CORNELIUS, Papst, Heiliger, + 253 in Centumcellae (heute: Civitavecchia), beigesetzt in Rom (Lucinagruft der Calixtuskatakombe). - C. wurde 251 nach l4monatiger Sedisvakanz zum Nachfolger des Bischofs und Märtyrers Fabian von Rom gewählt. Der römische Presbyter Novatian behauptete, C. sei ein libellaticus: er habe in der Verfolgung unter Decius sich gegen Geld von den Beamten eine Bescheinigung verschafft, daß er gemäß dem Edikt von 250 geopfert habe; er erklärte, daß C. darum kein Recht habe, das Bischofsamt zu verwalten. Novatian wurde von seinen Anhängern zum Gegenbischof gewählt und ließ sich von drei Landbischöfen weihen. Streitigkeiten über die Wiederaufnahme der lapsi, der Abgefallenen, führten zum endgültigen Bruch. Während das Urchristentum nur die einmalige Buße, die Buße vor der Taufe, kannte, hielt man später die "zweite Buße" für erlaubt, durch die man für schwere Sünden Vergebung erlangen konnte. Ausgenommen waren die drei Todsünden: Mord, Ehebruch oder Hurerei, Abfall. Calixt I. gewährte 217 den Unzuchtsündern Vergebung. C. ging noch weiter und nahm die Abgefallenen in die Kirchengemeinschaft wieder auf. Das rief bei Novatian und der rigoristischen Partei heftigen Widerspruch hervor; sie bestritten überhaupt die Möglichkeit einer "zweiten Buße" für Todsünden und erstrebten die Kirche der Heiligen. Der Bischof Cyprian von Karthago unterstützte C. in seinem Streit mit Novatian. Die von 60 Bischöfen besuchte Synode zu Rom im Oktober 251 wies die von Novatian gegen C. erhobene Beschuldigung, er sei ein libellaticus, als unbegründet zurück. C. exkommunizierte Novatian und seine Anhänger und erklärte, daß das "Arzneimittel der Buße" für alle lapsi gelte. Die Sekte der Novatianer verbreitete sich über das ganze Reich und bestand im Abendland bis zum 5., im Morgenland bis zum 7. Jahrhundert. -C. starb in der Verbannung (wohl nicht als Märtyrer) und wird als Heiliger verehrt. Sein Fest ist der 16. September. Als spezieller Nothelfer ist C. einer der vier heiligen Marschälle, die "wegen ihrer einzig dastehenden Verdienste und täglichen Hilfe" Hofmarschälle Gottes und der Himmelsbürger genannt werden.
Werke: MPL 3, 699 ff.
Lit.: Louis Duchesne, Histoire ancienne de l'Egliee I, Paris 1906, 397 ff.; - Joeeph Wilpert, Die Papstgräber u. die Cäciliengruft in der Katakombe des hl. Kallistus, 1909, 26 f. 32 f.; - P. Franchi de' Cavalieri, La persecuzione di Gallo a Roma, in: StT 33, 1920, 181 ff.; - Paul Styger, Die röm. Märtyrergrüfte, 1935, 185; - Bibliotheca Sanctorum IV, Rom 1964, 182 ff.; - Hugo Brandenburg, Das Grab des Papstes C. u. die Lucinaregion der Calixtus-Katakombe, in: JAC 11-12, 1968/69 (ersch. 1970), 42 ff.; - Jaffé I, 17 ff.; II, 690; - LibPont I, 150 ff.; - Bardenhewer II, 639 f.; - Haller II, 34 ff. 491 ff.; - Seppelt I2, 44. 47 ff.; - Caspar I, 66 ff.; - Künstle II, 169 f.; - Braun, TA 437 f.; - Wimmer3 331; - Torsy 330; - Réau III, 346; - DThC III, 1863 f.; - DHGE XIII, 891 ff.; - EC IV, 566 ff.; - LThK III, 57 f.; - RE IV, 287 ff.; - RGG I, 1870; - NCE IV, 333 f.; - ODCC2 347 f.
Friedrich Wilhelm Bautz
Letzte Änderung: 09.04.2011