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Verlag Traugott Bautz
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BUSECK, Amandus (Friedrich Franz Ludwig) von, Fürstabt und erster Fürstbischof von Fulda, * Frühjahr 1685 in Eppelborn/Saar, getauft am 2. Februar 1685; V.: Philipp Franz Edmund von Buseck, Herr zu Eppelborn († 1700), M.: Maria Antonia von Fechenbach zu Sommerau († 1693); † am 4. Dezember 1756 in Fulda. - Als ältester Sohn des Freiherrn Philipp Franz Edmund von Buseck und seiner Frau Maria Antonia von Fechenbach auf Schloß Eppelborn geboren und am 2. Februar 1685 dort auf den Namen Friedrich Franz Ludwig getauft, entstammte der als Fürstabt Amandus Genannte einem hessischen Adelsgeschlecht. Die ältere katholische Linie kam 1663 durch Erbfall in den Besitz des Herrenhauses in Calmesweiler und fünf Jahre später an die ganze, sechs Dörfer umfassende Herrschaft Eppelborn im heutigen Saarland. Der Junge wuchs in den beiden Schlössern in Calmesweiler und Eppelborn auf. 1693 verlor er die Mutter und wurde mit zehn Jahren seinem Großonkel in Fulda, Bonifatius von Buseck, zur Erziehung anvertraut, dem damaligen Propst von Johannesberg und späteren Dekan des Stiftes. Damit war ihn die geistliche Laufbahn vorherbestimmt. Friedrich Franz Ludwig von Buseck besuchte zuerst seit 1697 das Jesuitenkolleg in Fulda und wurde im Jahre 1700 - also wohl vor Abschluß einer gediegenen Schulausbildung - als Page an den Hof des neugewählten Fürstabtes Adalbert von Schleiffras (amt. 1700-1714) geschickt. Nach einjährigem Noviziat wurde von Buseck am 1. November 1705 in den Benediktinerorden aufgenommen und erhielt den Ordensnamen Amandus. Offenbar hatte Amandus seine Studien ordensintern fortgeführt, denn 1707 erhielt er in der Kapelle des Päpstlichen Seminars in Fulda die niederen Weihen, dann am 21. und 22. September 1708 in Erfurt die Subdiakons- und die Diakonsweihe und schließlich durch den Mainzer Weihbischof Johann Jakob Senft (1645-1721), der schon die anderen Weihen erteilt hatte, die Priesterweihe. - Am 17. September 1710 wurde Amandus von Buseck ins Fuldaer Stiftskapitel aufgenommen; er war fünfundzwanzig Jahre alt. Die prägendsten Gestalten der ersten fünfzehn Fuldaer Jahre waren Fürstabt Adalbert von Schleiffras, der den Bau der neuen Stiftskirche und des Residenzschlosses betrieb, und Amandus' Großonkel Bonifaz von Buseck, der als Stiftsdekan die neue Propsteikirche in Johannesberg errichtete und mit 75 Jahren den Neubau des Dechaneigebäudes neben der Stiftskirche in Angriff nahm. Amandus widmete sich Fragen der Architektur und Gartenkunst, wie einige erhaltene Zeichnungen aus seiner Feder dokumentieren. Amandus beschäftigte sich aber auch mit Reisen: Er kam in seine Heimat an der Saar und nach Lothringen und engagierte sich in der Festigung des Erbes in Eppelborn, das sein Bruder Ernst nach dem Tod des Vaters angetreten hatte. Als Amandus' Mitkapitular Constantinus von Buttlar (1679-1726) zum Fürstabt gewählt wurde, trat Amandus eine ausgedehnte Reise nach Frankreich an. Er hielt fest: "Nach Erhaltung [der Erlaubnis durch den Fürstabt] dessen hab meine Reiß gleich nach faßnacht anno 1715 angetretten undt den Rhein hinunder in hollandt. Aus hollandt nach Brussel undt weiter in die kayserliche oder ßogenandte spanische niederlandt. Aus diesen durch die picardie auf paris, alwo 8 monath geblieben. Durch champagne auf Metz, von dar auf Nancy und Linevill. Aus Lothringen auf straßburg, durch daß Elsas auf Rastat und wiederum zurück naher fuldt." Für die Reise hatte sich Amandus ein französisch-deutsches Wörterbuch eigenhändig angefertigt. Da er lange kein Amt im Kapitel bekleidete, hatte Amandus Zeit und Muse für ausführliche Studien, besonders der Architektur, der Geschichte und Genealogie. Dazu legte er sich eine umfangreiche Bibliothek an. Am 21. September 1724 jedoch wurde er mit elf gegen fünf Stimmen zum neuen Stiftsdekan gewählt. Fortan hatte er die weltlichen Geschäfte des Stiftes zu leiten und stand dem Hofrat vor. Amandus vollendete den Bau der Domdechanei durch die Errichtung von Wirtschaftsgebäuden und Gärten. Lange konnte er sich dieser Aufgabe nicht widmen, weil er nach dem Tode des Weihbischofs Stephan von Clodh (1674-1727) durch Papst Benedikt XIII. am 26. Januar 1727 zum Titularbischof von Themiscyra ernannt wurde. Am 9. Mai erfolgte die Bischofsweihe in der Stiftskirche zu Fulda. Zehn Jahre später, am 3. November 1737 starb Fürstabt Adolph von Dalberg; Amandus von Buseck wurde noch im gleichen Jahr am 11. Dezember mit nur einer Gegenstimme zum 80. Abt der Fürstabtei gewählt. Amandus war inzwischen 53 Jahre alt. - Als Amandus sein Amt als Fürstabt von Fulda antrat, war er zwar begünstigt durch eine lange Friedenszeit, übernahm aber auch die Schulden seiner Vorgänger, die auf 30.000 rheinische Gulden angewachsen waren. Es war sein erstes Verdienst, die fürstäbtliche Kasse konsolidiert zu haben. Amandus setzte auf Kontinuität im Personalbereich wie in der Politik. Berechenbarkeit in seinen Entscheidungen bildete den Rahmen des wirtschaftlichen Aufschwungs der Fürstabtei. Amandus förderte das Handwerk und gründete Manufakturen z.B. eine Damastweberei, eine Fayencerie, eine Woll- und eine Stuckmanufaktur; auch zog er Künstler nach Fulda. Nach Entdeckung der Sauerwasserquellen in Brückenau richtete Amandus einen Kurbetrieb ein. All seine Bautätigkeit sollte nach seiner Auffassung der Wirtschaftsförderung dienen; dabei war Amandus der einzige Fürstabt von Fulda, der eigenhändige Entwürfe für die wichtigsten Bauvorhaben lieferte, etwa für Schloß Fasanerie, für die Festung Bieberstein und den nahegelegenen Thiergarten. Auch bei Zweckbauten engagierte er sich und verhalf den Landpfarreien zu neuen Kirchen oder notwendigen Kirchenrenovierungen. - Die erfolgreiche Regierung von Amandus von Buseck als Fürstabt von Fulda wurde durch die Zeitumstände gekrönt: 1742 wirkte er in seiner Funktion als Erzkanzler der Kaiserin Maria Theresia aktiv bei den Krönungszeremonien in Frankfurt mit. 1744 arrangierte er die 1000-Jahr-Feier der Abtei Fulda. 1753 erhob Papst Benedikt XIV. die Fürstabtei Fulda zum Bistum; Amandus von Buseck wurde zum ersten Fürstbischof von Fulda inthronisiert. Sein Wahlspruch hieß "Veritate et justitia". 1755 jährte sich zum tausendsten Male der Märtyrertod des hl. Bonifatius, der im Dom zu Fulda seine Grabstätte gefunden hatte. Am 4. Dezember 1756 starb Fürstbischof Amandus von Buseck in Fulda hochverdient; den Übergriff des Siebenjährigen Krieges auf das Fürstbistum mußte er nicht mehr erleben. - Ein Zeitgenosse, Carl Benedikt Welle, beurteilte Amandus so: "Er war ein Herr von groser Einsicht, jeder hat ihn geforchten und geliebet, niemanden liese er drucken, allen Gerechtigkeit widerfahren und gestatete Schwätzeren kein Gehör." Wenn auch Amandus' Bildung an vielen Stellen zu wünschen ließ, so waren sein klarer Geist, sein strukturelles Denken und seine Begabung ein Glücksfall für Fulda.
Archivmaterial (in Auswahl): Hessisches Staatsarchiv Marburg. Best Nr. 90 a/252: Nachrichten von den letzten Fuldaer Fürsten bis 1743; Nr. 90 a/272 Verschiedene autographische Aufzeichnungen des Amandus von Buseck; Nr. 90 a/273 Skizzen des Amandus von Buseck zum Schloß Fasanerie. Konzept über die Malerei in der Schloßkapelle um 1739; Nr. 90 a/322 Diarium über die Vorgänge zu der kaiserlichen Krönungszeit, Amandus von Buseck 1742; Nr. 90 a/372 Verzeichnis der von Amandus von Buseck konsekrierten Kirchen (1728-1755); Nr. 90 a/579 Wahlinstrument Amandus von Buseck (1737); Nr. 90 a/581 Politische Korrespondenz des Fürstabts Amandus von Buseck (1737-1750); Nr. 90 a/593 Erhebung zum Weihbischof (1728) - Nr. 90 b/498 Korrespondenz aus dem Kabinett des Fürstabts Amandus von Buseck (bis 1748); Nr. 90 b/501 Lebensbeschreibungen des Amandus von Buseck - Nr. 91/764 Zur Schanzarbeit am Kurbrunnen in Brückenau verurteilte Untertanen (30. Mai 1752); Nr. 92/101 Batten (1740); Nr. 92/160 Michelsrombach (1747); Nr. 92/213 Schleidt (1738-1741); Nr. 92/309 Oberufhausen (1737); Nr. 92/ 651 Kranlucken (1851-1752) - Nr. 96/374 Domdechantenwahlen (1640-1694) - Protokolle II Fulda A 2: Beschlußprotokolle des Fuldaer Kapitels. Reinschriften Bde. 1-5; Protokolle II Fulda B 5: Protokolle des Geheimen Kabinetts. Bde. 4-6; Protokolle II Fulda B 15: Verhandlungs- und Beschlußprotokolle der Rentkammer. Bd. 6; Protokolle II Fulda B 17: Protokollrelationen der Rentkammer. Bde. 2-6; Protokolle II Fulda B 18: Beschlußprotokolle der Hofrentkammer. Bd. 1 - Rechnungen II Fulda 240/ 240 B: Rentkammerrechnungen der Jahrgänge 1737-1756 mit zahlreichen Belegbänden; Rechnungen II Fulda 127: Baurechnungen des Schlosses Fasanerie 1739-1756; Rechnungen II Fulda 27: Rechnung über den Brückenbau bei der Hornungsmühle 1738-1742; Rechnungen II Fulda 306/ 307: Rechnungen der Damastweberei im Heilig-Geist-Spital 1739-1749; Rechnungen II Fulda 538/ 453: Rechnung der Wollmanufaktur im Heilig-Geist-Spital 1742-1748; Rechnungen II Fulda 304: Rechnungen der Porzellanmanufaktur 1750; Karten A III 126: Eigenhändige Skizzen des Amandus von Buseck - Stadtarchiv Fulda: Best. Verordnungen unter Fürstabt Amandus von Buseck 1737-1756; Hessische Landesbibliothek Fulda: 2° Cod B 49a: Diarium der Reise des Amandus von Buseck nach Frankreich (1715); Fragment, fol. 1-5; 8° C 36 | Handschrift Amandus von Buseck: Les phrases et les verbes dont on ce sert tous les jours, écrites en France, 1715, fol. 1-315; Buseckisches Archiv, Calmesweiler/ Saar (ausgewertet von J. Kreutzer und B. Schmitt).
Lit.: Damian Hartard von Hattstein, Die Hoheit des Teutschen Reichs-Adels, Bde. 1-3, Fulda 1729-1740, bes. Bd. 1, 50-56; - Johann Burkhard Schlereth, Kurtze Beschreibung des ohnweit Brückenau im Hochstifft Fulda Neu-erfundenen Gesundheits-Brunnen, Fulda 1749; - Carl Benedict Welle, Unterthänigste Glück-Wünsche und Lands-Frohlockungen. Huldigungsgedicht auf Fürstbischof Adalbert von Walderdorff, Fulda 1757; - Johann Chrysostomus Kolbingen, Der / In dem Weege / Der Wahrheit und Gerechtigkeit / Geliebte des Herren / Amandus [Leichenpredigt auf Fürstbischof Amandus von Buseck], Fulda 1757; - Ignaz Hinkelbein, Des ehemaligen Hochstifts Fulda Münzen und Medaillen, in: Buchonia 3 (1828), Heft 1, 1-18; - Georg Joseph Malkmus, Fuldaer Historienbüchlein, Fulda 1872 (ND Fulda 1983), 25-33; - Gregor Richter, Die adeligen Kapitulare des Stifts Fulda seit der Visitation Carafas (1627) in: Fuldaer Geschichtsblätter 3 (1904), 65-93, 115-128; - Heinrich Kneschke, Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Bd. 2, Leipzig 1929, 169-172; - Gregor Richter, Kirchen- und Altarkonsekrationen im Hochstift Fulda von 1728-1767, in: Fuldaer Geschichtsblätter 22 (1929), 61-64; - Günther Willms, Die fürstlich fuldaische Sommer-Residenz Fasanerie, in: Buchenblätter 15 (1934), 173f., 176f., 179f., 186f.; - Georg Antoni, Die fürstliche Damastweberei in Fulda, in: Buchenblätter 20 (1939), 1-2; - Anton Schmitt, Die Kunst des Fuldaer Barock in: Das Fuldaer Land, hrsg. v. Karl Schick, Fulda 1949, 218-263; - Robert Pessenlehner, Der Marstall des Fürstbischofs Amand von Buseck und die Fohlenzucht auf der Fasanerie, in: Buchenblätter 29 (1956), 49; - Robert Pessenlehner, Der Schloßbau der Fasanerie im Regierungsprogramm des Fürstbischofs Amand von Buseck, in: Buchenblätter 29 (1956), 90f. und 30 (1957), 90f., 24, 27f.; - Stephan Hilpisch, Die Bischöfe von Fulda, Fulda 1957, 13-14; - Ernst Kramer, Bieberstein, das wehrhafte fuldaische Rhön-Schloß, in: Hessische Heimat NF 10 (1960), 22-24; - Ders. (Hrsg.), Carl Benedict Welle, Die Chronik der Familie Welle, in: Buchenblätter 36 (1963), 26-115 (bes. 86-87) und 37 (1964), 2-83; - Ders., Fulda, München 1973; - Kaspar Gartenhof, Brückenau 1747-1862, in: Mainfränkische Hefte 58 (1973), 1-51; - Wilhelm Helmer, Das Adelsgeschlecht von Buseck und seine Beziehungen zum Hochstift Fulda, in: Buchenblätter 50 (1977), 97-98 und 51 (1978), 4-7.11; - Josef Leinweber, Die der Öffentlichen Bibliothek zu Fulda von ihrer Fertigstellung im Jahre 1778 bis zum Jahre 1802 einverleibten Bibliotheken, in: Von der Klosterbibliothek zur Landesbibliothek, hrsg. von Arthur Brall (= Bibliothek des Buchwesens Bd. 6), Stuttgart 1978, 323-337; - Ludwig Pralle, Fulda - Dom und Abteibezirk, Königstein/Taunus 1980; - Johann Kreutzen Die Grundherren ergreifen von der Landschaft Besitz - Die Freiherren von Buseck, in: Heimatbuch Bubach Calmesweilen Saarbrücken 1983, 53-76; - Bernhard Schmitt, Amandus von Buseck, in: Heimatbuch Bubach-Calmesweiler, Saarbrücken 1983, 433-446; - Erwin Sturm, Die Bau- und Kunstdenkmale des Fuldaer Landes, Bde. 1-3, Fulda 1962-1984; - Gregor Richter, Isidor Schleicherts Fuldaer Chronik 1633-1833, nebst Urkunden zur Entstehung des Bistums Fulda (1662-1757) (= Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und der Diözese Fulda Bd. 10), Fulda 1917 [Die Übersetzung der Chronik von Eduard Krieg, in: Buchenblätter 57 (1984), 71f., 83f., 87f., 103f. und 58 (1985), 4]; - Gregor Karl Stasch, Aman von Buseck, Fürstbischof von Fulda, in: Saarländische Lebensbilder, hrsg. von Peter Neumann, Bd. 3, Saarbrücken 1986, 43-66 (dort Angaben zum Archivmaterial); - W. Kathrein, Buseck, Amand Reichsfreiherr von, in: Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, Berlin 1990, 54-55; - Thomas Bergholz, Schloß Buseck und das alte Herrenhaus in Calmesweiler, in: Burgen und Schlösser an der Saar, hrsg. von Joachim Conrad/Stefan Flesch, 3. Aufl., Saarbrücken 1993, 104-106.
Joachim Conrad
Literaturergänzung:
2008
Johannes Naumann, Barockes Eppelborn - Sitz d. Freiherren von B. Alsweiler 2008.
Letzte Änderung: 05.12.2008