DURIE (Dury, Duraeus), John, schottischer Theologe, * 1595 oder 1596 in Edinburgh als Sohn eines presbyterianischen Predigers, † 28.9. 1680 in Kassel. - D. studierte in Leiden und Oxford und wurde in Frankreich Hauslehrer und 1624 presbyterianischer Prediger der englischen Fremdengemeinde in Elbing. Der lutherische Rechtsgelehrte Kaspar Godemann legte ihm um 1628 einen von ihm ausgearbeiteten Entwurf einer Einigung von Lutheranern und Reformierten vor und bat ihn um sein Gutachten. Durch zweijährige Beschäftigung mit dem Unionsgedanken wurde ihm die Mitarbeit an den innerprotestantischen Einigungsbestrebungen zum Lebensberuf. Für seine Gedanken und Pläne gewann er den englischen Staatsmann Thomas Roe, der damals als Gesandter nach Elbing kam und ihn auch mit dem schwedischen Kanzler Axel Oxenstierna bekannt machte, und reiste mit Empfehlungen 1630 nach England. Das Leipziger Religionsgespräch von 1631, auf dem lutherische Theologen aus Kursachsen und reformierte aus Brandenburg und Hessen zwar ihren Dissensus in den wichtigsten bisher streitigen Lehren feststellten, aber sich doch zu weiteren Einigungsverhandlungen bereit erklärten, veranlaßte D., mit Empfehlungsschreiben des Erzbischofs George Abbot von Canterbury und presbyterianischer Bischöfe als Vorkämpfer der innerprotestantischen Union nach Deutschland zu reisen. Gustav Adolf empfing ihn in Würzburg und versprach ihm einen Empfehlungsbrief an die evangelischen Fürsten Deutschlands. Die Theologische Fakultät in Helmstedt begrüßte seine Unionsbemühungen, während die von Jena und besonders von Leipzig sich ablehnend verhielten. Abbot starb im Sommer 1633, und D. kehrte noch in demselben Jahr nach England zurück. Um in seinem Unionswerk Von Abbots Nachfolger, William Laud, unterstützt zu werden, trat er zur anglikanischen Kirche über. 1634 erschien D. auf dem Konvent der evangelischen Stände in Frankfurt am Main, kehrte aber wegen der Schlacht von Nördlingen, die den Konvent zerstreute, nach England zurück und begab sich bald darauf in die Niederlande. Seit 1635 warb er für seine Unionsidee in Schweden; aber seine Verhandlungen mit den widerstrebenden Bischöfen endeten 1638 mit seiner Ausweisung aus Schweden. Ebenfalls erfolglos verliefen seine Bemühungen in Dänemark. 1641 wurde D. in Den Haag anglikanischer Pfarrer der Gemahlin Wilhelms II. von Oranien, einer Tochter des Königs Karl I. Seine presbyterianischen Freunde luden ihn 1643 nach dem Sturz Lauds zur Synode von Westminster ein. 1644 gab D. seine Stelle in Den Haag auf, trat 1645 zu den Presbyterianern zurück und wirkte bis 1649 parlamentarisch und schriftstellerisch. 1650 wurde er Bibliothekar in St. James' Palace. D. trat von den Presbyterianern zu den Independenten über und bemühte sich seit 1654 unter dem Protektorat Oliver Cromwells um die Einigung aller Reformierten in der Schweiz, in Frankfurt am Main und der Wetterau, in Anhalt, Bremen, Emden und am Niederrhein sowie in den Niederlanden. Befriedigt kehrte er 1657 nach England zurück. Cromwells Tod 1658 und die durch Karl II. 1660 eingeleitete Restauration hinderten ihn an der Ausführung seines Plans, die von ihm angeknüpften Verbindungen zu näheren Verhandlungen mit Schweizern, Deutschen und Niederländern zu benutzen. 1661 verließ D. für immer England und bemühte sich in Deutschland bis zu seinem Tod ohne rechten Erfolg um die Versöhnung der Lutheraner mit den Reformierten, unterstützt von dem Landgrafen Wilhelm VI. von Hessen-Kassel und dessen Witwe Hedwig Sophie, die 1663-83 in Kassel die Regierung fast allein fortführte, aber heftig befehdet von den lutherischen Theologen Johann Konrad Dannhauer und Balthasar Bebel in Straßburg, Johannes Meisner in Wittenberg u. a. Am Ende seines langen Lebens mußte D. auf eine im wesentlichen verfehlte Lebensaufgabe zurückblicken.
Lit.: Karl Brauer, Die Unionstätigkeit J. D.s unter dem Protektorat Cromwells, 1907; - Hans Leube, Kalvinismus u. Luthertum im Zeitalter der Orthodoxie I, 1928, 204 ff.; - Gunnar Westin, Negotiations about Church Unity 1628-34. J. D., Gustavus Adolphus, Axel Oxenstierna, Uppsala 1932; - Brev från J. D. åren 1636-1638. Hrsg. v. dems., 1934; - Himmelreich, Einigungsbestrebungen des J. D. zw. den ev. Konfessionen u. den Klassen des Solmser Landes, in: Mhh. f. rhein. KG 28, 1934, 305 ff.; - Bauer, J. D., in: Altpreuß. Biogr. I, hrsg. v. Christian Krollmann, 1941, 154 f.; - Joseph Minton Batten, J. D. Advocate of Christian Reunion, Chicago 1944; - George Henry Turnbull, Hartlib, D. and Comenius, London 1947; - Letters written by J. D. in Sweden, 1636-38. Hrsg. v. dems., in: Kyrkohistorisk årsskrift 49, 1949, 204 ff.; - Lukas Vischer, Eine neuaufgefundene Abh. v. J. D., in: ZKG 64, 1952-53, 321 ff.; - Martin Schmidt, in: Ruth Rouse - Stephen Charles Neill, Gesch. der ökumen. Bewegung I, 1957 (19632), 137 ff.; - Ritschl IV, 264 ff.; - DNB VI, 261 ff.; - RE V, 92 ff.; - RGG II, 292 f.; - ODCC2 435 f.