Verlag Traugott Bautz |
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FABRI, Johannes, Bischof von Wien, * 1478 in Leutkirch (Allgäu) als Sohn des Schmieds Peter Heigerlin, † 21.5. 1541 in Wien. - F. studierte in Tübingen und Freiburg (Breisgau) und promovierte 1511 zum Dr. jur. utr. Nach kurzer Wirksamkeit in Lindau wurde er Pfarrer in Leutkirch und kam als Kanonikus und Offizial nach Basel. Bischof Hugo von Landenberg ernannte ihn 1518 zum Generalvikar des Bistums Konstanz, und Leo X. (s. d.) verlieh ihm den Titel eines Protonotars. 1523 trat F. in Beziehungen zum Erzherzog Ferdinand von Österreich, der ihn später zu seinem Rat und Beichtvater ernannte. F. wurde 1528 Koadjutor des Bischofs von Wiener Neustadt, 1529 Propst von Ofen und 1530 Bischof von Wien. Bis 1538 war er zugleich Administrator des Bistums Wiener Neustadt. - In seinen jungen Jahren vertrat F. als Freund des Erasmus von Rotterdam (s. d.) die Gedanken eines christlichen Humanismus. Mit Huldrych Zwingli (s. d.) unterhielt er einen regen Briefwechsel. Der Reformation Martin Luthers (s. d.) gegenüber nahm F. zunächst eine vorsichtig abwartende Haltung ein, wandte sich aber allmählich und seit Sommer 1521 bewußt von Luther ab und entwickelte sich 1521/22 während eines längeren Aufenthalts in Rom zu einem der schärfsten Bekämpfer der Reformation in Süddeutschland und besonders in der Schweiz. Er nahm 1523 teil an der ersten Zürcher Disputation und dem Nürnberger Reichstag, 1524 an dem Konvent in Regensburg, 1526 an der Disputation in Baden (Aargau) und 1526 und 1529 an den Reichstagen in Speyer. Auf dem Reichstag in Augsburg 1530 gehörte F. zu der Kommission, die Karl V. (s. d.) mit der Widerlegung der "Confessio Augustana" beauftragte. 1539 gründete er das "Collegium trilingue" bei St. Nikolaus in Wien.
Lit.: Carl Ernst Kettner, De J. Fabri vita scriptisque (Diss. Leipzig), 1737; - Adalbert Horawitz, Johannes Heigerlin (gen. Faber), Bisch. v. Wien, bis z. Regensburger Konvent, in: SAW 107, 1884, 83 ff.; - K. Czerwenka, J. F. als Gen.vikar v. Konstanz mit bes. Berücks. seiner Stellung z. Ref. (Diss. Wien), 1903; - Concilium Tridentinum IV, hrsg. v. Stephan Ehses, 1904, 10 ff.; - Karl Schottenloher, J. F. in Rom, in: ARG 5, 1907, 31 ff.; - Ignaz Staub, J. F. bis z. offenen Kampf gg. M. Luther, Einsiedeln 1911; - Leo Helbing, Dr. J. F. u. die schweizer. Ref. (Diss. Freiburg/Schweiz), 1933; - Ders., Dr. J. F., Genvikar v. Konstanz u. Bisch. v. Wien. Btrr. zu seiner Lebensgesch. (Werkeverz.: 139-208), 1941; - Ernst Tomek, KG Östr.s II, Innsbruck - Wien 1949, 255 ff.; - Biogr. Wb. z. dt. Gesch. I2, 1973, 665; - Schottenloher I, Nr. 5950-5963; V, Nr. 46207a-46210; VII, Nr. 54533-54537; - ADB XIV, 435 ff.; - NÜB IV, 728 f.; - Catholicisme IV, 1040 f.; - DHGE XVI, 329 ff.; - DSp V, 16 ff.; - LThK III, 1333 f.; - NCE V, 782; - MennLex I, 624 ff.; - RE V, 617 ff.; - RGG II, 856.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1984
Artur Angst, Heigerlin oder Schmid? Der Familienname des in Leutkirch geborenen Wiener Bischofs und Kontroverstheologen Dr. Johannes Fabri (1478-1541) in: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte, Band 3 (1984), 197-205; -
1987
Keith D. Lewis, Ulrich von Hutten, Johann Faber, and "Das Gyren Rupffen". A knight's last campaign?, in: ARG 78.1987, S. 124-146; -
1991
Christoph Dittrich, Die vortridentin. kath. Kontroverstheol. u.d. Täufer. Frankfurt/M. 1991; -
2005
Heribert Smolinsky, Kirchenväter u. Exegese in d. frühen römisch-kath. Kontroverstheol. d. 16. Jhrs., in: Ders., Im Zeichen von Kirchenreform u. Reformation. Münster 2005, S. 401-419; -
2008
Jonathan R. Seiling, The political and polemical motives of J.F.'s "Moscovitarum religio" (1525-26), in: CHR 94.2008, S. 653-670; -
2010
Jonathan R. Seiling, Johann Fabri's "Justification" concerning the execution of Balthasar Hubmaier, in: MQR 84.2010, S. 117-139.
Letzte Änderung: 09.04.2011