Verlag Traugott Bautz |
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DILHERR, Johann Michael, luth. Theologe und Kirchenliederdichter, * 14.10. 1604 in Themar bei Hildburghausen als Sohn eines sächsisch-meiningischen Regierungsadvokaten und Rats der fränkischen Ritterschaft von Rhön und Werra, † 8.4. 1669 in Nürnberg. - D. besuchte das Gymnasium in Schleusingen und studierte in Leipzig, Wittenberg und Altdorf bei Nürnberg. Als Hofmeister einiger Nürnberger Patriziersöhne setzte er 1629 sein Studium in Jena fort als Schüler Johann Gerhards und wurde dort 1631 Professor der Beredsamkeit, 1634 der Geschichte und Dichtkunst und 1640 auch der Theologie. 1642 kam D. nach Nürnberg als Direktor des Ägidiengymnasiums und wurde 1646 Pfarrer an St. Sebald und Antistes der Nürnberger Kirche. Er trat entschieden ein für christliche Zucht und kirchliche Ordnung und erwirkte 1649 vom Rat ein Mandat gegen die Sonntagsentheiligung. D. führte die Kirchenvisitationen wieder ein und gründete ein Kandidatenseminar. Er schrieb eine Anzahl erbaulicher Werke und erwarb sich durch Herausgabe mehrerer Gesangbücher, eigener Lieder und Melodien ein besonderes Verdienst um den Kirchengesang. - Sigmund Theophil Stade, Organist an St. Lorenz in Nürnberg, gab 1644 seine "Seelenmusik geist- und trostreicher Lieder" heraus. Von den 20 Liedern dieser Sammlung stammen 19 von D. Von D.s Liedern im Nürnberger Gesangbuch von 1677 sind u. a. bekannt: "Ermuntre dich, Herz Mut und Sinn, es ist die stille Nacht dahin, der Tag bricht nunmehr an", "Nun lasset Gottes Güte uns führen zu Gemüte. Kommt, lasset uns erwägen des frommen Vaters Segen" und "O Mensch, der Herre Jesus weint und dich mit seinen Tränen meint." Genannt sei auch das Trostlied "0 du betrübte Seele mein, stell doch einmal das Trauern ein."
Lit.: Henning Witten, Memoriae Theologorum, Frankfurt 1684, 1621 ff.; - A. Saubert, D.ische Leichenpredigt mit Lebenslauf, Nürnberg 1669; - Georg Andreas Will - Christian Konrad Nopitsch, Nürnberg. Gelehrtenlex. I, 1755, 264 ff.; V, 1802, 220 ff. (Bibliogr.); - August Tholuck, Das akad. Leben des 17. Jh.s II, 1853/54, 20 f. 23 ff. 61. 63; - Adolf Schwarzenberg, Das Leben u. Wirken J. M. D.s, Progr. Dresden 1892; - Hans Leube, Die Reformideen in der dt. luth. Kirche z. Z. der Orthodoxie, 1934; - Gerhard Schröttel, J. M. D. u. die vorpietist. Kirchenreform in Nürnberg (Diss. Erlangen-Nürnberg 1960), 1962; - Theodor Aign, Das große D.-Buch, 1963; - Paul Schattenmann, J. M. D., in: ZBKG 33, 1964, 204 ff.; - Koch III, 508 ff.; - MGG III, 475 ff.; - Riemann I, 402; Erg.-Bd. I, hrsg. v. Carl Dahlhaus, 1972, 282; - Goedeke III, 179; - DLL III, 264 ff.; - ADB V, 225; - NDB III, 717 f.; - RGG II, 196.
Literaturergänzung:
1975
Willard James Wietfeldt, The Emblem Literature of Johann Michael Dilherr (1604-1669), an importan preacher, educator and poet in Nürnberg (Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Nürnberg, Bd. 15) Nürnberg 1975; -
1978
Dietmar Peil, Zur 'angewandten Emblematik' in protestantischen Erbauungsbüchern. Dilherr - Arndt - Francisi - Scriver, Beiheft zu Euphorion 11, Heidelberg 1978, 46-62; -
2003
Reinhard Lieske, Die Emporebilder in Freudental und ihre Botschaft. Ein Beispiel frühpietistischer Kirchenausmalung? in: Blätter für württembergische Kirchengeschichte, 103 Jahrgang 2003, 49-125; -
2004
Rainer Oechslen, Kirchenleitung u. Narzissmus. Ein Beisp. aus d. 17. Jhr., in: Beim Wort nehmen. Stuttgart 2004, S. 341-353.
Letzte Änderung: 09.04.2011