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Band I (1990)Spalten 1535-1536 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

ERNESTI, Johann August, Pädagoge, Philologe und Theologe, * 4.8. 1707 als Pfarrerssohn in Tennstedt (Thüringen), † 11.9. 1781 in Leipzig. - E. erhielt seine wissenschaftliche Vorbildung in Schulpforta bei Naumburg (Saale) und begann 1726 in Wittenberg mit dem Studium der Theologie, Philosophie und Mathematik, das er zwei Jahre später in Leipzig fortsetzte. E. wurde dort Erzieher im Haus des Geheimen Kriegsrats und Bürgermeisters Stieglitz, der als Patron der Thomasschule ihm 1731 das Konrektorat verschaffte. E. wurde 1734 als Nachfolger des Johann Matthias Gesner Rektor der Thomasschule, zugleich 1742 an der Universität ao. Professor der klassischen Literatur, 1756 o. Professor der Beredsamkeit und 1759 auch der Theologie. Er legte 1759 das Rektorat an der Thomasschule und 1770 die Professur der Beredsamkeit nieder. E. war ein berühmter Latinist und bedeutender Philologe; er erwarb sich den Ehrenname »Germanorum Cicero«. Die von ihm entworfene Schulordnung für die kursächsischen drei Fürstenschulen und die Schulordnung für die lateinischen Stadtschulen blieben im wesentlichen von 1773-1847 in Kraft. In der Theologie hat sich E. besonders um die Erklärung der Bibel verdient gemacht. Er vertrat den hermeneutischen Grundsatz, »daß der Sinn der Worte in den göttlich inspirierten Büchern nicht auf andere Weise gesucht und gefunden werden könne, als wie er auch in anderen, d. h. menschlichen, Büchern gesucht und gefunden werden muß«. So bereitete E. der historisch-kritischen Bibelauffassung Johann Salomo Semlers und der Rationalisten den Boden. Dem kirchlichen Dogma gegenüber nahm er eine gemäßigte konservative Stellung ein.

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Werke: Initia doctrinae solidioris, 1736 (18028); Initia rhetorica, 1750 u. ö.; Ausgg. v. Xenephons Memorabilien, 1737 (17725); Homer, 5 Bde., 1759-64 (hrsg. v. W. Dindorf, 18242); Kallimachos, 2 Bde., 1761; Polybios, 3 Bde., 1763/64; Cicero, 5 Bde., 1737-39 (1774-773); Clavis Ciceroniana, 1739 (hrsg. v. Rein, 18316); Sueton, 1748 (17752); Tacitus, 2 Bde., 1752 (hrsg. v. Oberlin, 18013); Institutio interpretis Novi Testamenti, 1761 (hrsg. v. Christoph Friedrich v. Ammon, 18095); Opuscula oratoria, orationes, prolusiones et elogia, 1762 (17672); Opuscula philologica critica, 1764 (17762); Opuscula theologica, 1773 (17922); De officio Christi triplici, in: Opuscula theologica, 411 ff. (Kritik an der konfessionellen Scholastik, an dem Schematismus der dogmat. Lehre v. den drei Ämtern Christi); De theologiae historicae et dogmaticae conjungendae necessitate et modo universo, in: Opuscula theologica, 565 ff. (E. legte damit den Grundstein z. heutigen DG); Christl. Predigten z. Verherrlichung Gottes u. Jesu Christi u. z. Beförderung des inneren Christentums I, 1768; II, 1773; III u. IV, 1782; Theses theologicae dogmaticae, 1783; Lectiones academicae in epistolam ad Hebraeos, hrsg. v. Gottlieb Immanuel Dindorf, 1795.

Gab heraus: Neue theol. Bibl., darinnen v. den neuesten theol. Büchern u. Schrr. Nachr. gegeben wird, 10 Bde., 1760-69; Neueste theol. Bibl., 3 Bde., 1771-15.

Lit.: Wilhelm Abraham Teller, E.s Verdienste um Theol. u. Rel.; ein Btr. z. theol. Lit.gesch. der neueren Zeit, Berlin 1783 (Zusätze hierzu v. Johann Salomo Semler, 1783); - Wilhelm Gaß, Gesch. der prot. Dogmatik IV, 1867, 68 ff.; - Gustav Frank, Gesch. der prot. Theol. III, 1875, 51 ff.; - Karl Pöhnert, Johann Matthias Gesner u. sein Verhältnis z. Philanthropinismus u. Neuhumanismus. Ein Btr. z. Gesch. der Päd. im 18. Jh. (Diss. Leipzig), 1898, 66 f. 106 f.; - Otto Kirn, Die Leipziger theol. Fak. in 5 Jhh., 1909, 162 f. 170 f.; - Otto Kämmel, Gesch. des Leipziger Schulwesens (1214-1846), 1909, 316 f. 336 f. 417 f. 445 f.; - Hirsch IV, 10 ff.; - ADB VI, 235 ff.; - NDB IV, 604 - RE V, 469 ff.; XXIII, 431; - RGG II, 600 f.

Letzte Änderung: 09.04.2011