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Verlag Traugott Bautz
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CHRYSOSTOMUS, Johannes, Bischof von Konstantinopel, Heiliger, * um 345 oder 347 in Antiochien (Syrien) als Sohn des Feldobersten ("magister militum Orientis") Sekundus, † 14.9. 407 in Komana (Armenien). - Anthusa, die mit 20 Jahren verwitwete Mutter des J., sorgte für eine gute Erziehung und Ausbildung ihres Sohnes. Er widmete sich dem Studium der Rhetorik und Philosophie als Schüler des Libanius, des berühmtesten griechischen Sophisten seiner Zeit, und anderer heidnischer Lehrer. J. wollte Jurist werden, fand aber an der Staatsbeamtenlaufbahn kein Gefallen. Durch Meletius von Antiochien ließ er sich drei Jahre in der christlichen Lehre unterweisen und 368 taufen und wurde zum Lektor geweiht. J. zog sich in die Berge bei Antiochien zurück, wo er mit Gleichgesinnten asketische Übungen und theologische Studien trieb als Schüler des Diodor von Tarsus, der ihn lehrte, die Schrift nach ihrem einfachen Wortsinn ohne allegorische Verdunkelungen zu verstehen und auszulegen. Nach vier Jahren kehrte J. wegen eines Magenleidens nach Antiochien zurück. Er wurde 381 Diakonus und 386 Presbyter und gewann bald einen großen Ruf als Prediger und Seelsorger. Eutropius, der Hofmeister des Kaisers Arkadius, berief 397 J. zum Bischof von Konstantinopel, während Theophilus von Alexandrien, der Nebenbuhler Konstantinopels, einen Vertreter der Alexandrinischen Theologie hatte durchsetzen wollen. J. entfaltete auf allen Gebieten der innerkirchlichen Verwaltung eine eifrige Wirksamkeit und trat rücksichtslos und unerschrocken auf gegen die Mißstände in Kirche und Klerus, gegen die Genußsucht der Reichen, gegen Theater und Rennen. Dadurch verscherzte er sich die Gunst mancher Kreise und machte einflußreiche Männer zu seinen Gegnern. J. gewährte vier Anhängern des Origenes, Mönchen aus der nitrischen Wüste, die Theophilus vertrieben hatte, Zuflucht und wurde so in die Origenistischen Streitigkeiten hineingezogen. Um diese Zeit fiel er durch eine Predigt gegen den Kleiderluxus der Frauen in Ungnade bei der Kaiserin Eudoxia, die auf seinen Sturz sann. Sie veranlaßte nun Theophilus, der auf der Synode zu Alexandrien 399 die Verdammung des Origenes durchgesetzt hatte, im August 403 auf einem kaiserlichen Landgut bei Chalcedon eine Kirchenversammlung abzuhalten. J. wurde vor die "Synodus ad quercum" geladen und verurteilt, da er nicht erschien. Arkadius bestätigte das Absetzungsurteil und sprach die Verbannung nach Praenetos (Bithynien) aus. J. ging in seine erste Verbannung, aus der er aber nach kurzer Zeit zurückgerufen wurde, weil der Kaiser dem Drängen des Volks hatte nachgeben müssen und die Kaiserin durch ein Erdbeben, das sie als Strafgericht Gottes deutete, in ihrem Gewissen beunruhigt worden war. J. schwieg nicht zu den ausgelassenen Lustbarkeiten und heidnischen Ausschweifungen anläßlich der Einweihung einer silbernen Bildsäule der Eudoxia nahe bei der Hauptkirche der Stadt, sondern rügte das scharf in einer Predigt, durch die er aufs neue den Zorn der Kaiserin entfachte, so daß ihm der Kaiser die Kirche entzog. Theophilus berief eine neue Synode ein, und J. wurde zum zweitenmal abgesetzt. Er erkannte aber die Absetzung nicht an und hielt mit seinen Anhängern Gottesdienste im Freien, bis nach Pfingsten 404 seine Verbannung nach Kukusus (Armenien) mit Gewalt durchgeführt wurde. J. hoffte im stillen, er werde eines Tages zurückkehren dürfen, womit auch seine Freunde nach dem Tod der Eudoxia rechneten. Sie waren der Hoffnung, daß die Bemühungen des römischen Bischofs Innozenz I. im Bund mit dem weströmischen Kaiser Honorius, durch eine ökumenische Synode eine gerechte Entscheidung herbeizuführen, Erfolg haben würden. Sie mußten aber erleben, daß Arkadius die Vermittlung Roms schroff abwies, wodurch es erstmals zu einem Bruch Roms mit Alexandrien und Konstantinopel kam. J. mußte, statt heimkehren zu dürfen, bis an die äußerste Grenze des Römischen Reiches ziehen, da Arkadius als künftigen Verbannungsort des Bischofs Pityus am Ostufer des Schwarzen Meeres bestimmt hatte. Den Srapazen der Reise dorthin erlag er. Seine letzten Worte waren der Wahlspruch seines Lebens: "Dank sei Gott für alles!" Auf Befehl des Kaisers Theodosius II. wurden die Gebeine des Bischofs nach Konstantinopel zurückgeholt und dort am 27.1. 438 in der Apostelkirche feierlich beigesetzt. - Die Nachwelt gab J. wegen seiner glänzenden Rednergabe den Beinamen "Chrysostomus" = "Goldmund". Er gilt als der größte Prediger der griechischen Kirche. Wir haben von ihm noch etwa 1000 Predigten, von denen die meisten fortlaufende Erklärungen biblischer Bücher sind.
Werke: Ausg. v. Bernard de Montfaucon, 13 Bde., Paris 1718 bis 1738; Nachdr.; MPG 47-64. - Ausw.; Opera selecta, hrsg. v. F. Dübner, Paris 1861. - Dt. Übers.; BKV2 23. 25-27. 39. 42. 45, 1911-36.
Bibliographie: Chrysostomus Baur, J. C. et ses oeuvres dans l'histoire littéraire (Diss. Louvain), 1907. - Neuausgg. u. Überss. einzelner Schrr. The Priesthood. A translation by W. A. Jurgens, New York 1955. - Huit catéchèses baptismales inédites. Introduction, texte critique, traduction et notes de Antoine Wenger, Paris 1957. - Sur la providence de Dieu. Introduction, texte critique, traduction et notes de Anne-Marie Malingrey, ebd. 1961. - Baptismal Instructions. Translated and annotated by Paul W. Herkins, London 1963. - Six Books of the Priesthood. Translated with an introduction by Graham Neville, ebd. 1964. - Lettre d'exil à Olympias et à tous les fidèles. Quod nemo laeditur. Introduction, texte critique, traduction et notes par Anne-Marie Malingrey (lat. u. frz.), Paris 1964. - La Virginité. Texte et introduction critiques par Herbert Musurillo. Introduction générale, traduction et notes par Bernard Grillet, ebd. 1966. - A Théodore. Introduction, texte critique, traduction et notes par Jean Dumortier, ebd. 1966. - A une jeune veuve. Sur le mariage unique. Introduction, traduction et notes par Bernard Grillet. Texte grec établi et présenté par Gérard H. Ettlinger, ebd. 1968.
Lit.: Richard Rothe, Gesch. der Predigt, 1881, 77 ff.; - F. H. Chase, C. A Study in the History of Biblical Interpretation, 1887; - A. Nägle, Die Eucharistielehre des hl. J. C., 1900; - Georg Kopp, Die Stellung des hl. J. C. z. weltl. Leben (Diss. Münster), 1905; - Henriette Dacier, S. J. C. et la femme chrétienne au IVe siècle de l'Eglise grecque, Paris 1907; - Louis Duchesne, L'Histoire ancienne de l'Eglise chrétienne III, ebd. 1910, 72 ff.; - Joseph Hermenegild Juzek, Die Christologie des hl. J. C. Zugl. ein Btr. z. Dogmatik der Antiochener (Diss. Breslau), 1912; - Viktor Schultze, Altchristl. Städte u. Landschaften I, 1913, 98 ff.; - Franciscus Schulte, S. Johannis Chrysostomi de inani gloria et de educandis liberis (Diss. Münster), 1914; - Erwin Preuschen, Unsere rel. Erzieher, hrsg. v. Bernhard Beß, 19172, 143 ff.; - Max v. Bonsdorff, Zur Predigttätigkeit des J. C. Biogr.-chronolog. Stud. über seine Homilienserien zu nt. Büchern, Helsingfors 1922; - B. J. Kidd, A History of the Church to 461, II, 1922, 335 ff. 417 ff.; - Alfred Kulemann, Das christl. Lebensideal des C. auf Grund seiner Schr. "Peri hierosýnes". Eine pastoral-theol. u. psycholog. Stud., 1924; - Rudolf Otto, Aufss. das Numinose betreffend, 1924, 1 ff.; - Josefine Seidlmayer, Die Päd. des J. C. (Diss. München 1923), 1925 (Ausz.); - Chrysostomus Baur, Der hl. J. C. u. seine Zeit, 2 Bde., 1929/30; - Mary Albania Burns, S. J. C.'s Homilies on the Statues: a study of their rhetorical qualities and form. A dissertation, Washington 1930; - S. Tromp, De Corpore Christi mystico et Actione Catholica ad mentem S. J. C., in: Gr 13, 1932, 177 ff. 321 ff.; - Louis Meyer, S. J. C., maître de perfection chrétienne, Paris 1933; - Angel Carrillo de Albernoz, S. J. C. y au influencia social en el Imperio Bizantino del siglo IV, Madrid 1934; - M. Hornykewitach, Die göttl. Liturgie unseres hl. Vaters J. C. (griech.-altslaw.-dt.), 1935; - Paul Andres, Der Missionsgedanke in den Schrr. des hl. 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Friedrich Wilhelm Bautz
Werkeergänzung:
Des J.C. auserwählte Homilieen. Übers. u. mit e. Einl. über J.C., d. Homileten, mit Vorbemerkungen u. Anm. versehen von Philipp Mayer. Nürnberg 1830.
Literaturergänzung:
Claudia Tiersch: Johannes Chrysostomus in Konstantinopel (398 - 404). Weltsicht und Wirken eines Bischofs in der Hauptstadt des Oströmischen Reiches. Tübingen 2002; - Jutta Tloka, Griechische Christen - christliche Griechen. Plausibilisierungsstrategien d. antiken Christentums bei Origines u. Johannes Chrysostomos. Tübingen 2005 (=STAC; 30); - Michael Schneider, D. göttl. Liturgie. E. theol. Hinführung zur Liturgie unserer Väter d. Heiligen Basilius u. J.C. 2. Aufl. Köln 2005 (=Edition Cardo; 121); - Francesco Corsaro, Un martire cristiano nella Costantinopoli di Arcadio. G.C. dalla sinodo della quercia all'esilio, in: Orpheus N.S. 26.2005, S. 48-65;- Americo Miranda, Modelli di perfezione cristiana tra i periodi antiocheno e costantinopolitano del C., in: ebd. S. 137-151.
Ein weiterer Beitrag über Chrysostomus
Letzte Änderung: 06.10.2006