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Band I (1990)Spalten 1290-1292 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

DIEPENBROCK, Melchior von, kath. Theologe, * 6.1. 1798 in Bocholt (Westfalen), † 20.1. 1853 auf dem fürstbischöflichen Schloß Johannesberg in Österreichisch-Schlesien. - D. erlebte wegen seines unbändigen, unfügsamen Wesens eine sehr bewegte Jugendzeit. Er wurde 1810 in Bonn wegen Ungehorsams aus dem militärischen Lyzeum entlassen. D. machte 1815 den Feldzug nach Frankreich mit und mußte später als Leutnant eines Linienregiments seinen Abschied nehmen. Er erlebte 1817 im Elternhaus seine Lebenswende, bewirkt durch ein seelsorgerliches Gespräch des Landshuter Professors Johann Michael Sailer, der seine Freunde im Münsterland besuchte und durch Clemens Brentano in die Familie v. D. eingeführt worden war. D. studierte zunächst Kameralia in Landshut, wo ihm durch Sauer mancherlei Anregung zuteil wurde, und seit 1819 Theologie in Mainz, Münster und Regensburg, wo Sailer seit 1821 Domherr war. Am 27.12. 1823 empfing er die Priesterweihe. D. lebte nun als Sailers Sekretär mit ihm in innigstem Freundesverkehr und widmete sich zugleich dem Studium der kirchlichen Mystik des Mittelalters. Er wurde 1830 in Regensburg Domherr, 1835 Domdechant und 1842 Generalvikar. Da sich das Verhältnis zu seinem Bischof trübte, zog sich D. zurück und gab sich ganz seinen Lieblingsarbeiten und Studien hin. Nach langem Widerstreben nahm er seine am 15.1. 1845 erfolgte Wahl zum Fürstbischof von Breslau an und wurde am 8.6. 1846 in Salzburg geweiht und am 27.7. in sein Amt eingeführt. D. kämpfte gegen die deutsch-katholische Bewegung des Johannes Ronge. In dem Hirtenbrief vom 28.3. 1848 wandte er sich energisch gegen die revolutionären Unruhen und trat am 18.11. 1848 entschieden auf gegen den Steuerverweigerungsbeschluß der Berliner Nationalversammlung. D. war vorübergehend Mitglied des Frankfurter Parlaments und verfolgte zielbewußt den Grundsatz der völligen Freiheit der Kirche gegenüber dem Staat, mit dem er am 29. 4. 1850 eine Konvention abschloß, durch die ihm der Staat einen mächtigen Einfluß auf die Universitäten und Gymnasien einräumte. Pius IX. ernannte ihn 1849 zum apostolischen Vikar für die preußische Armee und 1850 zum Kardinal. D. war den Protestanten gegenüber früher toleranter als später.

Werke: Heinrich Susos Leben u. Schrr., 1829 (18844); Geistl. Blumenstrauß aus span. u. dt. (später: aus christl.) Dichtergärten, 1829 (18624); Ges. Predigten, 1841 (18493); Hirtenbriefe, 1853.

Lit.: Carl Nicolaus Gustav Rintel, Zum Gedächtnis des Wirkens M. v. D.s, 1853; - Julius Chownitz, Leben u. Wirken des Card. u. Fürstbisch. M. v. D., des unvergeßl. Vorkämpfers f. kirchl. Wahrheit u. Freiheit, 1853; - Heinrich Foerster, M. v. D. Ein Lb., 1859 (18783); - Joseph Hubert Reinkens, M. v. D. Ein Zeit- u. Lb., 1881; - Adolf Röttscher, M. v. D., 1886; - Heinrich Finke, Zur Erinnerung an Kard. M. v. D., 1898; - Jos. Jungnitz, Beziehungen des Kard. M. v. D. zu Kg. Friedrich Wilhelm IV., 1903; - August Weidemann, Die rel. Lyrik des dt. Kath. in der 1. Hälfte des 19. Jh.s, 1911; - Wilhelm Kosch, M. v. D., 1913; - Valmar Cramer, Bücherkunde z. Gesch. der kath. Bewegung in Dtld. im 19. Jh., 1914, 123 f.; - Johannes Horsthemke, M. v. D. als Übersetzer span. Dichtungen (Diss. Münster 1916), 1915; - Adolf Donders, Zur Predigtweise des Kard. D., in: Kirche u. Kanzel 1, 1918, 235 ff.; - Kettner, M. v. D., in: Zschr. des dt. Ver. f. die Gesch. Mährens u. Schlesiens 22, 1918, 140 ff.; - Karl Kastner, Fürstbisch. D. Ein Prophet in Wort u. Werk auf dem Breslauer Bisch.stuhl, in: Aus Oberschlesiens Vergangenheit. Btrr. z schles. Gesch., 1921, 54 ff.; - Franz Xaver Seppelt, M. v. D., in: Schles. Lb. I, 1922, 32 ff.; - Fritz Vigener, Drei Gestalten aus dem modernen Kath. (Möhler, D., Döllinger), 1926, 76 ff; - Herman van Ham, M. v. D. Die dichter., polit. u. rel. Persönlichkeit, in: Das hl. Feuer, 1928; - Ders., Aus Briefen des Kard. v. D., in: Pastor bonus 34, 1922, 179 ff. 261 ff. 523 ff., - Laurentlus Hanser, M. v. D. gg. die Klosterpfarreien, in: StMBO NF 15, 1928, 202 ff.; - Anton Doeberl, SalIer u. D., in: Kath. u. dt. Charakterköpfe, hrsg. v. Max Buchner, 1930; - Josef Hermann Beckmann, M. v. D., in: Westfäl. Lb. 1, 1930, 432 ff.; - Ders., Btrr. zu M. v. D.s Kirchen-politik, in: HJ 55, 1935, 392 ff.; - Kard. M. v. D. u. die Hzgn. Dorothea v. Sagan, ein Briefwechsel, hrsg. v. Hermann Hoffmann, 1931; - Ungedr. Briefe v. u. an Kard. M. v. D., hrsg. v. Alfons Nowack, 1931; - M. v. D., Briefwechsel mit Gfn. Ida Hahn-Hahn vor u. nach ihrer Konversion, hrsg. v. dems., 1931; - Ders., Gedenkbll. an Kard. D., 1934; - Alfons Erb, M. v. D., in: Ders., Gelebtes Christentum. Charakterbilder aus dem dt. Kath. des 19. Jh.s, 1938, 35 ff.; - Biogr. Wb. z. dt. Gesch., 1952, 140 f.; - Wilhelm Strobl, Kard. M. Frhr. v. D., Fürstbisch. v. Breslau, u. der fürstl. Thurn u. Taxissche Rat u. Prinzenerzieher Joseph Strobl. Eine Freundschaft in Briefen, 1953; - Gregoria Bäseler, Mutter u. Sohn. Zum 100. Todestag des Fürstbisch. u. Kard. M. v. D., Leipzig 1953; - M. Kard. v. D. Gedenkschr. anläßl. der 100. Wiederkehr seines Todestages, hrsg. v. seiner Vaterstadt Bocholt, bearb. v. Elisabeth Bröker, 1953; - Alfons Perlick, Das Wirken des Kard. v. D. als Fürstbisch. v. Breslau, in: Christ unterwegs 7, 1953, Nr. 1, S. 3 ff.; - Ders., Weiteres z. D.-Forsch., in: ASKG 11, 1953, 210 ff.; - Karl Fruhstorfer, Ein großer Bisch. Zum 100. Todestag Kard. M. v. D.s, in: Klerusbl. 86, Salzburg 1953, 11 ff.; - Clemens Heselhaus, Taras v. Borodaikewycz, Bisch. u. Domdechant. F. X. Schwäbl u. M. v. D., in: Festschr. f. Karl Gottfried Hugelmann z. 80. Geb.tag. Hrsg. v. Wilhelm Wegener, 1959, 107 ff.; - H. Pörnbacher, M. v. D. als Domdechant zu Regensburg u. Joseph Frhr. v. Eichendorff, in: Der Zwiebelturm. Mschr. f. das bayer. Volk u. seine Freunde 17, 1962; - Heinrich Tritz, Fürstbisch. D.s heitere Chron.berr. f. Kanonikus Zech in Regensburg, in: ASKG 24, 1966, 232 ff.; - ADB V, 130; - NDB III, 651 f.; - DLL III, 185 - RE IV, 644 ff.; - RGG II, 192; - DE I, 860; - DHGE XIV, 1509 ff.; - EC IV, 1575; - LThK III, 379; - NCE IV, 863.

Friedrich Wilhelm Bautz

Textanmerkungen:

Der persönliche Adelstitel wurde ihm anläßlich seiner Breslauer Bischofswahl 1845 vom bayerischen König verliehen.

Werkeergänzung:

1998

Briefe d. Fürstbischofs M.v.D. an Fürst Felix Lichnowsky, in: ASKG 56.1998, S. 149-172.

Literaturergänzung:

1981

Brigitte Laaf, Der soziale Einsatz d. kath. Kirche zur Zeit d. Breslauer Fürstbischofs Kardinal M.v.D. (1845-1853), in: ASKG 39.1981, S. 137-155; -

1998

Paul Mai, M. Kardinal v.D. Zur 200. Wiederkehr seines Geb., in: ASKG 56.1998, S. 123-148; -

2001

Antoni Kielbasa, Die Restauration der Orden unter Bischof M.v.D. (1845-1853), in: ASKG 59.2001, S. 247-270.

Letzte Änderung: 19.12.2008