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Verlag Traugott Bautz
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CONSALVI, Ercole, päpstlicher Diplomat, * 8.6. 1757 in Rom, † daselbst 24.1. 1824. - Nach vierjährigem Besuch der Schule der Piaristen in Urbino kam C. nach Frascati in das Kollegium des Kardinals Heinrich von York und setzte dann in der kirchlichen Akademie in Rom seine Studien fort. Er wurde 1783 Geheimer päpstlicher Kammerherr, 1784 päpstlicher Hausprälat, 1786 vortragender Rat bei der Regierung, 1789 Votante della Segnatura, 1792 Auditor an der Rota und 1797 bei der von Frankreich drohenden Kriegsgefahr Assessore delli armi. Am 11.2. 1798 nahmen die Franzosen Rom ein. Nach drei- bis vierwöchiger Haft in der Engelsburg wurde C. aus dem Kirchenstaat ausgewiesen und gelangte über Florenz nach dem österreichischen Venedig. Pius VI. starb am 29.8. 1799 als Gefangener in Valence-sur-Rhône (Südfrankreich). C. wurde zum Sekretär des Konklave gewählt. Pius VII. überließ ihm gleich nach seiner Wahl die laufenden Geschäfte des Staatssekretariats und ernannte ihn am 11.8. 1800, kurz nach seinem Einzug in Rom, zum Staatssekretär und Kardinaldiakonen. Seine erste Aufgabe war der Abschluß eines Konkordats mit der französischen Republik, das nach schwierigen Verhandlungen mit Napoleon am 15.7. 1801 zustande kam und bis 1905 galt. C. legte 1806, bei Napoleon in Ungnade gefallen, sein Amt nieder, wurde aber von Pius VII. weiterhin in wichtigen Angelegenheiten zu Rate gezogen. Die steigende Spannung in dem Verhältnis zwischen dem Papst und Napoleon führte im Februar 1808 zur militärischen Besetzung Roms und im Mai 1809 zur Einverleibung des Kirchenstaates in Frankreich. Als Pius VII. mit der Bannbulle gegen die am Raub der Kirche Beteiligten (ohne Namensnennung) antwortete, ließ ihn Napoleon am 5./6.6. 1809 gefangennehmen und in der Seefeste Savona internieren. Den Kardinälen befahl er, nach Paris zu kommen. Da C. sich weigerte, ohne Erlaubnis des Papstes Rom zu verlassen, wurde er durch französische Soldaten zur Reise nach Paris gezwungen. Die den Kardinälen von Napoleon bewilligte Pension wies C. zurück. Napoleon ließ seine Ehe mit Josephine Beauharnais scheiden, um am 1.4. 1810 sich mit Marie-Louise von Österreich zu vermählen. Trotz Aufforderung blieben C. und 12 andere Kardinäle dem feierlichen Trauungsakt fern. Sie mußten darum den Purpur ablegen ("cardinaux noirs") und verloren ihr Vermögen und Einkommen. Im Juni wurden diese "schwarzen" Kardinäle in verschiedene Gegenden verbannt, C. nach Reims. Als Pius VII. am 25.1. 1813 das ihm von Napoleon persönlich abgerungene Konkordat von Fontainebleau, das ihm seit Mai 1812 als Wohnung angewiesen war, unterzeichnete, durfte C. in die Nähe des Papstes übersiedeln. Er legte Pius VII. den Entwurf eines Widerrufs seiner Zugeständnisse vor, der am 24.3. 1813 Napoleon überreicht wurde. Der Papst kam im Januar 1814 wieder nach Savona. Napoleon gab ihm am 10.3. 1814 die Freiheit und den Kirchenstaat in den Grenzen des Friedens von Tolentino (s. Pius VI.) zurück. Napoleon mußte am 11.4. 1814 abdanken und wurde nach Elba verwiesen. Pius VII. zog am 24.5. 1814 unter dem stürmischen Jubel des Volkes in Rom ein. C. wurde sofort wieder zum Staatssekretär berufen. Auf dem Wiener Kongreß 1814/15 erreichte er als persönlicher Gesandter die Wiederherstellung des Kirchenstaates fast in den Grenzen, die er bis zum Frieden von Tolentino im Jahr 1797 hatte. C. war rege und erfolgreich bemüht um die Reorganisation des Kirchenstaates und die Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse in verschiedenen Ländern durch Abschluß der Konkordate. Nach dem Tod Pius' VII., der am 20.8. 1823 starb, zog er sich von den Geschäften zurück.
Werke: Mémoires du Card. C., hrsg. v. Jacques Crétineau-Joly, 2 Bde., Paris 1864, 18662 (dt. 1870; gekürzte Bearb. v. Albert Sleumer, 1901); Rance-Bourrey, ebd. 1896; v. Mario Nasalli Rocca di Corneliano, Rom 1950. - Correspondance du card. C. avec Metternich 1815-23, hrsg. v. C. van Duerm, Löwen 1900; - Corrispondenza inedita dei Card. C. e Pacca nel tempo del Congresso di Vienna 1814/15, hrsg. v. J. Rinieri, Turin 1903; - Briefe C.s aus den J. 1795-96 u. 1798, hrsg. v. Friedrich Carl Wittichen, in: QFIAB 7, 1904, 139 ff.
Lit.: Ernest Daudet, Diplomates et hommes d'état contemporains: Le Card. C., Paris 1866; - Jacques Augustin Marie Crétineau-Joly, Bonaparte, le Concordat de 1801 et le Card. C., ebd. 1869; - Augustin Theiner, Histoire des deux Concordats de la république française 1801 et 1813, 2 Bde., Bar-le-Duc 1869/70; - Engelbert Lorenz Fischer, Card. C., Lebens- u. Charakterbild des großen Ministers Papst Pius' VII., 1899; - T. Nardella, E. C., Frascati 1901; - J. Rinieri, La diplomazia pontificia nel secolo XIX, 5 Bde., Rom - Turin 1902-06; - Ders., Il Congresso di Vienna e la Santa Sede, ebd. 1904; - Liber saecularis Hist. Soc. Jesu, Rom 1914, 60 ff.; - Erwin Ruck, Die röm. Kurie u. die dt. Kirchenfrage auf dem Wiener Kongreß, Basel 1917; - G. A. Angelucci, Il grande segretario della Santa Sede, Rom 1924; - G. Constant, L'Eglise de France sous le Consulat et l'Empire, 1800-14, Paris 1928, 60 ff.; - G. Cassi, Il Card. C. ed i primi anni della restaurazione pontifica 1815-19, Mailand 1931; - Joseph Schmidlin, Papstgesch. der neuesten Zeit I, 1933; - A. Latreille, Napoléon et le Saint-Siège, 1801-08. L'ambassade du card. Fesch à Rome, Paris 1935; - Margot Lührs, Napoleons Stellung zu Rel. u. Kirche (Diss. Kiel), 1939; - Massimo Petrocchi, La restaurazione. Il Card. C. e la riforma del 1816, Florenz 1941; - Ders., La restaurazione romana (1815-23), ebd. 1943; - John Tracy Ellis, Card. C. and anglopapal relations 1814-24, Washington 1942; - A. Omodeo, Aspetti del cattolicesimo della restaurazione, Turin 1946, 80 ff.; - M. N. Rocca di Corneliano, 1950; - Richard Wichterich, Sein Schicksal war Napoleon. Leben u. Zeit des Kard.staatssekretärs E. C., 1951; - Leopold v. Ranke, Die röm. Päpste in den letzten 4 Jhh. Kard. C. u. seine Staatsverwaltung (Hist. Meisterwerke II), 1956; - Daniel-Rops, Le card. C., in: Revue de Paris 66, 1959, 14 ff.; - B. Bastgen, Pius VII. u. C., in: HJ 79, 1960, 146 ff.; - Hans Breitenstein, Metternich u. C. Das Bündnis v. Thron u. Altar (Diss. Wien), 1959; - Burkhart Schneider, E. Kard. C., Staatssekretär Pius' VII. 1800-1823, in: Die Außenminister der Päpste. Hrsg. v. Wilhelm Sandfuchs, 1962, 26 ff.; - Lajos Pásztor, Le "Memorie sul conclave tenuto in Venezia" di E. C., in: Archivum historiae pontificiae 3, Rom 1965, 239 ff.; - Koch, JL 354 f.; - StL6 512 f.; - RE IV, 269 ff.; - RGG I, 1862 f.; - DHGE XIII, 509 ff.; - EC IV, 394 ff.; - LThK III, 42 f.; - ODCC 331; - NCE IV, 191 - EItal XI, 184.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
2000
Francisco Martí Gilabert, La misión en Chile del futuro Papa Pío IX: 1. Preparativos y escala en Buenos Aires (1821-1824), in: AHI 9.2000, S. 235-258; -
2006
R. Regoli, E.C. Roma 2006.
Letzte Änderung: 26.09.2008