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Band XXV (2005) Spalten 196-199 Autor: Johannes Kreuzenbeck

DEGENHARDT, Johannes Joachim, Erzbischof von Paderborn, Kardinal * 31. Januar 1926 in Schwelm/Westfalen, † 25. Juli 2002 in Paderborn. - Johannes Joachim Degenhardt wurde am 31. Januar 1926 in Schwelm/Westfalen als Sohn der Eheleute Degenhardt geboren. Er wuchs in Hagen (Westfalen) auf und besuchte dort das Albrecht-Dürer-Gymnasium. Schon als Gymnasiast setzte er sich für die katholische Kirche ein. So verteilte er während der Naziherrschaft u.a. einen Hirtenbrief des münsteraner Bischofs Clemens August Kardinal Graf von Galen und wurde aus diesem Grunde nicht nur von der Schule gewiesen, sondern mußte auch eine dreiwöchige Haftstrafe verbüßen. Seine Gymnasialstudien konnte er erst nach dem 2. Weltkrieg, in dessen Verlauf Degenhardt eingezogen wurde und in Gefangenschaft geriet, fortsetzten. Im Oktober 1946 legte er die Reifeprüfungen ab. Anschließend studierte Johannes Joachim Degenhardt Philosophie und Theologie in Paderborn und München. Am 6. August 1952 spendete ihm der paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger im hohen Dom zu Paderborn die heilige Priesterweihe. Danach war er fünf Jahre lang Vikar in Brackwede (Westfalen). Ab 1957 war Degenhardt Pfarradministrator der dortigen Gemeinde und ab 1958 Pfarrverweser derselben Gemeinde. Am 1. Oktober berief ihn Erzbischof Jaeger zum Präfekten an das Erzbischöfliche Collegium Leoninum in Paderborn. Während dieser Tätigkeit bereitete sich Johannes Joachim Degenhardt auf seine Promotion vor. - Im Februar 1964 wurde er mit der Verwaltung der Stelle eines Wissenschaftlichen Assistenten an der Ruhr-Universität in Bochum beauftragt und wenig später wurde er an dieser Universität selbst Wissenschaftlicher Assistent. Am 1. Oktober 1965 berief ihn Erzbischof Lorenz Jaeger zum Studentenpfarrer an die Pädagogische Hochschule Westfalen-Lippe, Abteilung Paderborn. Ebenfalls im Februar 1965 wurde Degenhardt Diözesanbeauftragter für das Katholische Bibelwerk. Als der große westliche Teil der Erzdiözese Paderborn in sieben Seelsorgsbezirke unterteilt wurde, wurde Degenhardt zum Bezirksdekan für den Seelsorgsbezirk "Hochstift Paderborn" gewählt. Degenhardt war aber zu noch höheren Aufgaben bestimmt. Am 18. März 1968 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Bischof des Titularbistums Vico di Pacato und Weihbischof in Paderborn. Am 1. Mai 1968 spendete ihm Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger die heilige Bischofsweihe. Als Kokonsekretoren assistierten dem Kardinal der Bischof von Essen, Franz Hengsbach (†) und der Paderborner Weihbischof Paul Nordhues (†). Kurze Zeit später ernannte ihn der Erzbischof zum Geistlichen Rat. Im April 1968 wurde Johannes Joachim Degenhardt Mitglied des Metropolitankapitels am Paderborner Dom. - Am 1. Oktober 1968 wurde er Leiter des Seelsorgeamtes am Paderborner Generalvikariat, nachdem er zuvor zum Bischöflichen Vikar für die Seelsorge ernannt wurde. Als Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger am 30. Juni 1973 auf das Erzbistum resignierte, wurde Degenhardt zum Kapitularvikar gewählt und am 15. März 1974 zum Erzbischof von Paderborn. Die Bestätigung der Wahl durch Papst Paul VI erfolgte am 5. April 1974. Am 28. April 1974 fand die Inthronisation statt. Am 28. Januar 2001 wurde der Paderborner Erzbischof von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal kreiert. Als Johannes Joachim Degenhardt zu seinem 75. Geburtstag in Rom sein Rücktrittsgesuch einreichte, gab Papst Johannes Paul II. diesem nicht statt, sondern bat den gesundheitlich bereits angeschlagenen Degenhardt im Amt zu bleiben. - Im Laufe seiner Amtszeit spendete Erzbischof Degenhardt sechs Priestern seines Bistums, die vom Papst zu Weihbischöfen für das Erzbistum Paderborn ernannt worden waren, die Bischofsweihe. Nur einer von ihnen, Paul Consbruch, blieb dem Erzbistum Paderborn als Weihbischof erhalten. Vier wurden nach einigen Jahren weihbischöflicher Tätigkeit in Paderborn Bischöfe anderer Diözesen: Paul-Werner Scheele von Würzburg, Franz-Joseph Bode von Osnabrück, Heinz-Joseph Algermissen von Fulda und Reinhard Marx von Trier. Paul Cordes wurde in die Kurie nach Rom berufen und ist inzwischen Erzbischof. Die Ernennung von Karl-Heinz Wiesemann zum Weihbischof in Paderborn und Nachfolger von Weihbischof Reinhard Marx, erlebte Erzbischof Degenhardt noch, die Weihe aber spendete an seiner Statt Bischof Wanke von Erfurt, denn Degenhardt war am 25. Juli 2002 für viele völlig überraschend verstorben. Erzbischof Degenhardt zählt neben Erzbischof Johannes Dyba (Fulda) und Bischof Klaus Hemmerle zu den wenigen Bischöfen in Deutschland, die nach der "Ruhestandregelung für Bischöfe" noch im Amt waren, als sie starben. - Am 11. Juli 2002, also wenige Tage vor seinem Tod, feierte Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt ein Pontifikalamt in der Benediktinerinnenabtei Varensell zum Abschlusses des 100jährigen Jubiläums der Abtei. - Degenhardt war ein Bischof, der eher in der Stille wirkte, dabei aber keinen Zweifel an seiner Romtreue aufkommen ließ. Bisweilen traf er aber auch Entscheidungen, die ihm viel ungerechtfertigte Kritik einbrachte, so, als er Eugen Drewermann die Lehrerlaubnis entzog; zum anderen, als er die Ausstellung des Beratungsscheins in Sachen Schwangerschaftsabbruch durch die Beratungsstellen des Erzbistums Paderborn untersagte. Solche Entscheidungen schmälerten aber sein hohes Ansehen bei denen nicht, die ihn wegen seines unermüdlichen Einsatzes in pastoralen und sozialen Bereichen schätzten. Dies wird erkennbar in den vielen Ehrungen und auch in den zahlreichen Nachrufen bei seinem Tod. - Degenhardt war u.a. Ehrenbürger der Stadt Paderborn, Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und des französischen Ordens "Chevalier dans l'Ordre national du merite". Am 19. März 2002 überreichte der Polnische Botschafter Jerzy Kranz dem Paderborner Erzbischof das polnische Kommandeurkreuz des Verdienstordens. Damit wurde Degenhardt für die jahrzehntelangen Verdienste um die deutsch-polnische Aussöhnung geehrt.

Werke: Die Kirche in der Fremde, in: ThGl 87, 173-176; Friede - Gerechtigkeit - Bewahrung der Schöpfung, Paderborn 1990 [Worte zur Zeit; H. 23]; Die katholische Kirche in Deutschland und der Nationalsozialismus. 78 (1988) 183-200; Der Unternehmer in katholischer Sicht, in: Lothar Roos/Christian Watrin (Hrsg.), Das Ethos des Unternehmers; Seelsorge an wiederverheirateten Geschiedenen: Möglichkeiten und Grenzen / Johannes Joachim Degenhardt. - Paderborn, 1994, 52 S.; (dt.) (Worte zur Zeit / hrsg. vom Erzbischöflichen Generalvikariat, Presse- u. Informationsstelle.

Lit.: Ernst, Josef (Hrsg.): Surrexit Dominus vere. Die Gegenwart des Auferstandenen in seiner Kirche. Festschrift für Erzbischof Dr. Johannes Joachim Degenhardt, Paderborn (Bonifatius) 1995. Erzbischöfliches Generalvikariat Paderborn (Hrsg.): Dokumentation zum 75. Geburtstag von Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt, Paderborn 2001; - Erzbischöfliches Generalvikariat Paderborn (Hrsg.): Mit Jesus sein - von ihm gesandt. Dokumentation zum Priestertag am 3. Mai 1993 anläßlich des silbernen Bischofsjubiläums von Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt, Paderborn 1993; - Journal für Schwelm: Der Kardinal. Dr. Johannes Joachim Degenhardt (77-2001); - Kell, Peter: Bischöflicher Dienst in dieser Zeit. Johannes Joachim Degenhardt - 25 Jahre Bischof, Paderborn 1993; - Thiemann, Andreas: Der Kardinal, der in Altenhagen aufwuchs, in: Heimatbuch Hagen und Mark. 43. 2002 (2001); - de Vry, Volker: Johannes Joachim Degenhardt. Einblicke in 25 Jahre bischöflichen Wirkens, Paderborn 1993, in: Erinnerung an Dr. Johannes Joachim Kardinal Degenhardt, Erzbischof von Paderborn 1974 bis 2002 / Degenhardt, Johannes Joachim. - Dortmund: Kommende, Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn, 2002, 45-128 (dt.) (Gesellschaft im Test 42. 2002, H. 2); - Johannes Kreuzenbeck (Hrsg.): Die Apostolische Succession: Johannes Joachim Degenhardt in: Die Apostolische Succession der Bischöfe im Deutschen Sprachraum, Bd. VII, Paderborn, Ahlen 2004.

Johannes Kreuzenbeck

Letzte Änderung: 11.01.2006