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Band XXIV (2005) Spalten 516-518 Autor: Kurt Erlemann

DODD, Charles Harold, Theologe, * 7.4. 1884 in Wrexham (England), † 21. 9. 1973 in Oxford (England). - Dodd studierte von 1902-1906 in Oxford Klassische Philologie (BA) und Archäologie. Nach kurzem Aufenthalt in Berlin 1906/1907, wo er u.a. Adolf v.Harnack hörte, studierte er von 1908-1911 als Schüler von A.M.Fairbairn, A.Souter und anderen Theologie in Oxford. 1912 wurde Dodd als Pfarrer der kongregationalistischen Kirche in Warwick ordiniert, ab 1915 war er Yates Lecturer für das Fach Neues Testament in Oxford. 1930 wurde er Rylands Professor für Biblical Criticism and Exegesis an der Universität Manchester, 1935 Professor of Divinity in Cambridge. Dodd, vielfach geehrt, blieb auch nach seiner Emeritierung 1949 als Theologe und Exeget tätig, unter anderem leitete er den ntl. Teil des Projekts "The New English Bible" von 1950 bis zum Abschluß 1961. - Dodd steht für eine streng philologisch, aber auch historisch und religionsgeschichtlich ausgerichtete Exegese des Neuen Testaments. Unter anderem war er ein ausgezeichneter Kenner der Septuaginta und der Hermetischen Schriften, die er in die exegetische Diskussion mit einbrachte. Vom methodischen Grundansatz her verfolgte Dodd eine synthetische Arbeitsweise, die philologische Detailarbeit war nie abgelöst von der Frage nach der Bedeutung des Textganzen. Dem entspricht die Grundfrage Dodds nach der kerygmatischen Einheit des Neuen Testaments, seine Skepsis gegenüber literarkritischen Hypothesen und sein Vertrauen in die Authentizität der ntl. Überlieferungen. Hinzu kommt das starke hermeneutische Interesse Dodds, das ihn stets über die historisch-kritische Arbeit hinaus nach der Gegenwartsbedeutung der ntl. theologischen Ansätze und Texte fragen ließ (deutlich schon in "The Meaning of Paul for Today", 1920; weiter in "The Authority of the Bible" 1928 oder in "The Founder of Christianity", 1970). - Dodds Werk fand in der deutschsprachigen Forschung wenig Widerhall, nur wenige Werke wurden ins Deutsche übersetzt (Ausnahmen: The Founder of Christianity, Gospel and Law of Christ). Gleichwohl stand Dodd ständig in Kontakt mit der deutschen ntl. Wissenschaft. Das zeigt sich einmal in der kritischen Aufnahme der älteren Formgeschichte (Dibelius), weiter in der Auseinandersetzung mit Bultmann (Auslegung des JohEv) und schließlich in der Rezeption von A. Schweitzer, A. Jülicher und J. Jeremias in seiner Gleichnisauslegung (Parables of the Kingdom, 1935). In letzterer führte Dodd den konsequent-eschatologischen Ansatz von Schweitzer weiter und vertrat, später in modifizierter Form, die Auffassung der "realized eschatology" in der Botschaft Jesu. Futurisch-eschatologische Aussagen wertete Dodd als fiktiven Mythos, der die Realität der Zielgerichtetheit von Geschichte zum Ausdruck bringen sollte. Für den Historiker Dodd stellt die biographische Situation Jesu den Entstehungskontext der Gleichnisse dar. - Dodd begründete keine eigene exegetische Schule, gilt aber besonders in der angloamerikanischen Forschung besonders aufgrund seiner kritischen Haltung einseitig analytisch verfahrender Exegese und seiner konsequenten Koppelung exegetischer und hermeneutischer Fragestellungen als prägende Gestalt der ntl. Wissenschaft im 20. Jh. In der internationalen Gleichnisforschung erlangte Dodd durch den gleichermaßen historisch und theologisch konsequenten Ansatz bleibende Bedeutung.

Werke: The Meaning of Paul for Today, London 1920; The Authority of the Bible, 1928; The Framework of the Gospel Narrative, 1932; The Mind of Paul: A Psychological Approach, 1933; The Bible and the Greeks, 1935; The Parables of the Kingdom, 1935 (3. rev.ed.1961); The Apostolic Preaching and its Developments, 1936 (21944 = 81956); The First Epistle of John and the Fourth Gospel, 1937; History and the Gospel, 1938 (2. rev.ed. 1964); The Bible Today, 1946; The Johannine Epistles, 1946; Gospel and Law, 1951 (dt. Das Gesetz der Freiheit. Glaube und Gehorsam nach dem Zeugnis des Neuen Testaments, 1960); According to the Scriptures, 1952; The Interpretation of the Fourth Gospel, 1953; The Dialogue Form in the Gospels, 1954/55; Historical Tradition in the Fourth Gospel, 1963; The Founder of Christianity, 1970 (dt. Der Mann, nach dem wir Christen heißen, Limburg 1975).

Bibliographien: E.E. Wolfzorn, Bibliography of the Works of Charles H.Dodd, EThL 38 (1962), 63-70; W.D. Davies/D. Daube, The Background of the New Testament and its Eschatology (FS C.H. Dodd), Cambridge 2/1964, XIII-XVIII; Ky. R.H. Graham, Charles Harold Dodd, 184-1973. A Bibliography of the Publishes Writings, Lexington 1974.

Lit.: T.E. McCullough, The Biblical Theology of C.H.Dodd, Diss. Southern Baptist Theological Seminary, 1955; - A. Bueno Castro, The Vision of History in C.H. Dodd, Diss. Rom 1960/61; - T.A. Johnson, "Realized Eschatology" and Theology. An Analysis and Theological Evaluation of C.H. DoddŽs Eschatology of the New Testament, Diss. Rom 1960/61; - J.A.T. Robinson, C.H. Dodd, in: A.W. und E.Hastings (Hgg.), Theologians of our Time XII, Edinburgh 1966; - F.F. Bruce, C.H. Dodd, in: Creative Minds in Contemporary Theology, Grand Rapids 1966, 239-269; - R.D. Kysar, A Comparison of the Exegetical Presuppositions and Methods of C.H.Dodd and R.Bultmann in the Interpretation of the Prologue of the Fourth Gospel, Diss. Illinois 1967; - J.B. Recob, The Role of Eschatology in Pauline Ethics as Interpreted by C.H. Dodd and R.Bultmann, Diss. Boston 1971; - W.D. Davies, In Memoriam Charles Harold Dodd, 1884-1973, NTS 20 (1974), i-v; - F.W. Dillistone, C.H. Dodd, Interpreter of the New Testament, London 1977; - G. Strecker, Charles Harold Dodd. Person und Werk, KuD 26 (1980), 50-58; - ders., Art. Charles Harold Dodd, TRE IX (1982), S.15-18; - John C. OŽNeill, Art. Charles Harold Dodd, RGG 4. Auflage, 2, 1999, Sp. 891/2.

Kurt Erlemann

Literaturergänzung:

2007

John Tudno Williams, C.H.D. and W.D. Davies. Two Welsh congregationalists on the nature of the church, in: Ecumenical and eclectic. Eugene, Or. 2007, S. 159-171.

Letzte Änderung: 17.09.2009