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Band I (1990)Spalten 1494-1495 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

ELISABETH von Herford, Pfalzgräfin, Äbtissin, * 26.12. 1618 in Heidelberg als Tochter des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz und Königs von Böhmen (des »Winterkönigs«), † 11.2. 1680 in Herford. - E. wuchs nach dem Sturz ihres Vaters in Berlin unter der Aufsicht ihrer Großmutter auf und kam mit 9 oder 10 Jahren nach Den Haag zu ihren Eltern. Seit 1639 stand sie mit Anna Maria von Schürmann in Briefwechsel. 1641 wurde René Descartes ihr Lehrer in der Philosophie und Moral. 1644 widmete er ihr seine »Prinzipien der Philosophie« und sagte von ihr: »Ich bin niemals jemandem begegnet, der alles, was meine Schriften enthalten, so allgemein und so gut verstanden hat.« 1650 kehrte E. mit ihrem Bruder, dem Kurfürsten Karl Ludwig, nach Heidelberg zurück, wo sie durch den Umgang mit Samuel Pufendorf und anderen Gelehrten mancherlei Anregung empfing. Ihre Bekanntschaft mit Johannes Coccejus veranlaßte sie zu einem eingehenden Studium der Heiligen Schrift. Ihrem Vetter, Friedrich Wilhelm, dem Großen Kurfürsten, hatte es E. zu verdanken, daß sie 1661 zur Koadjutorin der Äbtissin des reichsunmittelbaren adeligen weiblichen Stifts in Herford gewählt und am 30.4. 1667 als ihre Nachfolgerin in der Münsterkirche in Herford feierlich inthronisiert wurde. Auf Bitten ihrer Freundin Anna Maria von Schürmann gewährte sie 1670 der in Amsterdam bedrängten separatistischen Gemeinde des Jean de Labadie in ihrer Abtei gastliche Aufnahme. Es waren etwa 50 Personen und 5 Prediger. Auf Beschwerde des feindseligen Herforder Rats befahl das Reichskammergericht in Speyer 1671 unter Berufung auf die Mandate wider die Wiedertäufer und den nur drei Religionen duldenden Westfälischen Frieden von 1648 der Äbtissin die Ausweisung der fünf Prediger. Der Große Kurfürst als Schirmherr der Abtei ordnete eine genaue Untersuchung an. Die labadistische Gemeinde aber verließ 1672 freiwillig Herford und zog nach Altona. Auch den Quäkern bewies E. Gastfreundschaft und Glaubensverbundenheit. William Penn schrieb sie: »Mein Haus und mein Herz werden denen immer offenstehen, die Gott lieben« und George Fox: »Ich kann nicht anders als eine zärtliche Liebe gegen die hegen, die den Herrn Jesus Christus lieben und denen gegeben ist, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden.« Penn besuchte 1677 mit Robert Barclay E. und nahm ihre Einladung zu weiteren Besuchen dankbar an. Die Äbtissin gestattete ihm gottesdienstliche Versammlungen in der Abtei und setzte sich auch beim englischen König für die Duldung der Quäker ein. Sie blieb bis zu ihrem Tode mit Penn freundschaftlich verbunden.

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Lit.: Gottschalk Eduard Guhrauer, E., Pfalzgfn. bei Rhein, Äbtissin v. H., in: Hist. Taschenbuch, hrsg. v. Friedrich v. Raumer, 3. F., 1. Jg., 1850, 1-150; 2. Jg., 1851, 417-554; - Max Göbel, Gesch. des christl. Lebens in der rhein.-westf. ev. Kirche II, 1852, §§ 9 u. 11; - Alexandre comte Foucher de Careil, Descartes et la princesse Palatine, ou De l'influence du cartésianisme sur les femmes au XVIIe siècle, Paris 1862; - Ders., Descartes, la princesse É. et la reine Christine d'après des lettres inédites, 1879 (19082); - Hölscher, Die Labadisten in Herford, GProgr. Herford 1864; - Heinrich Heppe, Gesch. des Pietismus u. der Mystik in der ref. Kirche, 1879, 321 ff.; - Albrecht Ritschl, Gesch. des Pietismus I, 1880, 227 ff.; - Karl Hauck, Die Briefe der Kinder des Winterkg.s, 1908; - Elizabeth Godfrey, A Sister of Prince Rupert, E., Princess Palatine and Abbes of H., London 1909; - Anna Wendland, Sechs Briefe der Pfalzgfn. E., Äbtissin v. H., an ihren Bruder, den Kf. Carl Ludwig v. der Pfalz, in: ZGORh NF 43, 1919, 1 ff.; - Otto Wöhrmann, E. v. der Pfalz, in: ZGORh NF 43, 1919, 1 ff.; - Otto Wöhrmann, E. v. der Pfalz, 1921; - Heinrich Otto, Pfalzgfn. E., Fürstäbtissin v. H., 1940; - Else Wentscher, Dt. Frauengestalten, 1943; - B. Rang, E. v. der Pfalz, Fürstäbtissin v. H., in: Jber. des Hist. Ver. f. die Gfsch. Ravensberg 55, 1948, 50 ff.; - Biogr. Wb. z. dt. Gesch. I2, 1973, 616; - ADB VI, 22 ff.; - NDB IV, 447 f.; - RE V, 306ff.; - RGG II, 432f.

Letzte Änderung: 09.04.2011