Verlag Traugott Bautz |
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DIONYSIUS von Paris, Märtyrer, Heiliger, † um 285. - Bischof Gregor von Tours († 594) berichtet in seiner "Historia Francorum", D. sei in Italien geboren, um die Mitte des 3. Jahrhunderts mit 6 anderen Bischöfen von Rom nach Gallien gekommen und als der erste Bischof von Paris mit dem Schwert hingerichtet worden. Die Sage erzählt, D. habe nach der Enthauptung seinen Kopf selber an die Stelle getragen, an der er von einer frommen Frau, Catulla, begraben worden sei. Die Hinrichtungsstätte nannte man später mons martyrum (Montmartre). An seiner Grabstätte erbaute man im 5. Jahrhundert eine Kirche. Dagobert I. gründete dort 623 oder 624 die Benediktinerabtei St. Denis und wurde 638 in der Kirche begraben, in der 25 Könige, 10 Königinnen und 84 Prinzen und Prinzessinnen beigesetzt wurden. - D. ist der Nationalheilige der Franzosen und einer der 14 Nothelfer und sein Gedenktag der 9. Oktober. Hilduin, seit 815 Abt von St. Denis, identifizierte in seiner Lebensbeschreibung des D. diesen mit Dionysius Areopagita, dessen Werke Ludwig der Fromme 827 durch eine byzantinische Gesandtschaft als Geschenk des Kaisers Michael Balbus (820-829) erhalten hatte. In diesem Irrtum blieb das ganze Mittelalter befangen, obwohl Peter Abaelard (1079-1122), Jacques Sirmond (1559-1651), Jean de Launoi (1603-78) u. a. widersprachen.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1994
Berta Ritscher, Die ehem. Wallfahrt zu d. Vierzehn Nothelfern in Söllitz. Entstehung u. Entwicklung, in: BGBR 28.1994, S. 296-310; -
2007
Jean-Marie Le Gall, Le mythe de Saint Denis entre Renaissance et Révolution. Seyssel 2007; -
2008
Bodo Heil, Nothelfer. Graz 2008; - Heinrich Fürst, Die vierzehn Nothelfer. Unsere Freunde. Ihre Verehrung von d. Anfängen bis zum Dreißigjährigen Krieg. Petersberg 2008; - Luc Campana, Die 14 Heiligen Nothelfer. Herkunft und Verehrung. Konkurrenz zur Medizin . Leben und Legenden. Reichweite und Bildnisse. Schwerpunkt Schweiz. 2., überarb. u. erw. Aufl. Lauerz 2008.
Letzte Änderung: 09.04.2011