DYBA, Johannes, Erzbischof, Bischof von Fulda (1929-2000); * 15. September 1929, † 23. Juli 2000. - Johannes Dyba wurde am 15. September 1929 in Berlin als drittes Kind der Eheleute Felix Dyba und Johanna, geborene Brüll, geboren. Sein Vater war ebenso wie seine Mutter Lehrer. In Berlin und Heiligenstadt besuchte Johannes Dyba das Gymnasium. Nach dem Abitur studierte er in Bamberg Philosophie und Jura. An der Duke-Universität (USA) setzte Dyba sein Jurastudium fort. 1952 legte er an der Universität in Heidelberg das erste Staatsexamen im Fach Jura ab. Mit der Arbeit "Der Einfluß des Krieges auf die völkerrechtlichen Verträge" promovierte Dyba 1954 in Heidelberg zum Doktor der Rechtswissenschaften. - Auf der Suche nach seiner Lebensbestimmung fand er zum Priestertum. 1953 nahm er in Bonn das Theologiestudium auf. Nach dessen Abschluß wurde Dyba am 2. Februar 1959 in Köln vom damaligen Erzbischof Joseph Kardinal Frings zum Priester geweiht. Es folgten zwei Kaplansjahre in Köln-Junkersdorf und Wuppertal. Danach wurde er zum Studium des Kirchenrechts an die Lateransuniversität und zum Besuch der Päpstlichen Diplomatenakademie nach Rom geschickt. Die kirchenrechtlichen Studien schloß er 1962 mit der Promotion zum Dr. des Kanonischen Rechts ab. Das Thema der hierfür verfaßten Dissertation lautete: "Die Gründe für die einseitige Aufhebung von internationalen Verträgen und Konkordaten." Jetzt begann seine diplomatische Laufbahn im Dienste des Heiligen Stuhls. Seine erste Aufgabe war die Mitarbeit in der deutschen Abteilung des Päpstlichen Staatssekretariats, dessen Leiter er später wurde. Seit 1967 war Dyba in den Apostolischen Nuntiaturen in Buenos Aires, in Den Haag von 1968-1972, in Kinshasa und in Kairo tätig. 1976 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Päpstlichen Ehrenprälaten. Im Jahre 1977 kehrte er nach Rom zurück, wo er bis 1979 Vizesekretär der Päpstlichen Kommission "Iustitia et Pax" war. - Papst Johannes Paul II. ernannte ihn am 25. Juli 1979 zum Erzbischof des Titularerzbistums Neapolis. Die heilige Bischofsweihe empfing er am 13. Oktober des gleichen Jahres aus der Hand des damaligen Kardinalstaatssekretärs Agostino Casaroli im Dom zu Köln. Als Kokonsekratoren fungierten der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner und Erzbischof Lourdusamy, Sekretär der Kongregation Propaganda Fide. Sehr bald nach seiner Bischofsweihe wurde Dyba zum Apostolischen Pronuntius in Liberia und Gambia, sowie zum Apostolischen Delegaten in Guinea und Sierra Leone mit Sitz in Monrovia ernannt. 1982 errichtete Dyba im päpstlichen Auftrag die Erzdiözese Monrovia mit dem Suffraganbistum Cape Palmas. - Einer schwierigen Aufgabe sah sich Dyba im Neuaufbau der Hierarchie in Guinea gegenübergestellt. Dieser Neuaufbau erforderte großes diplomatisches Geschick und enorme Geduld mit den politischen Kräften des Landes. Bereits am 25. März 1981 hatte Dyba den Spiritanerpater Michael J. Cleary zum Bischof geweiht. - Am 4. Juni 1983 ernannte Papst Johannes Paul II. Dyba zum Bischof von Fulda, und damit zum Nachfolger von Bischof Eduard Schick, der in den Ruhestand ging. Den Titel Erzbischof führte Bischof Dyba jedoch auch weiterhin. Die Inthronisation auf der Fuldaer Kathedra fand am 4. September 1983 statt. Am 30. November 1990 trat Erzbischof Dyba die Nachfolge des Bamberger Erzbischofs Elmar Kredel im Amt des deutschen Militärbischofs an. Im Januar 1991 erfolgte die Berufung in den Rat des Zentralbüros der Militärordinariate in Rom durch Papst Johannes Paul II. Am 27. Oktober 1993 berief ihn Papst Johannes Paul II in die Bischofskongregation, in der er bei der Auswahl von Bischofskandidaten mitwirkte. Der frühere Bundesverteidigungsminister Volker Rühe verlieh Dyba am 15. September 1994 das Bundesverdienstkreuz. - Erzbischof Johannes Dyba wurde von vielen Katholiken geliebt und geschätzt. Er hatte aber auch viele Gegner und Feinde und war selbst den meisten deutschen Bischöfen kein Freund. Wer war dieser Mann der Kirche? Er war zunächst einer der wenigen deutschen Bischöfe unserer Zeit, die uneingeschränkt treu zum Papst und zur Kirche standen, und das in einer Zeit, in der eine starke Weg-von-Rom-Bewegung die Oberhand zu gewinnen scheint. Daher ist es auch nicht erforderlich, nach den Gründen für seine Beliebheit unter den Katholiken zu forschen. Erzbischof Dyba war ein durch und durch katholischer Bischof, schlicht das, was Katholiken von ihren Oberhirten erwarten. Genau hier liegt aber auch die Ursache für die vielen Angriffe auf den Erzbischof. In der Ansprache von der Kanzel des Kölner Doms am Tage seiner Bischofsweihe sagte Dyba fast wie eine Klage, ... er habe zwar gelernt, in vielen Sprachen zu sprechen, aber in allen Sprachen nach Möglichkeit von Gott schweigen zu müssen. Der Verzicht auf die Verkündigung der Frohen Botschaft kann schon ein Stich ins Fleisch sein. Als Bischof von Fulda wollte er diesen Verzicht nicht mehr leisten. Seine klare ablehnende Position zur Abtreibung, zu den Beratungsscheinen, sowie zur Gleichstellung der Homosexuellen in der Gesellschaft riefen heftigen Protest jener hervor, die mit der katholischen Morallehre aufräumen wollen, jener, für die der Begriff "katholisch" allein schon ein rotes Tuch ist. Dyba war der erste und lange Zeit der einzige deutsche Bischof, der die Ausstellung der Beratungsscheine durch katholische Beratungsstellen in seinem Bistum untersagte. Dieses Verbot sprach Dyba schon im Jahre 1993 aus, also lange bevor der Heilige Vater die deutschen Bischöfe aufforderte, die praktizierte Schwangerschaftsberatung bei deren Abschluß die Beratungsscheine ausgestellt wurden, einzustellen. Er scheute sich auch nicht, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Mainzer Bischof Karl Lehmann, Etikettenschwindel vorzuwerfen, als dieser die Beratungsscheine mit dem Zusatz versehen wollte: "nicht zur Durchführung straffreier Abtreibungen." (vgl. Interview mit Erzbischof Dyba in: Die Welt vom 9. August 1999). Dyba zeigte klar auf, daß Bischof Lehmann und andere deutsche Bischöfe nicht nur die katholische Kirche in eine äußerst kritische Situation geführt hatten, sondern auch die ausdrücklichen Weisungen des Papstes zu umgehen trachteten. Mit Nachdruck wies der Fuldaer Oberhirte auch daraufhin, daß die Homosexualität widernatürlich sei, weil sie dem natürlichen Sittengesetz und somit der göttlichen Ordnung widerspricht. Folglich könne sie seitens der katholischen Kirche nicht als gleichberechtigt neben der natürlichen Sexualität gelten. Für diese klaren Positionen wurde Dyba auf das heftigste angefeindet, selbst aus katholischen Kreisen. Erzbischof Dyba ließ sich durch nichts beirren. Er war kein Schilfrohr, das von Winde hin- und hergeweht, heute diese und morgen jene Meinung vertrat, nur um bei den Menschen, die sich dem Zeitgeist verschrieben haben, anzukommen. Er war auch nicht bereit, sich selbst dem Zeitgeist anzupassen oder gar zu unterwerfen. Erzbischof Dyba ging es nicht um seine Person, es ging ihm vielmehr darum, entsprechend seinem Wahlspruch: "Filii Dei sumus" (Wir sind Kinder Gottes) Menschen zu Gottes Kindern zu machen. Dazu war es notwendig, ihnen den Weg zu weisen, der zur Gotteskindschaft führt. Neben der Annahme des katholischen Glaubens und dem Empfang der heiligen Sakramente ist es unabdingbar, die Gebote Gottes ohne Einschränkung zu achten und zu halten. Dafür setzte sich Erzbischof Dyba unermüdlich ein. Er war "der Rufer in der Wüste", - gelegen oder ungelegen - einer geistigen Wüste, in der viele durch Glaubensabfall und Gottlosigkeit jedwede moralische und sittliche Orientierung verloren haben, und die Recht in Unrecht und Unrecht in Recht verkehren. Auch nach seinem Tod, kommt die Diskussion um den heftig umstrittenen Erzbischof nicht zur Ruhe. <@$p>- <@$>Erzbischof Dyba hat nur wenige Schriften verfaßt. Er zog es vor, die Rechte, aber auch die Pflichten der Kirche in Interviews und in Diskussionsrunden der Medien klar und unmißverständlich aufzuzeigen. Auch bei der Bundeswehr war Erzbischof Dyba hochgeachtet, weil er sich für die Belange der Truppe einsetzte. Er begleitete deutsche Soldaten bei der jährlichen Internationalen Wallfahrt nach Lourdes und verteidigte sie gegen unqualifizierte Angriffe, z.B. als sie als "potentielle Mörder" beschimpft wurden. Erzbischof Johannes Dyba starb am 23. Juli 2000 und wurde in einer Seitenkapelle des Fuldaer Dom beigesetzt.
Werke: Johannes Dyba: Der Einfluß des Krieges auf die völkerrechtlichen Verträge. Heidelberg, Dissertation iur., 29. März 1954,XIV,102Bll(masch); Die Gründe für die einseitige Aufhebung von internationalen Verträgen und Konkordaten, Dissertation iur. utr., Latreran Universität (Rom) 1962, 207 Bll. (masch(; - Worte in die Zeit. Predigten - Ansprachen - Beiträge, Knecht-Verlag, Frankfurt a.M, 1994 ; - Das Wort des Bischofs, in: Bonifatiusbote, Kirchenzeitung für das Bistum Fulda, 1986-2000; - Geistige Grundlagen der europäischen Einigung, Melle 1988 (Straßburger Gespräche, H 17.)
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Januar 1986; - Bräuning, Peter M.: Poltriger Oberhirte, in: Neue Zeit vom 4. September 1993; - Brieger, Peter: Dyba und die Apokalypse. Wie ein Psychiater den Erzbischof an Silvester erlebte, in: Frankfurter Rundschau vom 8. Januar 1992; - Deckers, Daniel: Wortgewaltig und polemisch. Zum Tode von Erzbischof Johannes Dyba, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24. Juli 2000; - Dorn, Luitpold A.: Nuntius, wo der Pfeffer wächst, in: Der Sonntag vom 12. Juni 1983; - Ders.: Ratlosigkeit über eine Wahl, in: Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt vom 26. Juni 1983; - Drobinski, Matthias: Der Spalter mit der sanften Stimme, in: Die Zeit vom 14. April 1995; - Ders.: Gottes fröhlicher Fundi, Die Lust seine Gegner zu bekämpfen und zu bewirten - zum Tode des Fuldaer Erzbischofs Johannes Dyba, in: Süddeutsche Zeitung vom 24. Juli 2000; - Droste, Wiglaf: Danke, Dyba, in: Die Tageszeitung vom 28. Juli 2000; - Facius, Gernot: Glocken für die Kinder, in: Die Welt vom 31. 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Johannes Kreuzenbeck
Literaturergänzung:
Gotthard Klein, Johannes Dyba (1929-2000), in: ZLb 12.2007, S. 128-140.