ESS, Karl van, Benediktiner, * 25.9. 1770 in Warburg (Westfalen), † 21.10. 1824 in Huysburg bei Halberstadt. - E. erhielt seine Vorbildung am Dominikanergymnasium in Warburg und seit 1788 in der Benediktinerabtei Huysburg. Er wurde 1794 Priester, 1796 Lektor, 1801 Prior und nach der Säkularisation des Klosters 1804 Pfarrer der Gemeinde Huysburg. Seit 1811 war er zugleich bischöflicher Kommissar mit der Vollmacht eines Generalvikars für die Kirchen im Gebiet von Magdeburg, Halberstadt und Helmstedt. - E. ist bekannt als Mitarbeiter seines Vetters Leander van Eß an der 1807 in Braunschweig erschienenen ersten Auflage der Übersetzung des Neuen Testaments. Während der französischen Fremdherrschaft, als die Verbindung mit Rom gelockert war, bemühte sich E., die deutsche Sprache in einzelnen Teilen der Liturgie einzuführen; er förderte den deutschen Kirchengesang und nahm in die von ihm 1813 besorgte neue Auflage des Osnabrücker Gesangbuchs eine Anzahl evangelischer Lieder auf. Aber später, nach dem Fall Napoleons und der neuen Erhebung des Papsttums, unterwarf sich E. Rom wieder ganz und erregte Aufsehen mit einer durch das Reformationsjubiläum 1817 veranlaßten Schrift, die wegen ihrer starken Ausfälle gegen die evangelische Kirche von den Domschülern in Hildesheim öffentlich verbrannt und protestantischerseits mehrfach beantwortet wurde.
Werke: Kurze Gesch. der Abtei Huysburg, 1810; Entwurf einer kurzen Gesch. der Rel. v. Anfang der Welt bis auf unsere Zeit, 1817; Darst. des kath.-christl. Rel.unterrichts (ein Katechismus), 1822.
Lit.: Franz Karl v. Borromaeo Felder, Gelehrten- u. Schr.steller-Lex. der dt. kath. Geistlichkeit Dtld.s u. der Schweiz I, Landshut 1817, 202 f.; - Wilhelm Liese, Necrologium Paderbornense. Totenbuch Paderborner Priester (1822-1930), 1934, 182 f.; - F. Kesting, Aus Huysburgs Tagen, Paderborn o. J. (1954), 47 ff. 83 ff.; - ADB VI, 377 f.; - RE V, 523; - DHGE XV, 1003; - LThK III, 1108.