FENEBERG, Johann Michael, kath. Pfarrer, * 9.11. 1751 als Bauernsohn in Oberdorf (Allgäu), † 12.10. 1812 in Vöhringen bei Ulm. - F. erhielt seine Erziehung bei den Jesuiten in Augsburg und wurde 1770 Jesuitennovize in Landsberg (Lech), wo er in Johann Michael Sailer (s. d.) einen Lebensfreund fand. Da Clemens XIV. (s. d.) am 21.7. 1773 den Jesuitenorden aufhob, vollendete F. seine Studien in Ingolstadt und Regensburg und wurde nach seiner Priesterweihe 1775 Professor am Gymnasium St. Paul in Regensburg. Seit 1778 war er Benefiziat in seiner Heimat. Auf Sailers Veranlassung kam F. 1785 als Professor der Rhetorik und Poesie an das Gymnasium in Dillingen und verkehrte rege mit Sailer und anderen gleichgesinnten Universitätsprofessoren, deren Gegner den Bischof aber zum Einschreiten veranlaßten. Als gegen sie eine Untersuchung eröffnet wurde, die zu Sailers Maßregelung führte, trat F. bei seiner Zeugenvernehmung für seine Freunde mannhaft ein. Er hielt es nun für ratsam, Dillingen zu verlassen, und übernahm 1793 die Pfarrei Seeg bei Füssen (Allgäu). Martin Boos (s. d.) fand 1796/97 als vertriebener Kaplan bei seinem Vetter F. Zuflucht und übte auf ihn starken Einfluß aus, ohne ihn jedoch für das Herzstück des Evangeliums, die Rechtfertigung durch den Glauben, zu gewinnen. F. wurde mit zweien seiner Kapläne wegen »Aftermystizismus« bei dem Bischof von Augsburg verklagt und zur Verantwortung geladen. Nachdem er am 11.9. 1797 10 Sätze, die er aber nicht als von ihm gelehrt anerkannte, widerrufen hatte, konnte er in seine Pfarrei zurückkehren. F. blieb Boos und der Richtung Sailers treu, ohne sich eines Gegensatzes zum Dogma der katholischen Kirche bewußt zu sein. Von seinen Kaplänen seien Johannes Evangelista Goßner (s. d.) und Christoph von Schmid (s. d.) genannt. Seit 1805 wirkte F. als Pfarrer in Vöhringen.
Werke: Fragen f. Kinder über Begebenheiten aus der ev. Gesch. z. Weckung des Nachdenkens über dieselben, 3 Hh., 1788-92; Lehrplan, 1789; Smlg. erbaulicher Lieder z. Gebrauch in christl. Häusern, 1807; Blumen- u. Dornen-Stücke. Eine Smlg. interessanter aus dem Leben genommener Erzz. f. die Jugend, o. J.; Freude u. Schmerz, o. J.; Dichtung u. Wahrheit (8 Erzz.), 1816. - Übers. des NT, hrsg. v. Georg Michael Wittmann, 1808 (1829
25).
Lit.: Johann Michael Sailer, Aus F.s Leben (39. Bd. der Sämtl. Werke), 1814 (18412); - Christoph v. Schmid, Erinnerungen aus meinem Leben III, 1855, 98 ff.; - Friedrich Wilhelm Bodemann, J. M. Sailer, 1856; - Valentin Thalhofer, Btrr. zu einer Gesch. des Aftermystizismus im Bist. Augsburg, 1857, 68 ff.; - Remigius Stölzle, J. M. Sailer, seine Maßregelung an der Akad. zu Dillingen u. seine Berufung nach Ingolstadt, 1910; - Kurt Aland, Der Inquisitionsprozeß gg. Anton Bach u. seine Anhänger, in: ZBKG 18, 1949, 110 ff.; 22, 1953, 217 ff.; - Matthias Simon, Die Entstehung des Zentralbibelver. in Bayern, in: Festg. Herrn Landesbisch. D. Hans Meiser z. 70. Geb., 1951, 45 ff.; - Hubert Schiel, J. M. Sailer. Leben u. Briefe II, 1952, 623 ff.; - Ders., M. F. u. Xaver Bayr vor dem Geistl. Gericht in Augsburg, in: ZBKG 26, 1957, 163 ff.; -Ders., Martin Boos vor dem Geistl. Gericht in Augsburg u. sein Inquisitionsprotokoll, ebd. 29, 1960, 51 ff.; - Friedrich Wilhelm Kantzenbach, J. M. Sailer u. der ökumen. Gedanke, 1955, 46 ff.; - Ders., Die Erweckungsbewegung. Stud. z. Gesch. ihrer Entstehung u. ersten Ausbreitung in Dtld., 1957, 27 ff.; - Hildebrand Dussler, J. M. F. u. die Allgäuer Erweckungsbewegung. Ein kirchengeschichtl. Btr. aus den Qu. z. Heimatkunde des Allgäus, 1959; - Ders., J. M. F., in: Lb. aus dem bayer. Schwaben VIII, 1961, 328 ff.; - Ders., J. M. F. u. die Allgäuer Erweckungsbewegung in der Sicht des Freisinger Moraltheologen Magnus Jocham, 1961; - Ders., Zur Allgäuer Erweckungsbewegung, in: Festg. Matthias Simon, 1963, 246 ff.; - Ders., Der Nachlaß des Pfr. J. M. F., in: ZBKG 35, 1966, 62 ff.; - Ders., Zum Bild des Sailerfreundes J. M. F., ebd. 230; - Kosch, KD 732; - DLL IV, 911 f.; - ADB VI, 619 f.; - NDB V, 77; - CathEnc VI, 34 f.; - DThC Tables générales 1510; - DHGE XVI, 957 f.; - LThK IV, 75; - NCE V, 882; - RE VI, 31 f.; - RGG II, 899.
Friedrich Wilhelm Bautz
Letzte Änderung: 09.04.2011