Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band I (1990)Spalten 1544-1545 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

ESS, Leander (Taufname: Johann Heinrich) van, kath. Bibelübersetzer, * 15.2. 1772 in Warburg (Westfalen) als Sohn eines Kaufmanns, † 13.10. 1847 in Affolderbach (Odenwald). - E. wurde 1790 Novize in der Benediktinerabtei Marienmünster bei Paderborn, 1796 Priester, 1802 nach der Säkularisierung des Klosters Pfarrer in Schwalenberg (Lippe), 1812 Pfarrer, ao. Professor der Theologie und Mitdirektor des Schullehrerseminars in Marburg (Lahn). 1818 promovierte er zum Dr. theol., legte 1822 seine Ämter nieder und lebte seitdem als Privatgelehrter in Darmstadt, Alzey (Rheinhessen) und an anderen Orten. - E. sah in der Übersetzung der Bibel und ihrer Verbreitung unter dem katholischen Volk seine Lebensaufgabe. Mit seinem Vetter Karl van Eß übersetzte er aus dem Grundtext das Neue Testament, das 1807 in Braunschweig erschien, ungeheure Verbreitung fand (184228), am 19.12. 1821 auf den Index librorum prohibitorum kam, aber später von dem bischöflichen Ordinariat in Bruchsal und der Katholisch-Theologischen Fakultät in Tübingen empfohlen wurde. Es folgte in Sulzbach 1822 der erste und 1836 der zweite Teil der von ihm allein erarbeiteten Übersetzung des Alten Testaments. 1840 erschien in Sulzbach die von ihm in Verbindung mit seinem Freund und früheren Schüler Heinrich Joseph Wetzer besorgte Gesamtausgabe der Bibel in 3 Teilen. In seinem Bemühen um ihre Verbreitung wurde E. von der Britischen und Ausländischen Bibelgesellschaft in London unterstützt, deren Agent er bis 1829 war. Seine Bibelübersetzung wird noch heute, z. B. von der Württembergischen Bibelanstalt in Stuttgart, verbreitet. Trotz seiner Kritik an der Vulgata, seiner Rechtfertigung der gemischten Ehen und der Herausgabe von Predigten des Franz Volkmar Reinhard blieb E. in seiner Gesinnung Katholik, auch wenn er sich immer mehr dem restaurierten Katholizismus entfremdete.

Werke: Ausz. aus den hl. Vätern u. anderen Lehrern der kath. Kirche über das notwendige u. nützl. Bibellesen, 1808; Von der Vortrefflichkeit der Bibel als Volksschr. u. v. dem Nutzen, welchen man v. ihrer Verbreitung erwarten kann, 1814; Rechtfertigung der Gemischten Ehen zw. Katholiken u. Protestanten in statistisch-kirchl. u. moral. Hinsicht, 1821 (am 17.12. 1821 auf den Index gesetzt); Wesenlehren des christl. Glaubens u. Lebens, f. Verstand u. Herz auf das einleuchtendste u. überzeugendate dargest. Eine Auswahl von neun Reinhardschen Predigten, 1823; Pragmat.-krit. Gesch. der Vulgata im allg. u. zunächst in Beziehung auf das tridentin. Dekret, oder: Ist der Katholik gesetzl. an die Vulgata gebunden?, 1824 (v. der Freiburger Theol. Fak. gekrönte Preisschr.); Ihr Priester, gebet u. erkläret dem Volke die Bibel! Das will u. gebietet die kath. Kirche, 1825.

Gab heraus: Vulgata, 1822; Septuaginta, 1824; griech. NT, 1827.

Lit.: Franz Karl Borromaeo Felder, Gelehrten- u. Schr.steller-Lex. der dt. kath. Geistlichkeit Dtld.s u. der Schweiz, fortges. v. H. F. Weitzenegger, I, Landshut 1817, 203 ff.; III, 1822, 485 f.; - Neuer Nekrolog der Deutschen, hrsg. v. Friedrich August Schmid, 25, 1847, 652 ff.; - William Canton, A History of the British and Foreign Bible Society I, London 1904; - Carl Mirbt, Die kath.-theol. Fak. zu Marburg, 1905, 5 ff.; - Alexander Schnütgen, Zur Vorgesch. der Indizierung L. v. E. im J. 1821, in: ThGl 5, 1913, 627 ff.; - K. Rheinfurth, L. v. E., in: Hessenspiegel 1, 1924; - Franz Gundlach, Catalogus professorum academiae Marburgensis. Die akad. Lehrer der Philipps-Univ. in Marburg v. 1527-1910, 1927, 459 f.; - Kornel Schönig, Anton Josef Binterim (1779-1855) als Kirchenpolitiker u. Gelehrter (Diss. Würzburg), 1933; - Wilhelm Liese, Necrologium Paderbornense. Totenbuch Paderborner Priester (1822-1930), 1934, 183 f; - Karl Fruhstorfer, Eine verbotene Bibel, in: ThPQ 87, 1934, 570 ff.; - Wilhelm Dersch, L. v. E., in: Lb. aus Kurhessen u. Waldeck, hrsg. v. Ingeborg Schnack, II, 1940, 120 ff.; - Wilhelm Fischer, L. v. E. Ein Leben im Dienst der Bibel, in: Jb. der hess. kirchengeschichtl. Ver. 4, 1953, 74 ff.; - Hermann Knaus, Die Hss. des L. v. E., in: Arch. f. die Gesch. des Buchwesens 1, 1956, 331 ff.; - Friedrich Wilhelm Kantzenbach, Zu dem Btr. v. W. Fischer im Jb. 4, 1953, 74 ff., in: Jb. der hess. kirchengeschichtl. Ver. 8, 1957, 224 f.; - Wilhelm Auer, L. v. E., in: Bibel u. Kirchl. Organ des kath. Bibelwerkes 14, 1959, 66 ff.; - Nikolaus Adler, L. v. E. u. seine Übers, des NT, in: Universitas. Dienst an Wahrheit u. Leben. Festschr. f. Bisch. Dr. Albert Stohr. Hrsg. v. Ludwig Lenhart, I, 1960, 17 ff.; - ADB VI, 378 - NDB IV, 656; - RE V, 523 f.; xxIII, 432 - RGG II, 700 f.; - EC V, 617; - DHGE xv, 1003 f.; - LThK III, 1108.

Literaturergänzung:

Johannes Altenbehrend, Säkularisation und Büchersammeln. Leander van Eß u. d. Aufbau e. Privatbibliothek, in: Kirchliches Buch- und Bibliothekswesen 4. 2003, S. 105-136; - Johannes Altenberend, Leander van Eß (1772-1847). Bibelübers. u. Bibelverbreiter zwischen kath. u. evangelikaler Erweckungsbewegung. Paderborn 2001 (=Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte; 41).

Letzte Änderung: 15.12.2005