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Band I (1990)Spalten 859-860 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

CALIXT II., Papst, † 13.12. 1124. - Guido Graf von Burgund wurde 1088 Erzbischof von Vienne. Heinrich V. verlangte von Paschalis II. die Bewilligung der Investitur, die dieser ihm aber verweigerte. Darum ließ der König am 12.2. 1111 den Papst gefangennehmen. Paschalis II. gab schließlich nach: er bewilligte Heinrich V. die Investitur der ohne Simonie gewählten Bischöfe und Äbte und krönte ihn am 13.4. 1111 in St. Peter zum Kaiser. Guido war im Investiturstreit ein Verfechter der gregorianischen Richtung. Er berief 1112 die Synode von Vienne, die die Laieninvestitur verdammte, über Heinrich V. den Bann verhängte und den Papst mit der Verweigerung des Gehorsams bedrohte, falls er die Synodalbeschlüsse nicht bestätigen werde. Auf der Lateransynode von 1112 nahm Paschalis II. die dem Kaiser gemachten Zugeständnisse zurück, ohne ihn jedoch zu bannen. Der Investiturstreit wurde unter Gelasius fortgesetzt. Die kaiserliche Partei erhob den Erzbischof Mauritius von Braga (Portugal) als Gregor VIII. zum Gegenpapst. Guido wurde am 2. 2. 1119 in Cluny zum Nachfolger des Gelasius gewählt. C. erneuerte auf der Synode zu Reims vom 29./30.10. 1119 das Verbot der Laieninvestitur und die Exkommunikation des Kaisers und des Gegenpapstes. Im Frühjahr 1120 zog er nach Italien und hielt glänzenden Einzug in Rom. Gregor VIII. floh nach Sutri. Nach achttägiger Belagerung der Stadt Sutri lieferten die Bürger im April 1121 den Gegenpapst an C. aus, der ihn zu Kerkerhaft verurteilte. Auf Betreiben der deutschen Reichsfürsten fanden im Anschluß an den Fürstentag in Würzburg vom Herbst 1121 Verhandlungen mit dem Papst statt, die zum Abschluß des kirchlichen Friedens führten. Heinrich V. und C. schlossen am 23.9. 1122 das Wormser Konkordat, das den Investiturstreit in Deutschland beendete. Dieser Vertrag bestimmte: Fortan soll in Deutschland der Bischof in Gegenwart des Königs oder eines königlichen Bevollmächtigten gewählt werden. Der Gewählte empfängt vom König die weltlichen Hoheitsrechte und zum Zeichen dafür ein Zepter, während der Papst ihm die geistliche Gewalt und als deren Zeichen Ring und Stab verleiht. In Deutschland soll die Investitur mit dem Zepter vor der Weihe erfolgen, in Italien und Burgund binnen sechs Monaten nach der Weihe. Das Konkordat wurde im März 1123 auf der 1. ökumenischen Lateransynode bestätigt und verkündet. - In dem alten Streit zwischen Arles und Vienne entschied C. 1119 oder 1120, daß der jeweilige Erzbischof von Vienne zugleich päpstlicher Vikar und Primas über die sieben gallischen Provinzen sein sollte.

Lit.: Jaffé I, 270; - LibPont II, 322. 376; - MPL 163, 1093; - Watterich II, 115 ff.; - Ulysse Robert, Etude sur les actes du pape C. II, 1874; - Ders., Histoire du pape C. II, 2 Bde., Paris 1891; - Ders., Bullaire du pape C. II, 2 Bde., ebd. 1891; - Markus Maurer, Papst C. II. (1. Tl. Diss. München 1886), 2 Bde., 1886-89; - W. Gundlach, Der Streit der Bistümer Arles u. Vienne um den Primatus Galliarum. Ein philolog.-diploma.-hist. Btr., 1890; - F. Rosquain, La cour de Rome et l'esprit de réforme avant Luther I, Paris 1893, 138 ff.; - Joseph Langen, Gesch. der röm. Kirche v. Gregor VII. bis Innozenz III., 1893, 277 ff.; - Horace Kinder Mann, The lives of the popes in the Middle Ages VIII, London 1910 (19252), 139 ff.; - Otto Schumann, Die päpstl. Legaten in Dtld. z. Z. Heinrichs IV. u. Heinrichs V. (Diss. Marburg), 1912, 108 ff.; - Gregor Ender, Die Stellung des Papstes C. II. zu den Klöstern (Diss. Greifswald), 1913; - Wilhelm Holtzmann, Zur Gesch. des Investiturstreites, in: NA 50, 1935, 301 ff.; - Theodor Schieffer, Die päpstl. Legaten in Fkr., 1935, 195 ff.; - Ders., Nochmals die Verhh. v. Mouzon (1119), in: Festschr. Ernst Edmund Stengel, 1952, 324 ff.; - Hans-Walter Klewitz, Das Ende des Reformpapsttums, in: DA 3, 1939, 371 ff.; - Biogr. Wb. z. dt. Gesch., 1952, 104 f.; - Bruno Gebhardt, Hdb. der dt. Gesch. I, 19548, 274 ff.; - Horst Fuhrmann, Stud. z. Gesch. ma. Patriarchate. III., in: ZSavRGkan 41, 1955, 95 ff.; - Leonard v. Matt u. Hans Kühner, Die Päpste. Eine Papstgesch. in Bild u. Wort, 1963, 79; - Haller II, 505 ff. 623 f.; - Seppelt III, 153 ff.; - LexP 90 f.; - Hauck III, 912 ff.; - Fliche-Martin VIII, 378 ff.; - Hefele-Leclercq V, 568 ff. u. ö.; - DBF VII, 890 ff.; - RE III, 641 f.; XXIII, 293; - EKL I, 645 f.; - RGG I, 1585; - DThC II, 1343 ff.; - DHGE XI, 424 ff.; - EC III, 391 ff.; - LThK II, 884; - ODCC 218 f.; - Mirbt6 (völlig neu bearb. v. Kurt Aland), 1967, 296 ff.; - EItal VIII, 437.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

1980

Mary Stroll, New perspectives on the struggle between Guy of Vienne and Henry V, in: AHP 18.1980, S. 96-115; -

1991

Wilfried M. Grauwen, Paus Calixt II te Laon in november 1119 en het "propositum" van Norbert, in: AnPraem 67.1991, S. 175-186

1998

Schilling, Beate: Guido von Vienne - Papst Calixt II., Hannover 1998; -

2004

Mary Stroll, C. II. (1119-1124). A pope born to rule. Leiden 2004.

Letzte Änderung: 21.04.2009