CARPZOV, Johann Benedikt I., Theologe, * 22.6. 1607 in Rochlitz (Sachsen) als Bruder des Benedikt Carpzov, † 22.10. 1657 in Leipzig. - C. studierte in Wittenberg und Leipzig und wurde 1632 Pfarrer in Meuselwitz, 1637 Diakonus und 1647 Archidiakonus an der Thomaskirche in Leipzig. Seit 1641 war er zugleich Professor der Theologie. - In seinem Hauptwerk, einer Einleitung in die Symbolischen Bücher der lutherischen Kirche, erläutert C. satzweise historisch und dogmatisch die Bekenntnisschriften und führt schließlich die betreffenden Antithesen der Gegner an. Wilhelm Gaß bezeichnet ihn darum als Vater der Disziplin der Symbolik. C. ist ferner bekannt durch seine homiletische Anweisung zu den jährlich wiederkehrenden Perikopen mit 100 Dispositionsmethoden, eine wertvolle Anleitung zu immer neuen Variationen der Predigtthemen.
Werke: Isagoge in libros ecclesiarum lutheranarum symbolicos (voll. v. dem Gen.Sup. Johann Olearlus), 1665 (1675
2); Hodegeticum brevibus aphorismis olim pro collegio concionatorio conceptum et nunc revisum, 1656.
Lit.: Th. Spitzel, Vetus Academia Jesu Christi, 1671, 227 ff.; - H. Witten, Memoria theologorum nostri seculi, Frankfurt a. M. 1685, 1247 ff. (mit Bibliogr.); - Uhse, Leben der berühmtesten Kirchenlehrer u. Scribenten des 16. u. 17. Jh.s, Leipzig 1710, 541 ff.; - August Hermann Kreyßig, Album der ev-luth. Geistl. im Kgr. Sachsen v. der Ref. bis z. Gegenw., 1883, 265 ff.; - Hans Leube, Die Reformideen in der luth. Kirche z. Z. der Orthodoxie, 1924, 136 ff.; - ADB IV, 20 f.; - RE III, 727; - RGG I, 1623; - LThK II, 955; - NCE III, 145 f.; - ODCC 240.
Friedrich Wilhelm Bautz
Letzte Änderung: 09.04.2011