Verlag Traugott Bautz |
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CONRADI, Ludwig Richard, einer der führenden deutschen Adventisten, * 20.3. 1856 in Karlsruhe, † 16.9. 1939 in Hamburg. - C. war ursprünglich Katholik und wollte Bierbrauer werden. Nach harter Lehrlingszeit wanderte er nach Amerika aus und lernte dort Adventisten kennen. C. ließ sich 1878 taufen und studierte dann auf der Hochschule der Siebenten-Tags-Adventisten in Battle Creek (Michigan). 1886 wurde er nach Europa entsandt und arbeitete mit großem Erfolg in der Schweiz und in Skandinavien. 1899 wurde C. zum Vorsitzenden der Europäischen Division ernannt. Während des ersten Weltkriegs widmete er sich kirchengeschichtlichen Studien in London und fand 1926 in New York die Erstausgabe der von dem Adventistenprediger James White veröffentlichten Schrift "A Word to the little Flock" ("Ein Wort an die kleine Herde"), die neben einigen eigenen Aufsätzen die ersten Gesichte seiner Frau Ellen Gould enthielt, die von den Adventisten als eine von Gott gesandte Prophetin verehrt wurde. Als er die Erstausgabe mit der Neuauflage von 1851 verglich, entdeckte C. mancherlei Auslassungen. Durch die kritische Überprüfung der gesamten Geschichte der Adventisten nach 1844 zerbrach für ihn die Autorität der Ellen Gould White als Prophetin. Dem literarischen Ausschuß des Advent-Verlags in Hamburg teilte C. seine Entdeckung der Unterschiede zwischen den beiden Auflagen von 1847 und 1851 mit. Da er Ellen Gould White nicht als Prophetin anerkannte und die Lehre vom Eintritt Christi ins Allerheiligste 1844 ablehnte, wurde C. 1931 in den Ruhestand versetzt und ihm die Schriftleitung des "Herold der Wahrheit" entzogen. Er trennte sich von den Siebenten-Tag-Adventisten und schloß sich den Siebenten-Tag-Baptisten an. C. gründete 1933 in Hamburg das Monatsblatt "Wahrheit, Licht, Leben" und setzte darin und in zahlreichen Broschüren und Flugschriften die Auseinandersetzung fort. - C.s Schriften fanden weiteste Verbreitung. Seine Hauptwerke sind eine Auslegung des Buches Daniel und der Offenbarung des Johannes.
Lit.: Johannes Gründler, Lex. der christl. Kirchen u. Sekten II, 1961, 2559a; - Kurt Hutten, Seher - Grübler - Enthusiasten. Sekten u. rel. Sondergemeinschaften der Gegenw., 196811 (erneut überarb. u. erw.; 48.-52. Tsd.), 73 ff.; - RGG I, 1862.
Literaturnachtrag:
2004
Heinz, Daniel (Hrsg.): "Ludwig Richard Conradi. Missionar, Evangelist und Organisator der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa", Frankfurt a.M.; Bern; New York; Paris 1998. (Adventistica. Schriftenreihe des Historischen Archivs der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa; Band 2); - Karl Heinz Voigt, Freikirchen in Deutschland. (19. und 20. Jahrhundert). Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen Bd. III/6, Leipzig 2004, passim;-
2006
Johannes Hartlapp, Eine vergessene Liebe: Ludwig Richard Conradi und die Adventgemeinde. In: Stefan Höschele (Hg.), Spes Christiana. Christliche und konfessionelle Identität, Band 17/2006, 69-83; -
2010
Daniel Heinz, The development of Seventh-day Adventist missionary dynamic in Europe. Assessing the contributions of Michael B. Czechowski, John N. Andrews, and Ludwig R. Conradi, in: Parochialism, pluralism, and contextualization. Frankfurt/M. 2010, S. 51-61.
Letzte Änderung: 09.04.2011