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Band XXIV (2005) Spalten 535-541 Autor: Ronny Baier

DORNHEIM, Johann Georg II. Fuchs Freiherr von; Fürstbischof von Bamberg; Streiter für die Gegenreformation; unbarmherziger Hexenverfolger auch "Hexenbrenner" genannt; * 23. April 1586 in Wiesentheid (Unterfranken); † 19. März 1633 während seines erzwungenen politischen Exils in Spital am Pyhrn (Oberösterreich). - Johann Georg II. war Sohn eines würzburgischen Beamten in Klingenberg am Main. Seine Mutter Magdalena war eine Schwester des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn. Dieser ebnete seinem Neffen Johann Georg den Weg für eine kirchliche Karriere. Nach seinen theologischen Studien an der von seinem Onkel gegründeten Würzburger Universität wurde Johann Georg nacheinander in die Domkapitel von Würzburg und Bamberg berufen. 1619 wurde er dann Dekan des Bamberger Domkapitels. Dieses machte ihn am 13. Februar 1623 zum Nachfolger des verstorbenen Johann Gottfried von Aschhausen. Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen regierte Würzburg und Bamberg in Personalunion. Diese wurde nun aufgelöst und das Würzburger Kapitel wählte Johann Georgs Cousin Philipp Adolf von Ehrenberg zum Fürstbischof von Würzburg. - Die Amtszeit von Johann Georg II. stand ganz im Zeichen des Dreißigjährigen Krieges. Die ersten politisch noch relativ ruhigen Jahre waren vor allem von der Fortsetzung des Reformwerks seines Vorgängers geprägt. So förderte Johann Georg die Arbeit der Jesuiten in seinem Bistum und er berief 1626/27 die Kapuziner nach Bamberg, einen typischen Orden der Gegenreformation, der wie auch die Jesuiten durch Volksmissionen und Volkspredigten erfolgreich für die katholische Sache wirkte. Nach dem Sieg der katholischen Liga über den sogenannten Winterkönig Friedrich V. von der Pfalz am Weißen Berg bei Prag, an dem auch würzburgisch-bambergische Truppen beteiligt waren, gewannen die katholischen Kräfte im Reich an politischem Boden. Der Kaiser übertrug nach dem Sieg in Böhmen die Pfälzer Kurwürde auf deren bayerischen Verwandte. Herzog Maximilian I. von Bayern wurde zum Kurfürsten erhoben. Johann Georg nutzte die Chance und begann mit Einverständnis des neuen Kurfürsten mit der Rekatholisierung der zu seinem Bistum gehörenden Pfarreien der Oberpfalz, die jetzt von München aus regiert wurde. Nach dem Sieg über die protestantische Schutzmacht Dänemark konnte Kaiser Ferdinand II. am 6. März 1629 auf Reichsebene das sogenannte Restitutionsedikt durchsetzen, welches die Rückführung aller von Protestanten beanspruchten Bistümer und Stifte zum katholischen Glauben anordnete. Den katholischen Reichsständen wurde gestattet, ihre Untertanen zu rekatholisieren. Das Restitutionsedikt beeinflusste den Verlauf des Dreißig-Jährigen Krieges entscheidend, wurde jedoch durch die Festsetzung des "Normaljahres" im Westfälischen Frieden 1648 hinfällig. - Johann Georg II. wurde von Kaiser Ferdinand II. am 2. Mai 1629 zum Präsidenten jener Kommission ernannt, die beauftragt wurde, die Restitution im fränkischen Reichskreis durchzuführen. Seine Bemühungen hatten jedoch nur teilweise Erfolg, da sich 1631 die militärisch-politische Lage abrupt änderte und die Schweden unter König Gustav Adolf bis nach Franken vordrangen. Johann Georg II. verhandelte zunächst mit Gustav Adolf, um eine militärische Besatzung zu verhindern. Die Verhandlungen scheiterten jedoch, weil Johann Georg II. den Schweden nicht die strategisch wichtige Festung Forchheim überlassen wollte. So wurde am 11. Februar 1632 das Hochstift Bamberg besetzt. Johann Georg II. floh unter Mitnahme des Domschatzes und wichtiger Urkunden mit einem Teil des Domkapitels zunächst nach Forchheim und von dort weiter nach Spital am Pyhrn (Oberösterreich). Von dort versuchte er mehr oder wenig vergeblich die Geschicke seines Territoriums zu lenken. General Tilly eroberte zwar am 9. März 1632 Bamberg für die Kaiserlichen zurück, doch schon am 9. Februar 1633 wurde die Stadt durch Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar erneut für die Schweden und ihre deutschen Verbündeten erobert. Außer die beiden Festungen Kronach und Forchheim regierten die Schweden nun bis zur Schlacht von Nördlingen 1634 das Hochstift. Die Befreiung seines Landes erlebte Johann Georg II. allerdings nicht mehr. Im Alter von nur 47 Jahren erlag er am 19. März 1633 im oberösterreichischen Exil einem Schlaganfall. Papst Urban VIII. bestellte daraufhin Franz von Hatzfeld zum Administrator der Bamberger Diözese. Dieser war bereits 1631 nach dem Tod von Philipp Adolf von Ehrenberg zum Fürstbischof von Würzburg gewählt geworden. Nur wenige Wochen nach der Beisetzung von Johann Georg II. in der Stiftskirche zu Spital am Pyhrn wählte ein Rumpfkapitel in Wolfsberg/Kärnten Franz von Hatzfeld auch zum Fürstbischof von Bamberg. Damit war die Hochstiftunion zwischen Würzburg und Bamberg wieder hergestellt. - Das wohl unrühmlichste Kapitel der Regentschaft von Johann Georg II. war dessen Hexenwahn, der ihm zurecht den Namen "Hexenbrenner" einbrachte. In den Jahren 1626-1631 starben mehrere hundert Männer und Frauen den Feuertod im Hochstift Bamberg. Die Motive, die diesem "Krieg gegen die Hexen" zugrunde lagen, waren vielfältig: Nicht allein die Angst vor dem Bösen und der christliche Fanatismus waren Ursache für die Verfolgung sogenannter Hexen. Auch die wirtschaftliche Situation Anfang des 17. Jahrhunderts förderte den zeitgenössischen Hexenwahn: Ernteeinbußen und Mißernten im Anschluß an die sogenannte Kleine Eiszeit lösten zu Beginn des 17. Jahrhunderts Hexen-Prozesswellen aus. Bereits 1612/13 und 1617/18 starben im Hochstift Bamberg unter Johann Georgs Vorgänger Johann Gottfried von Aschhausen an die 300 Personen, Männer und Frauen, in den Flammen der Scheiterhaufen. Allein 1617 wurden 102 Menschen im Hochstift als Hexen hingerichtet. Die Hexenverfolgung unter Johann Georg II. zwischen 1626-1631 zeichnete sich durch ihr noch planmäßigeres und deutlich brutaleres Vorgehen aus. Der Fürstbischof stellte eigens den Eichstätter Hexenkommissar Dr. Johann Schwarzkonz ein. Dieser sollte zusammen mit dem bisherigen Bamberger Hexenkommissar Ernst Vasolt einen Rat von Rechtsgelehrten leiten, welcher die Prozesse durchführen sollte. In seinem Generalvikar und Weihbischof Friedrich Förner fand Johann Georg II. auch noch einen fanatischen Propagator des Hexenwahns. Auf Förner geht auch die Konzeption und der Bau eines eigenen Drudenhaus (=Hexengefängnis) in Bamberg zurück. Das Bamberger Drudenhaus, 1627 fertiggestellt, hatte Platz für 30 bis 40 Gefangene. Kleinere Drudenhäuser entstanden auch in anderen Städten des Hochstiftes wie etwa in Zeil, Hallstadt und Kronach. Selbst Johann Georgs bischöflicher Kanzler Dr. Georg Haan blieb nicht vom Hexenwahn verschont. Da er versuchte, die Hexenprozesse wenigstens ein Stück weit zu kontrollieren, fiel bald schon der Verdacht auf ihn, ein Hexenfreund zu sein. Sein Einsatz für die vermeintlichen Hexen kosteten ihn sowie seine Frau und seine Tochter 1628 das Leben und dies trotz kaiserlicher Anordnung ihn freizulassen. Neben dem bischöflichen Kanzler fielen auch zahlreiche Bürgermeister und Magistrate Bambergs dem Hexenwahn zum Opfer. Bekanntester unter ihnen war Johannes Junius, dessen Abschiedsbrief an seine Tochter erhalten ist. Dieser Brief gibt Einblick in eine zutiefst gequälte Seele. Neben der Denunziation wurden insbesondere durch die rigorose Anwendung der Folter Namen anderer angeblicher Hexen erpresst, so daß sich die Verfolgung wie von allein fortsetzte. Man weiß auch, daß Johann Georg II. gut an der Verfolgung verdient hat, denn der konfiszierte Besitz der Opfer füllte die Taschen des Fürstbischofs. Wie der Fall Georg Haan zeigt, kümmerte sich Johann Georg II. wenig um Eingaben des Kaisers. Auch die Intervention Ferdinands II. zugunsten von Dorothea Block, Ehefrau eines reichen und angesehenen Patriziers von Bamberg stieß beim Fürstbischof auf taube Ohren. Dorotheas Vater floh schließlich aus Bamberg und mit ihm viele andere Bürger. Bamberg wurde zum Synonym für die Folter. Selbst auf dem Weg zur Hinrichtung wurden die verurteilten "Hexen" noch gequält. Manchen wurde noch kurz vor dem Scheiterhaufen die rechte Hand abgeschlagen oder glühende Eisennadeln durch die Brüste getrieben. Diese Brutalität rief zunehmend Befremden und Entsetzen hervor und der Kaiser mußte endlich handeln, wollte er sein Gesicht nicht verlieren zumal sich seine bisherigen Eingaben zugunsten vermeintlicher Hexen als erfolglos erwiesen hatten. So verfügte Kaiser Ferdinand II. in einem Mandat 1630 alle Gerichtsakten der Hexenprozesse dem Reichskammergericht in Regensburg zur Prüfung vorzulegen. Auch sollten fortan alle Anklagen öffentlich gemacht werden, um Diffamierungen und üble Nachrede als die häufigsten Anklagegründe besser ausschließen zu können. Jeder und jedem der Hexerei Angeklagten muss Rechtsbeistand gewährt werden. Ferner wurde geregelt, daß die Konfiszierung von Besitz zu unterbleiben hatte, um die nicht angeklagten Angehörigen und Verwandten in keine Notlage zu bringen. Die Folter als Mittel zur Urteilsfindung wurde allerdings nicht verboten. - Aufgrund des nun doch energischen Eingreifens Ferdinands II. ging der Terror bis zum Sommer 1631 deutlich zurück. Einen Rückgang der Prozesse hatte zudem der Tod von Weihbischof Förner im Dezember 1630 bewirkt, starb mit ihm doch der größte Propagator der Hexenverfolgung im Hochstift. Hauptgrund für das Ende des Hexenwahns in Bamberg war jedoch die Schwedengefahr und der Tod von Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim. Sein Hexenwahn kostete in der Stadt Bamberg ca. 300 Menschen das Leben und im gesamten Hochstift noch einmal etwa 900.

Lit.: P. Ludewig, Scriptores rerum episcopatus Bambergensis, Frankfurt u. Leipzig 1718; - Aemilianus Ussermann, Episcopatus Bambergensis, St. Blasien 1801, 232f.; - Friedrich Leitschuh, Beiträge zur Geschichte des Hexenwesens in Franken, Bamberg 1883; - Valentin Loch, Fürstbischof Johann Georg II. als Präsident der Kaiserlichen Commission für den fränkischen Kreis zur Durchführung des Restitutionsedicts im Jahre 1629, in: Berichte des Historischen Vereins für die Pflege der Geschichte des ehemaligen Fürstbistums Bamberg (fortan BHVB) 39 (1877), 33-103; - Michael von Deinlein, Zur Geschichte des Fürstbischofs Johann Georg II., in: BHVB 40 (1878), 1-41; - Johann Diefenbach, Der Hexenwahn vor und nach der Glaubensspaltung in Deutschland, Mainz 1886; - J. Looshorn, Die Geschichte des Bisthums Bamberg, 7 Bde., München/Bamberg 1886-1910 (zu Johann Georg II. Bd.VI, München 1906); - Heinrich Weber, Bamberg im Dreißigjährigen Krieg. Nach einer gleichzeitigen Chronik bearbeitet, in: BHVB 48 (1886), 1-132; - Friedrich Karl. Hümmer, Bamberg im Schweden-Kriege. Nach einem Manuscripte bearbeitet, in: BHVB 52 (1890), 1-168; - Karl Lempens, Das größte Verbrechen aller Zeiten. Pragmatische Geschichte der Hexenprozesse, durch welche allein in Deutschland in kaum 300 Jahren mehr als 100.000 Menschen auf martervolle Weise völlig unschuldig hingerichtet worden sind, Halle an der Saale 1904: - Wilhelm Gottlieb Soldan, Heinrich Heppe, Max Bauer, Geschichte der Hexenprozesse, 2 Bde., Hanau 1912; - G. Wurm, Bischöfe und Kapitel im Hochstift Bamberg und die Gegenreformation, Phil. Diss. Erlangen 1945; - Friedrich Merzbacher, Die Hexenprozesse im Hochstift Bamberg, in: Zeitschrift für Rechtsgeschichte, Kanonist. Abt. 68 (1951), 376-389; - Ders., Die Hexenprozesse in Franken, München 21970; - H.C. Erik Midelfort, Witch Hunting in Southwestern Germany 1562-1684. The Social and Intellectual Foundations, Stanford 1972; - Gerhard Schormann, Hexenprozesse in Deutschland, Göttingen 1981;21986;31996; - Ders., Der Krieg gegen die Hexen, Göttingen 1991; - Harald Schwillius, Kleriker im Hexenprozess. Geistliche als Opfer der Hexenprozesse des 16. und 17. Jahrhundert in Deutschland, Würzburg 1992; - Brian P. Levack, The witch hunt in Early Modern Europe, London 1987 (deutsch: Hexenjagd. Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa, München 1995); - Wolfgang Behringer (Hrsg.), Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, München 1988; - Ders., Hexenverfolgung in Bayern. Volksmagie, Glaubenseifer und Staatsräson in der frühen Neuzeit, dritte, verbesserte und um ein Nachwort ergänzte Auflage München 1997; - Walter Ziegler, Bamberg, in: Anton Schindlind u. Walter Ziegler (Hrsg.), Die Territorien des Reiches im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung. Land und Konfession 1500-1650, Band 4 (Katholisches Leben und Kirchenreform im Zeitalter der Glaubensspaltung 52) Münster 1992, 146-165; - Peter Kolb u. Ernst-Günther Krenig (Hrsg.), Unterfränkische Geschichte, Bd. 3, Vom Beginn des konfessionellen Zeitalters bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges, Würzburg 1995; - Erwin Gatz (Hrsg.), Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches, Bd. 3, 1448-1648, Berlin 1996; - Peter Östmann, Hexenprozesse am Reichskammergericht, Köln, Weimar, Wien 1997; - Günter Dippold, Aspekte der "Hexen"-Verfolgung im Hochstift Bamberg, in: BHVB 135, (1999), 291-305; - Birke Grießhammer, (Hrsg.), Drutenjagd in Franken 16.-18.Jahrhundert, 4. Auflage Nürnberg 1999; - Britta Gehm. Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofrates zu ihrer Beendigung, (=Rechtsgeschichte und Zivilisations-prozess; Bd. 3), Hildesheim 2000; - NDB 10, 468.

Ronny Baier

Letzte Änderung: 22.01.2005