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Verlag Traugott Bautz
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DALBERG, Carl Theodor Reichsfreiherr von, kath. Kirchenfürst, * 8.2. 1744 auf Schloß Herrnsheim bei Worms als Sohn des kurfürstlich mainzischen Geheimrats Franz Heinrich von D. (1716-76), des Burggrafen zu Friedberg, Statthalters in Worms und Oberamtmanns zu Oppenheim, † 10.2. 1817 in Regensburg. - D. studierte seit 1759 in Göttingen und Heidelberg die Rechte und wurde nach seiner Promotion zum Dr. jur. und großen ausländischen Bildungsreisen 1768 Domkapitular zu Mainz, Domherr zu Würzburg und Worms und 1772 Wirklicher Geheimer Rat und Statthalter zu Erfurt. Mit dem Weimarer Dichterkreis stand er in lebhaftem Verkehr. Auf Betreiben Preußens wählte man ihn 1787 zum Koadjutor des Friedrich Karl Joseph von Erthal, des Erzbischofs von Mainz und Fürstbischofs von Worms. D. empfing erst im Februar 1788 die Priesterweihe und am 31.8. 1788 in Bamberg als Titularerzbischof von Tarsus die bischöfliche Konsekration. Er wurde am 18.6. 1788 Koadjutor und am 14.1. 1800 Bischof von Konstanz und bestellte Ignaz Heinrich von Wessenberg zu seinem Generalvikar. D. wurde 1802 Nachfolger des Kurfürsten von Erthal im Erzbistum Mainz, aber nur in dem Rest des Kurstaates, dem Fürstentum Aschaffenburg, dem Gebiet Erfurt und dem Eichsfeld, da die linksrheinischen Besitzungen des Erzstifts an Frankreich abgetreten waren. Der Gunst Napoleon Bonapartes hatte D. als Reichserzkanzler es zu danken, daß sein Kurfürstentum nicht völlig der Säkularisation verfiel. Durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 wurde der Mainzer Erzstuhl auf die Domkirche von Regensburg übertragen mit allen bisherigen Würden und D. als Regent des rechtsrheinischen umgestalteten Kurstaates mit den neuen Fürstentümern Aschaffenburg und Regensburg und der Reichsstadt Wetzlar ausgestattet. Der Papst ernannte ihn 1805 als Erzbischof von Regensburg zum apostolischen Administrator für alle rechtsrheinischen, nicht-preußischen Gebietsteile der ehemaligen Kirchenprovinzen von Mainz, Köln und Trier. Napoleon verlieh ihm 1806 den Titel Fürstprimas von Deutschland und den Vorsitz des Rheinbundes. Frankfurt, der Sitz des Rheinbundes, wurde 1807 seine Residenz. Als D. 1810 Regensburg an Bayern abtreten mußte, erhielt er dafür die Fürstentümer Hanau und Fulda mit dem Titel eines Großherzogs von Frankfurt. D. legte am 6.11. 1813 die Großherzogswürde nieder und zog sich nach Konstanz zurück. Seine weltliche Herrschaft fand ihr Ende durch Napoleons Sturz. Seit 1814 lebte D. in Regensburg. Als sein Bevollmächtigter Vertrat sein Koadjutor von Wessenberg auf dem Wiener Kongreß 1814/15 den Gedanken einer national-deutschen Kirche mit einem deutschen Primas an der Spitze.
Werke: Betrachtungen über das Universum, 1777 (18196); Vom Verhältnis zw. Moral u. Staatskunst, 1786; Grundsätze der Ästhetik, deren Anwendung u. künftige Entwicklung, 1791.
Bibliographie: C. Will, in: Vers. des hist. Ver. v. Oberpfalz u. Regensburg 49, 1897, 269 ff.
Lit.: J. Müller, K. T. v. D., der letzte dt. Fürstbisch. (Diss. Würzburg), 1874; - Karl Frhr. v. Beaulieu-Marconnay, K. v. D. u. seine Zeit. Zur Biogr. u. Charakteristik des Fürsten Primas, 2 Bde., 1879; - Georg Liebe, Die Univ. Erfurt u. D., 1898; - Paul Darmstaedter, Das Ghzt. Frankfurt, 1901; - August Friedrich Ludwig, Weihbisch. Zirkel v. Würzburg, 2 Bde., 1904-06, bes. II, 316 ff. 385 ff. 404 ff.; - Theodor Bitterauf, Gesch. des Rheinbundes I, 1905; - Georges Goyau, L'Allemagne religieuse. Le Catholicisme I, 1905 (dt. 1909); - Otto Liermann, Das Lyceum Carolinum. Ein Btr. z. Gesch. des Bildungswesens im Ghzgt. Frankfurt, Progr. Frankfurt 1909; - Wilhelm Scherer, K. v. D.s rel. Entwicklung, in: 3. Ver.schr. der Görresges., 1909, 65 ff.; - Ders., Fürstprimas K. v. D. an seinem 100. Geb.tag, in: Verhh. des hist. Ver. der Oberpfalz 67, 1918, 109 ff.; - Joseph Friedrich Abert, Vorschläge D.s z. Verb. der Armenpolizei im Hochstift Würzburg, in: Arch. des Hist. Ver. f. Unterfranken 54, 1912, 183 ff.; - Hubert Bastgen, D.s u. Napoleons Kirchenpolitik in Dtld., 1917; - Ders., Bayern u. der Hl. Stuhl, 1940; - Ders., Der Entwurf des Regensburger EB D. zu einem Konkordat f. den Rheinbund u. seine Ablehnung durch Rom, in: Jbb. des Ver. für die Erforsch. der Regensburger Diözesangesch. 14, 1940, 1 ff.; - Anton Doeberl, D.s Kirchenpolitik im Licht Vatikan. Archivalien, in: Passauer Theol.-prakt. Mschr. 28, 1917, 119 ff.; - Ders., Die bayer. Konkordatsverhh. in den J. 1806 u. 1807, 1924; - E. Fleig, Fürstbisch. K. T. v. D. u. die Säkularisation des Fürstbist. Konstanz, in: FreibDiözArch NF 29, 1928, 250 ff.; - Alfred Overmann, K. T. v. D., in: Mitteldt. Lb. III, 1928, 175 ff.; - P. R. Scheppier, D.s Privatkorr. u. das Arch. des Kurstaates Mainz, in: Spessart 14, 1928, Nr. 12, S. 10; - Bruno Masch, K. v. D.s Philos. des Universums (Diss. Bonn 1929), 1930; - August Widl, Die soz. Tätigkeit des Fürstprimas K. v. D. im Ftm. Regensburg (Diss. Erlangen), 1931; - Robert Leroux, La théorie du despotisme éclairé chez K. T. D., Paris 1932; - E. Reinhard, K. T. v. D. als Schr.steller, in: HJ 58, 1938, 440 ff.; - R. Freytag, Bist. Regensburg. Festschr. 1200-J.-feier, hrsg. v. Michael Buchberger, 1939, 233 ff.; - Theodor Joseph Scherg, Das Schulwesen unter K. T. v. D. bes. im Ftm. Aschaffenburg 1803-1813 u. im Ghzgt. Frankfurt, 1810-1813, 2 Tle., 1939; - Ders., D.s Hochschulstadt Aschaffenburg. KarlsUniv. (1798-1818) u. Bayer. Lyzeum (1818-1873), 2 Bde., 1951/54; - Arthur Allgeier, Martin Gerbert u. K. T. v. D., in: FreibDiözArch NF 69, 1950, 66 ff.; - Wemer Hertel, K. T. v. D. zw. Reich u. Rheinbund. Grundgedanken seiner Politik v. Regierungsantritt bis z. Gründung des Rheinbundes, 1802-1806 (Diss. Mainz), 1952; - Biogr. Wb. z. dt. Gesch., 1952, 440 ff.; - Willy Andreas, Carl August v. Weimar, 1953; - Ders., D.s Wahl z. Koadjutor v. Mainz (1787) u. die Politik Carl Augusts v. Weimar, in: AKultG 42, 1960, 309 ff.; - F. Köppel, K. v. D.s Wirken f. das Hochstift Würzburg unter Franz Ludwig v. Erthal, in: Zschr. f. bayer. Landesgesch. 17, 1954, 253 ff.; - Ders., D. u. die Säkularisation des Bist. Konstanz, in: ZGORh 102, 1954, 407 ff.; - Heinrich Huber, Der Nachlaß des Fürstprimas K. v. D., in: Aschaffenburger Jb. f. Gesch., Landeskunde u. Kunst des Untermaingebietes 2, 1955, 271 ff.; - Heribert Raab, Aus dem Briefwechsel des Aschaffenburger Weihbisch. J. H. K. v. Kolborn mit dem Konstanzer Gen.vikar I. H. v. Wessenberg, ebd. 98 ff.; - Ders. K. T. v. D. Das Ende der Reichskirche u. das Ringen um den Wiederaufbau des kirchl. Lebens 1803-1815, in: AMrhKG 18, 1966, 27 ff. (Rez. v. Hans Schmidt, in: HJ 91, 1971, 179); - Georg Schwaiger, Die Kirchenpläne des Fürstprimas K. T. v. D., in: MThZ 9, 1958, 186 ff.; - Ders., Fürstprimas C. T. v. D., in: Btrr. z. Gesch. des Bist. Regensburg I, 1967, 11 ff.; - Ders., C. T. v. D., in: MThZ 18, 1967, 219 ff.; - Ulrich Crämer, Carl August v. Weimar u. der Dt. Fürstenbund 1783-1790, 1961; - Karl Otmar v. Aretin, K. T. v. D. zw. Kaiser u. Fürstenbund. Aktenstücke z. Coadjutorwahl in Mainz 1787, in: AMrhKG 16, 1964, 328 ff.; - Rudolf Reinhardt, Fürstprimas K. T. v. D. im Lichte der neueren Forsch., in: ThQ 144, 1964, 257 ff.; - Erwin Probst C. T. v. D. u. das »Ftm. Regensburg«. Zum Todestag des Kurerzkanzlers u. Fürstprimas vor 150 J., in: Schönere Heimat. Erbe u. Gegenw. 56, 1967, 27 ff.; - ADB IV, 703 ff.; - NDB III, 489 f.; - DLL II, 946 f.; - DHGE XIV, 20 ff.; - LThK III, 125 f.; - NCE IV, 617; - RGG II, 20 f.; - DE I, 801.
Friedrich Wilhelm Bautz
Textanmerkungen:
Fehlerberichtigung im Text: Dalberg wurde nicht in Herrnsheim geboren und studierte nicht in Göttingen, sondern 1759-1761 in Heidelberg, 1761-1762 in Mainz und 1763-1764 in Pavia; die Bischofsweihe am 31. August 1788 fand nicht in Bamberg, sondern in Aschaffenburg statt.
Literaturergänzung:
1984
Antje Freyh: Karl Theodor von Dalberg. Ein Beitrag zum Verhältnis von politischer Theorie und Regierungspraxis in der Endphase des Aufgeklärten Absolutismus (Europäische Hochschulschriften, Reihe III: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Bd. 95), Frankfurt am Main / Bern / New York / Nancy 1984; - Klaus Rob: Karl Theodor von Dalberg (1744-1817). Eine politische Biographie für die Jahre 1744-1806 (dgl., Bd. 231), Frankfurt am Main / Bern / New York / Nancy 1984; -
1988
Konrad Maria Färber: Kaiser und Erzkanzler. Carl von Dalberg und Napoleon am Ende des Alten Reiches. Die Biographie des letzten geistlichen Fürsten in Deutschland (Studien und Quellen zur Geschichte Regensburgs, Bd. 5), Regensburg 1988; -
1994
Konrad Maria Färber, Albrecht Klose u. Hermann Reidel (Hrsg.): Carl von Dalberg. Erzbischof und Staatsmann (1744-1817), Regensburg 1994 (darin 236-262: Helga Klose und Albrecht Klose: Dalberg-Bibliographie); - Hans-Bernd Spies (Hrsg.): Carl von Dalberg 1744-1817. Beiträge zu seiner Biographie (Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg, Bd. 40), Aschaffenburg 1994; -
1995
Karl Hausberger (Hrsg.): Carl von Dalberg. Der letzte geistliche Reichsfürst (Schriftenreihe der Universität Regensburg, Bd. 22), Regensburg 1995; -
1996
Nils Hein: Der Staat Karl Theodor von Dalberg's: Theoretischer Führungsanspruch und politische Ohnmacht im Alten Reich und im Rheinbund (1802 bis 1813), Frankfurt am Main 1996; -
1997
Carl von Dalberg: Ausgewählte Schriften, hrsg. v. Hans-Bernd Spies (Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg, Reihe Nachdrucke, Bd. 3), Aschaffenburg 1997; -
1998
Hans-Bernd Spies: Dalberg und Lichtenberg, in: Mitteilungen aus dem Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg 5 (1996-1998), 185-191; - ders.: Dalberg und die Hanse, in: Hansische Geschichtsblätter 116 (1998), 155-162; - ders.: Eine Stiftung Dalbergs für "das wohlthätige Frankenland" (1803), in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 60 (1998), 425-431; - ders.: Die Dalberg-Rezension Johann Heinrich Mercks, in: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde N. F. 56 (1998), 321-336; - ders.: Dalberg und die italienische Sprache, in: Mitteilungen aus dem Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg 6 (1999-2001), 4-11; - Günter Christ, Theorie u. Praxis in d. Bildungspolitik K.T.v.D.s, in: AmrhKG 50.1998, S. 317-335; -
1999
Hans-Bernd Spies: Goethe und Dalberg in Mercks "Matinée eines Recensenten", in: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde N. F. 57 (1999), 237-252; -
2000
Hans-Bernd Spies: Carl von Dalberg, Abraham Gotthelf Kästner und die Göttinger Akademie, in: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde Erfurts 61, N. F. 8 (2000), 75-83; - ders., Dalbergs Reise von Aschaffenburg nach Konstanz und in die Schweiz 1813, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 148 (2000), 277-291; -
2001
Hans-Bernd Spies: Dalbergs zweimalige Titulaturänderung im Frühjahr 1805, in: Mitteilungen aus dem Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg 6 (1999-2001), 235-240; - ders.: Der Lauf der Nachrichten über Dalbergs Reise von Aschaffenburg nach Konstanz in der deutschen Presse zwischen Main und Bodensee im Oktober 1813, in: ebd., 241-245; - ders.: Eine bisher unbeachtete Quelle zur Geschichte von Johann Peter Melchiors Dalberg-Porträtmedaillon, in: Mainzer Zeitschrift. Mittelrheinisches Jahrbuch für Archäologie, Kunst und Geschichte 94/95 (1999-2000), 213-216; -
2004
Hans-Bernd Spies: Eine reichspolitische Aussage des Landesherrn anläßlich einer Konzertgenehmigung (1802), in: Mitteilungen aus dem Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg 7 (2002-2004), 74-78; - ders.: Die Aufstellung von Dalbergs Herz in der Stiftskirche Aschaffenburg (1877), in: ebd., 79-85; - ders.: Ein unveröffentlichter Brief von Fürstprimas Carl an Jean Paul, in: ebd., 206-212; - ders.: Der Zustand der Verwaltung im Amt Johannesberg 1770. Eine von Dalberg mehr als drei Jahrzehnte vor seinem Regierungsantritt durchgeführte Untersuchung in einem Teil seines späteren Herrschaftsbereiches, in: Johannesberger Heimat- und Geschichtsblatt 18 (2004), 23-37; -
2006
Martin A. Völker, Raumphantasien, narrative Ganzheit u. Identität. E. Rekonstruktion d. Ästhetischen aus d. Werk u. Wirken der Freiherren von D. [Laatzen] 2006.
Letzte Änderung: 16.11.2008