DIETHERR Graf von Isenburg, Erzbischof und Kurfürst von Mainz, 1412 als Sohn des Grafen Dietherr von Isenburg-Büdingen, * 6.5. 1482 in Aschaffenburg, beigesetzt im Dom zu Mainz. - D. wurde schon in jungen Jahren Domherr zu Mainz, Trier und Köln. Er studierte in Köln und Erfurt und wurde 1453 Domkustos in Mainz. Nachdem er sich verpflichtet hatte, dem Bund Dietrichs von Erbach mit dem Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg gegen den Kurfürsten Friedrich von der Pfalz beizutreten, wurde D. am 18.6. 1459 mit knapper Mehrheit gegen Adolf von Nassau zum Erzbischof von Mainz gewählt, aber von Pius II. nicht bestätigt. Seine Niederlage bei Pfeddersheim am 4.7. 1460 nötigte D. zum Frieden und Bündnis mit Friedrich von der Pfalz. Er wurde die Seele der Fürstenopposition gegen den Papst und den mit ihm verbündeten Kaiser Friedrich III. D. berief 1461 einen Fürstentag nach Nürnberg, auf dem eine Reichs- und Kirchenreform verlangt wurde, und richtete wegen der päpstlichen Annatenforderungen eine scharfe Appellation an ein allgemeines Konzil. Er wurde am 21.8. 1461 von Pius II. gebannt und abgesetzt und Adolf von Nassau zum Erzbischof von Mainz ernannt. In schweren Kämpfen gegen D. eroberte Adolf am 28.10. 1462 Mainz. D. mußte im Zeilsheimer Vertrag vom 5.10. 1463 Adolf anerkennen: er verzichtete auf das Stift gegen Abtretung einiger Städte als Fürstentum. Nach Adolfs Tod wurde D. am 9.11. 1475 zum zweitenmal zum Erzbischof gewählt und von Sixtus IV. bestätigt. Er stiftete 1477 die Universität Mainz. D. bemühte sich um die Durchführung strenger Kirchenzucht und ist auch bekannt durch den Ketzerprozeß gegen Johann von Wesel.
Lit.: Franz Werner, Der Dom v. Mainz u. seine Denkmäler II, 1830, 220 ff.; - Carl Menzel, D. v. I. EB v. M. 1459-1463. Ein Btr. z. Gesch, der staatl. u. kirchl. Reformbestrebungen des 15. Jh.s, 1868; - Julius Jaeger, Btrr. z. Gesch. des Erzstiftes Mainz unter D. v. I. u. Adolf II. v. Nassau, 1894; - Rudolf Glaser, D. v. I.-Büdingen u. die kirchl. u. polit. Reformbestrebungen im 15. Jh., 1898; - Franz Gundlach, Hessen u. die Mainzer Stiftsfehde 1461-63 (Diss. Marburg), 1898; - Gustav Bauch, Aus der Gesch. des Mainzer Humanismus, in: Btrr. z. Gesch. der Univ. Mainz u. Gießen, hrsg. v. Julius Reinhard Dieterich u. Karl Bader, 1907, 1-86; - P. Heigl, Btr. z. Gesch. D.s v. I. (1461), in: Festschr. des akad. Ver. dt. Historiker in Wien, Wien 1914, 95 ff.; - Andreas Ludwig Veit, Aus der Gesch. der Univ. Mainz 1477-1731, in: HJ 40, 1920, 106 ff. 115 f.; - Eduard Ziehen, Mittelrhein u. Reich im Zeitalter der Reichsreform 1356-1604, I, 1934, 29 ff.; - Wilhelm Diepenbach u. Karl Stenz, Die Mainzer Kf., 1935; - Aloys Schmidt, Zur Mainzer Stiftsfehde 1642, in: Jb. des Bist. Mainz 3, 1948, 89 ff.; - Albert Kirnberger D. v. I. der Gründer der Mainzer Univ., 1950; - Adalbert Erler, Ma. Rechtsgutachten z. Mainzer Stiftsfehde 1459-63, 1964; - ADB V, 164 ff.; - NDB III, 668; - RGG II, 194; - CathEnc IV, 789; - DHGE XIV, 448 ff.; - LThK III, 382.