CALOV (eigentlich: Kalau), Abraham, luth. Theologe, * 16.4. 1612 in Mohrungen (Ostpreußen) als Sohn eines Rentmeisters, † 25.2. 1686 in Wittenberg. - C. studierte und lehrte in Königsberg und Rostock. 1637 kehrte er nach Königsberg zurück und wurde dort 1639 ao. Professor. 1643 folgte C. dem Ruf nach Danzig als Gymnasialrektor und Pfarrer. 1650 wurde er in Wittenberg o. Professor der Theologie und 1652 zugleich Generalsuperintendent. C. stand bei dem Kurfürsten Johann Georg II. in hoher Gunst. Er brachte die Universität zu neuer Blüte. C. war der bedeutendste Streittheologe der lutherischen Orthodoxie des 17. Jahrhunderts. Er stritt gegen die Reformierten, Katholiken, Arminianer und Sozinianer, auch gegen Jean de Labadie und Jakob Böhme. Besonders erbittert bekämpfte C. die von ihm als Synkretismus bezeichneten Einigungsbestrebungen des milden Helmstedter Lutheraners Georg Calixt, gegen den er schon auf dem Thorner Religionsgespräch 1645 als Führer des Luthertums auftrat. Auf C.s Betreiben erstrebten die orthodoxen Lutheraner die Annahme des "Consensus repetitus fidei verae Lutheranae", einer neuen Bekenntnisschrift, die die synkretistische Theologie verwarf. Es gelang ihnen aber nicht, Calixt und seine Anhänger durch das neue Symbol zu vernichten; denn es wurde nur von den Leipziger und Wittenberger Theologen unterschrieben, während die anderen, vor allem die Jenenser Theologen, sich dagegen ablehnend verhielten. - C., der durch den Tod fünf Gattinnen und seine 13 Kinder verloren hatte, heiratete als vereinsamter 72jähriger die jugendliche Tochter seines Kollegen Andreas Quenstedt.
Werke: Institutiones theologicae cum examine novae theologiae Calixtinae, 1649; Synopsis controversiarum, 1652; Syncretismus Calixtinus, 1653; Harmonia Calixtino-haeretica, 1655; Systema locorum theologicorum, 12 Bde., 1655-77 (neben Johann Gerhards »Loci theologici« die bedeutendste Dogmatik der luth. Orthodoxi; Kompendium daraus: Theologia positiva, 1682); Biblia illustrata, 4 Bde., 1672-76 (exeget. Hauptwerk; Verteidigung der Inspirationslehre gg. die grammatisch-hist. Schr.erkl. des Hugo Grotius); Historia syncretistica, das ist: Christliches wohlgegründetes Bedencken über den Lieben Kirchen-Frieden, und Christliche Einigkeit in der heilsamen Lehre der Himmlischen Wahrheit, 1682; Scripta antisociniana, 1684.
Lit.: August Tholuck, Der Geist der luth. Theologen Wittenbergs im Verlaufe des 17. Jh.s, 1852, 185 ff. 383 ff. 422 ff.; - Ernst Ludwig Theodor Henke, Georg Calixtus u. seine Zeit, 2 Bde., 1853/56; - Hans Leube, Die Reformideen in der dt. luth. Kirche z. Z. der Orthodoxie, 1924, 52 ff.; - Ders., Kalvinismus u. Luthertum im Zeitalter der Orthodoxie. 1: Der Kampf um die Herrschaft im prot. Dtld., 1928; - Johann Michael Reu, Der synkretist. Streit u. die Hochorthodoxie, in: Kirchl. Zschr. 59, Chicago 1935; - Max Wundt, Die dt. Schulmetaphysik des 17. Jh.s, 1939; - Faber, A. C., in: Altpreuß. Biogr. I, 1941, 98; - Reintraud Schimmelpfennig, Die Gesch. der Marienverehrung im dt. Prot., 1952; - Karl Heussi, Gesch. der Theol. Fak. zu Jena, 1954, 138 ff.; - Götz v. Selle, Ostdt. Biogrr., 1955, Nr. 103; - Jörg Bauer, Die Pflicht geschichtl. Gedenkens. Anläßl. des 350. Geb.tages v. A. C., in: Luth. Mhh. 1, 1962, 230 ff.; - ADB III, 712 ff.; - NDB III, 99 f.; - RE III, 648 ff.; XXIII, 293; - EKL I, 647 f.; - RGG I, 1587; - DThC II, 1376 f.; - LM I, 1042; - LThK II, 886; - ODCC 219.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
Benjamin T.G. Mayes, Syncretism in the theology of Georg Calixt, Abraham Calov, and Johannes Musäus, in: CTQ 68.2004, S. 291-317.
Letzte Änderung: 09.04.2011