Bützow in der Frühen Neuzeit (1500-1800) (Contubernium 52), Stuttgart 2000, v.a. 122f. u. 382f..

Johannes Grave

Letzte Änderung: 24.06.2008