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Band I (1990)Spalten 1498-1500 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

ELISABETH, Landgräfin von Thüringen, Heilige, 1207 auf der Burg Sáros Patak (Nordungarn) als Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn u. seiner Gattin Gertrud, Tochter des Grafen Berthold IV. und Herzogs von Meranien, † 17.11. 1231 in Marburg (Lahn). - Schon im Alter von einem Jahr wurde E. aus politischen Gründen verlobt mit dem achtjährigen Sohn Ludwig des Landgrafen Hermann I. von Thüringen und erhielt seit 1211 auf der Wartburg ihre Erziehung. Landgräfin Sophie, die zweite Gemahlin Hermanns I., war von religiöser Gesinnung und werktätiger Nächstenliebe erfüllt und wird auf die Entwicklung von E.s Frömmigkeit großen Einfluß ausgeübt haben. Landgraf Hermann I. starb 1217. Ihm folgte sein Sohn als Ludwig IV. 1221 vermählte er sich mit E., die ihm in kurzer, glücklicher Ehe drei Kinder schenkte: 1222 Hermann, den späteren Landgrafen, 1224 Sophie, die spätere Herzogin von Brabant und Stammutter der Landgrafen von Hessen, und 1227 Gertrud, die spätere Äbtissin von Altenberg. Der Franziskaner Rüdiger, ihr geistlicher Berater, gewann sie für das franziskanische Armutsideal. 1226 gab Ludwig IV. seiner Gattin als Beichtvater Konrad von Marburg, dem sie im Zisterzienserinnenkloster St. Katharinen in Eisenach ein Gehorsamsgelübde ablegte. Er wollte als rauher Asket die Landgräfin zur kirchlichen Vollkommenheit führen und nahm sie darum in strenge Zucht, förderte sie aber zugleich in ihrer gesegneten Wirksamkeit im Hunger- und Pestjahr 1226. Das Glück der jungen Ehe nahm ein jähes Ende durch den Tod des Gatten; er war als Kreuzfahrer am 11.9. 1227 in Otranto (Italien) am Fieber gestorben. Ihrer Witwengüter beraubt und von ihrem Schwager, dem Landgrafen Heinrich von Raspe, bedrängt, floh E. mit ihren Kindern in einer Winternacht von der Wartburg nach Eisenach und lebte dort in Armut und strenger Askese. Im Frühjahr 1228 wurde E. von ihrer Tante, der Äbtissin Mechthild von Kitzingen, nach Bamberg an den Hof ihres Oheims, des Bischofs Eckbert, gebracht, der sie gegen ihren Willen aufs neue verheiraten wollte. Eine Abfindung in Geld und Grundbesitz bei Marburg verschaffte ihr Konrad, dem sie nach Marburg folgte. Dort erbaute E. ein Hospital. Während des Baus wohnte sie in dem Dorf Wehrda bei Marburg. Im Herbst 1228 bezog E. das »Franziskushospital«, wie sie es nannte, und diente hier den Armen und Kranken im grauen Gewand der Tertiarierinnen, der Frauen vom Dritten Orden des Franziskus von Assisi. Ihre geschwächte Lebenskraft verzehrte sich in aufopfernder Liebestätigkeit und strengster Askese, so daß sie schon mit 24 Jahren starb. Der Deutschorden als Rechtsnachfolger ihrer Marburger Gründung legte am 14.8. 1235 den Grundstein zu ihrer Grabeskirche, der jetzt evangelischen Elisabethkirche. Am 27.5. 1235 wurde E. von Gregor IX. in Perugia heiliggesprochen und ihr Fest auf den 19. November festgesetzt. Sie wird als Patronin der Caritas verehrt.

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Friedrich Wilhelm Bautz

Textanmerkungen:

Schon zu Lebzeiten der Großen Heiligen (1207–1231) bestanden enge Beziehungen zu dem Sayner Grafenpaar Heinrich III. (um 1193–1247) und Gräfin Mechthild von Landsberg (um 1203–1285). Mechthilds Mutter Jutta von Thüringen war eine direkte Kusine von Elisabeths Mann, dem Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen. Da Mechthilds Vater bereits 1207 verstarb, verbrachte sie wohl einen Teil ihrer Kindheit am Thüringer Hof, wo auch die etwa gleich alte Königstochter Elisabeth von Ungarn seit ihrem 4. Lebensjahr als Verlobte von Ludwig lebte. - Als Mechthild bereits um 1215 Heinrich III. von Sayn heiratete, brachte sie das umfangreiche thüringische Erbe am Rhein mit in die Ehe. Elisabeth wird ihre Verwandten in Sayn mehrfach besucht haben. Als sie ihr drittes Kind erwartete, bestimmte sie, dass, sollte es ein Sohn werden, er in das neben Sayn liegende Kloster Rommersdorf aufzunehmen sei. 1218/19 begleitete Heinrich III. Elisabeths Vater, König Andreas von Ungarn, bei dem Kreuzzug nach Ägypten. Nach dem frühen Tod ihres geliebten Mannes geriet die 20-jährige Elisabeth zusehends unter den Einfluss ihres Beichtvaters Konrad von Marburg. Mit oftmals grausamer Strenge zwang er sie zum Verlassen ihrer drei Kinder und zu absolutem Gehorsam. Ihre tiefe Frömmigkeit und Selbstaufgabe führte auch zu unlösbaren Konflikten mit der Familie ihres Mannes. Es liegt nahe, dass sie mit ihren Kindern bei Heinrich und Mechthild in Sayn Schutz und Zuflucht suchte. - Das mag den tödlichen Konflikt zwischen Konrad von Marburg und Heinrich von Sayn erklären. Der päpstliche Inquisitor klagte Heinrich III. von Sayn, einen der mächtigen Herrscher der damaligen Zeit, ohne erkennbaren Grund der Ketzerei an, was einem Todesurteil gleichkam. Erst auf Intervention von Papst und König wurde Heinrich freigesprochen. Konrad bezahlte dafür mit seinem Leben. Er wurde 1233 von Heinrichs Mannen erschlagen. - Als Heinrich in der Silvesternacht 1246/47 in Sayn starb, ging nicht nur seiner Gemahlin Mechthild, sondern auch Elisabeths Kindern ein wichtiger Beschützer verloren. Daher stellte Papst Innozenz IV. 1249 in zwei gleich lautenden und am gleichen Tag verfassten Urkunden sowohl Mechthild als auch Elisabeths Tochter Sophie von Brabant unter seinen persönlichen Schutz. - Das beeindruckendste Zeugnis der engen verwandt- und freundschaftlichen Beziehungen zur Hl. Elisabeth und Ihren Kindern findet man in der um 1300 von dem rheinischen Dichter Zilies von Seine aufgeschriebenen Totenklage auf Heinrich von Sayn, in der 21 adelige Damen den Tod dieses großen Mannes beklagen - darunter auch an 4. Stelle Sophie von Brabant, die älteste Tochter der Heiligen. Sie wird hier nicht nur als "von Seyn" bezeichnet, sie selbst nennt sogar Heinrichvon Sayn ihren „Vater“: "Sophia von Seyn, hertzogynne zu Brabantt: O herr Gott, der mich geschoiff, erhor myns hertzen yamers roiff, hy lygt de lebe vader myn, erbarme dich gott over de sele syn." - Im Hochdeutschen: "Sophie von Sayn, Herzogin zu Brabant: Oh Herrgott, der mich geschaffen, erhör meines Herzens Jammerruf, hier liegt der liebe Vater mein, erbarme dich, Gott, der Seele sein". - Mechthild fand ihre letzte Ruhestätte in dem von ihr gegründeten Kloster Seyne (Sion) in Köln. Sophie von Brabant ruht in dem Kloster Villers la Ville bei Lüttich, dessen Abt zu Anfang des 13. Jahrhunderts Karl von Sayn war, vermutlich ein Onkel Heinrichs III.

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Rückschau: E.v.T. in d. Literatur d. vergangenen Jahrhunderte, in: Zeitzeichen 8.2007, Nr.7, S. 48-50; - E. begegnen. Ein Werkbuch mit Katechesen, Gottesdiensten u. Spielen für Kinder & Jugendliche. Leipzig 2007 (mit CD-ROM);- Gerald Jaksche, Die hl. E. Leipzig [2007]; - Mehr als Brot u. Rosen. E.v.T. heute. [Von] Heinz Josef Algermissen ... Freiburg i.Br. 2007; - Kathrin Jütte, Brautkleid u. Bußgewand. Thüringer Ausstellung zeigt Lebens- u. Wirkungsgeschichte d. Hl. E., in: Zeitzeichen 8.2007, S. 54f.; - E.v.T. Eine europ. Heilige. Kurzführer. Red.: Petra Weigel. Petersberg 2007;- Frank Löser, Sagenbuch - Hl. E.v.T. 1207-1231. Bad Langensalza 2007; - Thorsten Albrecht und Rainer Atzbach, E.v.T. Leben u. Wirkung in Kunst u. Kulturgeschichte. 3., verb. Aufl. Petersberg 2007; - Wilhelm Heermann, Pilgern auf E.pfaden u. Jakobuswegen in Thüringen u. Hessen, in: Sternenweg 20.2007, Heft 40, S. 4-12;- Christoph Kühn, E.v.T. - Frage auf e. Antwort, in: ebd. S. 13-21;- Christfried Boelter, E. u. Reinhardsbrunn, in: ebd. S. 22-24; - Marburger Pilgerweg. Auf d. Spuren d. E.pilger u.d. Jakobuspilger in Marburg. Zsgest. von Wilhelm Heermann. Altenstadt [2007?]; - Manfred Gerland, Der E.pfad. Ein ökumen. Pilgerweg, in: AG 21.2007, S. 70-73; - Michael Klein, Rosen u. Dornen. Das Leben d. Hlg. E.v.T.; Gestaltungsvorschlag f.e. Schulgottesdienst - Gymnasiale Oberstufe, in: Religion heute 2007, S. 142-149; - Caesarius von Heisterbach, "Vita S. Elizabeth Lantgrafie" = Das Leben d. Heiligen Elisabeth, Landgräfin von Thüringen. Übers. von Aloys Finken. Siegburg 2007; - Sylvia Weigelt, Unterwegs zu E. Jena 2007; Niklot Klüßendorf, Die hl. Elisabeth am Rathaus zu Marburg. Münzbild u. Staatssymbolik unter d. Landgrafen Wilhelm II. u. Philipp dem Großmütigen von Hessen, in: AmrhKG 59.2007, S. 123-144; - Hans Pörnbacher, Sankt E., d. Mutter d. Armen u.d. Kranken. Zum 800. Geb. d. Heiligen, in: KlBl 87.2007, S. 306f;- Werner Heiland-Justi, E.: Königstochter von Ungarn, Landgräfin von Thüringen u. Heilige. Lindenberg 2007; - Steffi Baltes, E.v.T. Inspirationen aus d. Leben e. ungewöhnl. Frau. Marburg 2007. 1 CD; - Papst Benedikt XVI., Epistula ad primatem Hungariae VIII recurrente centenario a natalibus sanctae E. a Thuringia seu Hungaria, in: AAS 99.2007, S. 649f.; - Lori Pieper, Santa Isabel de Hungria. Penitente franciscana en las fuentes del siglo XIII, in: VV 65.2007, S. 571-611;- Chiara Mercuri, Isabel y Ludovico, tipologia de una familia, in: ebd. S. 613-624;- Patricia Gasiorowska, El culto de santa Isabel de H. entre las duquesas y las reinas polacas desde el siglo XII hasta comienzos del siglo XV, in: ebd. S. 625-640;- Matthias Werner, Influencia de los franciscanos sobre santa I. de H., in: ebd. S. 641-653;- Salvador Cabot Rosselló, Santa I. fundadora de una comunidad religiosa, in: ebd. S. 655-676;- Lino Temperini, Espiritualidad pentitencial franciscana en las fuentes del siglo XIII sobre santa I., in: ebd. S. 699-775; - Christian Zippert, Die Verehrung d. Hl. E. als ökumen. Problem, in: ThRv 103.2007, S. 443-452; - E.v.T. Jochen-Christoph Kaiser (Hrsg.). Themenheft ZGK 118.2007, S. 305-388; - Ingrid Würth, Elisabeth Altera. Königin Sancia von Neapel (1286-1345) u.d. Franziskaner, in: Religiöse Bewegungen im Mittelalter. Köln [u.a.] 2007, S. 517-542;- Thomas Doepner, E.v.T. in schuldidakt. Perspektive. Welche Möglichkeiten gibt es u. welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, um E.v.T. im Schulunterricht zu behandeln?, in: ebd. S. 605-627; - Edith Stein, E.v.T. Natur u. Uebernatur in d. Formung e. Heiligengestalt (Wien 1931), in: WiWei 70.2007, S. 164-174; - Johannes Schlageter, Elisabeth von Thüringen u. Edith Stein. Hist. Bemerkungen zum Wiener Vortrag, in: WiWei 70.2007, S. 175-178;- Jürgen Werinhard Einhorn, Vortrag u. Hörer - Text u. Leser heute, in: ebd. S. 179-182;- Waltraud Herbstrith, Edith Steins Vortrag im Kontext ihres Lebens, in: ebd. S. 183-185; - Karl Dienst, Landespatronin - Dienerin - Heilige. Die Hl. E. - E.v.T., in: JHKG 58.2007, S. 107-126;- Peter Gemeinhardt, Mehr als Brot u. Rosen! Erträge d. E.-Jahres 2007, in: ebd. S. 127-151; - E.v.T. Eine europ. Heilige. Hrsg. von Dieter Blume und Matthias Werner. Aufsatz- und Katalogbd. Petersberg 2007; - Thorsten Albrecht u. Rainer Atzbach, E.v.T. Leben u. Wirkung in Kunst u. Kulturgeschichte. 2., verb. Aufl. Petersberg 2007; - Das Leben der hl. E. Hrsg. u. übers. von Ewald Könsgen. Marburg 2007;- Dietrich von Apolda, Das Leben d. hl. E. Hrsg. u. übers. von Monika Rener. Marburg 2007; - Wolfhard Vahl, Konrad von Marburg, die Heilige Elisabeth und der Deutsche Orden. Marburg 2007; - Manfred Gerland, Der Elisabethpfad. Ein ökumen. Pilgerweg, in: AG 21.2007, Nr.2, S. 70-73; - Ulrich Hussong, Im Namen d. hl. E. Nachleben u. Jubiläumsfeiern in Marburg. Marburg 2007; - Herbert Meier, E., der Freikauf. [Das Stück wurde im Auftr. d. Meininger Theaters zum E.-Jahr geschrieben]. Einsiedeln 2007; - E.v.T. Ihr Leben in Sagen u. Legenden erzählt. Weimar 2007. 1 CD; - Steffi Baltes, Das Leben d. E.v.T. Marburg 2007; -

2008

Matthias Werner, "Gegensätzliches mit Gegensätzlichem heilen". Lebensweg u. Spiritualität d. hl. E.v.T. (1207-1231), in: JGKBH 75./76.2007/2008, S. 373-395; - Matthias Werner, "Gegensätzliches mit Gegensätzlichem heilen". Lebensweg u. Spiritualität d. hl. E.v.T. (1207-1231), in: JGKBH 75./76.2007/2008, S. 373-395; - Johannes Schlageter, E.v.T. u.d. frühe franziskan. Bewegung, in: WiWei 71.2008, S. 81-114; - Gisela Muschiol ; Regina Illemann, E. - Zugänge zu e. sperrigen Heiligen. Ein Überblick über d. Literatur d. Jubiläumsjahres 2007, in: Diakonia 39.2008, S. 360-368; - Hl. E.v.T. Theol. Spurensuche. Dieter Wagner/Peter Schallenberg (Hrsg.). Frankfurt/M. 2008; - Fulbert Steffensky, Gotteserfahrungen. E.v.T. u. Franz von Assisi, in: Die Marke "Gott" zwischen Bedeutungslosigkeit u. Lebensinhalt. Frankfurt/M. [u.a.] 2008, S. 132-152;-

2009

Peter H. Görg, E.v.T. begegnen. Augsburg 2009; - Ottó Gecser, Lives of St. E. Their rewritings and diffusion in the thirteenth century, in: AnBoll 127.2009, S. 49-107; - Ortrud Reber, E.v.T. Landgräfin u. Heilige. Eine Biografie. Ungekürzte Taschenbuchausg. München 2009; - Walter-Johann Cornelius, E.v.T. - Königin d. Herzen. 2., überarb. Aufl. Aachen 2009; - Ottmar Fuchs, "Unmögliche" Gegenwart d. Gabe. E. u. Derrida als akute Provokation, in: Geistes-Gegenwart. Frankfurt/M. 2009, S. 155-178; - E.v.T. Eine Frau d. 13. Jhrs. u. ihre Wirkung. Mit Beitr. von: Toni Aigner ... München 2009.

Letzte Änderung: 05.02.2010