COLLOREDO, Hieronymus Graf von, letzter regierender Fürsterzbischof von Salzburg, * 31.5. 1732 in Wien als Sohn des Reichsvizekanzlers Rudolph Fürst von Colloredo-Waldsee (seit 1763), † daselbst 20.5. 1812, beigesetzt im Stephansdom. - C. wurde mit 15 Jahren Domizellar und Domher in Salzburg und 1751 Domkapitular in Passau. Nach seinem Studium am Collegium Germanicum in Rom war er auch Pfarrer in Staatz (Niederösterreich) und eine Zeitlang Propst beim Augustinerchorherrnstift Augsburg St. Moritz. Joseph II., Mitregent seiner Mutter Maria Theresia, ernannte ihn 1759 zum Auditor Rotae Romanae in Rom für die deutsche Nation. C. wurde 1761 Propst von Kremsier, 1762 Bischof von Gurk und 1772 als Kandidat des Wiener Hofes nach langwieriger Wahl (erst im 11. Wahlgang) Erzbischof von Salzburg. Ende 1800 flüchtete er vor den anrückenden Franzosen nach Brünn, dann nach Wien. 1803 legte er infolge des Reichsdeputationshauptschlusses von Regensburg die weltliche Regierung des Erzstiftes nieder. - C. war Vertreter des "Josephinismus", der Kirchenpolitik Kaiser Josephs II. Zur Feier des 12. Jahrhunderts der Salzburger Kirche erließ er den aufsehenerregenden Hirtenbrief vom 29.6. 1782 im Geist des josephinistischen Puritanismus. C. reformierte die kirchlichen Verhältnisse seiner Diözese im Sinn der Aufklärung; er ließ in den Klöstern die Zahl der Mitglieder verringern und hob alle Bruderschaften auf, vermehrte dagegen die Seelsorgestellen. Als die Kurie 1785 auf Wunsch der bayrischen Regierung in München eine päpstliche Nuntiatur errichtete und der Nuntius in verschiedene erzbischöfliche Rechte eingriff, setzten sich die Erzbischöfe von Köln, Mainz, Trier und Salzburg mit Entschlossenheit zur Wehr. Ihre Abgeordneten tagten im Sommer 1786 in Bad Ems. Das Ergebnis der Verhandlungen auf dem Emser Kongreß war die Emser Punktation, die größere Selbständigkeit für die katholische Kirche in Deutschland anstrebte und ein allgemeines deutsches Nationalkonzil in Aussicht nahm, falls der Papst die Beschlüsse des Emser Kongresses nicht genehmigte. - Als Förderer und Reformator des Volksschulwesens hat sich C. große Verdienste erworben.
Lit.: J. R. Kusej, Joseph II. u. die äußere Kirchenverfassung Inneröstr.s. Ein Btr. z. Gesch. des östr. Staats-KR, in: Kirchenrechtl. Abhh., hrsg. v. Ulrich Stutz, 1908, H. 49/50; - Hans Widmann, Gesch. Salzburgs III, 1909, 460 ff.; - Joseph Mack, Die Reform- u. Aufkl.bestrebungen im Erzstift Salzburg unter EB H. v. C. (Diss. München), 1912; - Des kurtrier. geistl. Rats Heinrich Aloys Arnoldi Tgb. über die zu Ems gehaltene Zus.kunft der 4 erzbischöfl. dt. Herrn Deputierten, die Beschwerde der dt. Nation gg. den röm. Stuhl u. sonst. geistl. Gerechtsame betr. 1876. Hrsg. v. Matthias Höhler, 1915; - Karl Wagner, Gesch. der Schulverbesserung in Salzburg unter EB H. Gf. C., in: Mitt. der Ges. f. Salzburger Landeskunde 55, Salzburg 1915, 151 ff.; 56, 1916, 95 ff.; - Hubert Bastgen, Fürst-EB H. C. u. sein Domkapitel, ebd. 59, 1919, 37 ff.; - Franz Martin, Die Salzburger Chron. des F. A. Haslberger, ebd. 68, 1928, 51 ff.; - Ders., Salzburgs Fürsten in der Barockzeit. 1587-1812, Salzburg 1952
2, 225 ff.; - v. Pastor XVI/3, 1933, 370 ff. 391 ff.; - Gerhard Josef Jansen, Kf.-EB Franz v. Köln u. die episkopalistischen Bestrebungen seiner Zeit. Nuntiaturstreit u. Emser Kongreß (Diss. Bonn), 1933; - Joseph Schöttl, Kirchl. Reformen des Salzburger EB H. v. C. im Zeitalter der Aufkl., in: Südostbayer. Heimatstud., hrsg. v. Joseph Weber, Bd. 16, Hirschenhausen bei Jetzendorf (Oberbayern) 1939; - ADB IV, 416 f.; - NDB III, 327 - DHGE XIII, 255 f.; - LThK III, 5 f.; - NCE III, 1012; - RGG I, 1851.
Letzte Änderung: 09.04.2011